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Kunst irgendwo zwischen Museum und Technoclub

Marburger Kunstverein: Ausstellung „Mosh“ Kunst irgendwo zwischen Museum und Technoclub

„Mosh“ heißt der Titel der neuen Ausstellung im Kunstverein, die diesen Freitag um 18 Uhr eröffnet wird. So viel vorweg: Sie wird die Besucher irritieren. Zur 
Eröffnung gibt es eine Performance.

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Nik Nowak (links) und Moritz Stumm stellen gemeinsam im Marburger Kunstverein aus. Zu sehen sind unter anderem Videos und Soundsysteme.

Quelle: Uwe Badouin

Marburg. Nik Nowak und Moritz Stumm, der Sohn des Marburger Malers Richard Stumm, sind zwei junge Künstler, die seit vielen Jahren in Berlin leben. Die beiden kennen sich lange, haben an der Universität der Künste in Berlin studiert und arbeiten eng zusammen, teilen sich auch ein Atelier.

„Mosh“ haben sie ihre gemeinsame Ausstellung betitelt, „Mosh“ steht dabei unter anderem für den sogenannten „moshpit“, die drängende, wogende Menge bei Rockkonzerten unmittelbar vor der Bühne. Musik oder besser „Sounds“ und damit Klänge sind ein zentraler Teil dieser Ausstellung.

Wenn die beiden Künstler über ihre Kunst sprechen, dann glaubt man fast mit Soziologen oder Anthropologen zu sprechen: Sie sprechen über „Funktion und Psychologie von Sounds“, über „Codes von Subkulturen“, denen sie in ihren „medien-übergreifenden“ Arbeiten nachspüren, die sie kennen, weil sie selbst Teil einer künstlerischen Subkultur sind. Nik Nowak und Moritz Stumm fühlen sich in ihren Ateliers, in Museen und Galerien ebenso zuhause wie in Technoclubs. Ihre Kunst ist also nicht nur medien-, sondern grenzüberschreitend. So kommt vermutlich im März ihr erstes gemeinsames Musik-Album heraus – mit elektronischer Musik.

Wie die klingen könnte, ist in der Arbeit „Ibogain“ von Moritz Stumm im hinteren Saal des Erdgeschosses zu hören: Über einen Beamer werden hypnotisierende Bilder an die Wand geworfen, über Kopfhörer hört man elektronische Drum‘n‘Bass-Musik mit musikalischen Motiven indigener Kulturen. Es gehe ihm dabei um Rauschzustände im musikalischen Kontext, sagt Stumm. Das Ganze könnte ebenso in einem Technoclub stattfinden.

Collage mit verrückten Soundsystemen

Eine Etage darüber ist seine Videoarbeit „Moshpit“ zu sehen. Mit einer Industrie-Kamera hat er vom Standpunkt des Sängers einer Rockband aus das Gerangel vor der Bühne aufgenommen und extrem verlangsamt. Die 12-sekündige Aufnahme wird mittels Superzeitlupe auf drei Minuten verlängert – ein spannendes Experiment.

Auch Nik Nowak arbeitet mit „Sounds“. Er hat zwei seiner mobilen Soundsysteme mitgebracht: Der „Mobile Booster“ sieht aus wie ein abgeschnittener Aufsitzrasenmäher. Bestückt ist er mit Lautsprechern und einer Anlage. Daneben steht sein „sowak“ – ein kleineres Modell mit ähnlicher Sound-Konfiguration, das optisch an einen Bobby-Car erinnert.

In Berlin besitzt Nowak tonnenschwere Kettenfahrzeuge, die er mit Soundsystemen bestückt hat, mit denen er unter anderem bei Performances Kettenbilder „malt“, die ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind. Wer sich näher für mobile Soundsysteme interessiert, kann ziemlich verrückte Exemplare aus aller Welt in einer Collage des Künstlers entdecken, die fast den Charakter eines Schreins hat.

Daneben gibt es Glaskuben aus zerstörtem Sicherheitsglas, mit Lampen beleuchtetes, ebenfalls zerstörtes Sicherheitsglas – eine künstlerische Zuspitzung der oft gewalttätigen Auseinandersetzungen in Berlin, insbesondere am 1. Mai.

Die einzig malerisch anmutenden Arbeiten in dieser Schau zeitgenössisch-urbaner Kunst stammen von Moritz Stumm: Er hat Tänzer mit neun Kameras gleichzeitig fotografiert und diese Fotos „gesampelt“, also zerlegt und mittels Überlagerungen neu zusammengesetzt. Es ist ein ähnliches Prinzip wie bei ihrer Musik.

von Uwe Badouin

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