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Kulturschock für A-cappella-Gemeinde

„Nacht der Stimmen“ Kulturschock für A-cappella-Gemeinde

Gute Stimmung bei der 19. „Nacht der Stimmen“ in der Freilichtbühne – bis „Bauchklang“ kam: Viele der 1.200 Zuhörer gingen. Zu laut, zu fremd, zu heftig war ihre Show für Teile des Publikums. Die Mehrheit feierte eine Party.

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Bauchklang (oben) präsentierte eine heftige HipHop-Show. „Postyr“ (links) aus Dänemark und Martin O. aus der Schweiz präsentierten ruhigere, eher klassische A-cappella-Musik.

Quelle: Schubert

Marburg. Wozu bracht man noch ein Schlagzeug, Gitarre, Bass oder eine elektronische Beat-Box, wenn das alles doch schon im menschlichen Körper eingebaut ist? Die Klänge all dieser Instrumente muss man auch durch Verstärker und entsprechend dimensionierte Lautsprecher jagen, um eine Dancefloor-Party mit Dub, Elektro, HipHop, Drum‘n‘Bass oder auch Reggae-Klängen in Gang zu bringen.

Allein mit ihren Stimmen schafften das am Donnerstagabend die fünf Österreicher von „Bauchklang“, die zum Abschluss der Nacht der Stimmen die Schlossparkbühne in eine Partyzone verwandelten. Wie überzeugend und überaus beeindruckend ihnen das gelang, belegten zum einen die nicht wenigen, meist älteren Besucher, die bereits nach den ersten drei, vier Klang- und Lichtgewitter verbreitenden Songs ihre Wärmedecken und die Flucht ergriffen.

A-cappella-Fan Dr. Bernd Frank meldete sich am Freitag entsetzt bei der OP, der Auftritt sei aufgrund der Lautstärke ein Angriff auf die Gesundheit gewesen. Er verglich die Lautstärke mit dem Start eines Jumbo-Jets.

Die weitaus meisten der ursprünglich 1.200 Zuhörer blieben jedoch und wurden von den fünf Alpenländlern, denen die Publikumsbewegung nicht entgangen war, gebeten, die vorderen Reihen wieder zu füllen. Nicht nur die, auch der Platz vor der Bühne war, nachdem das erste Erstaunen über die Klänge, die sich Ohr und Bauch mitteilten, gewichen war, nach einer Weile voller Menschen, die sich im Rhythmus bewegten.

Andere wagten sich nicht so in die Nähe der riesigen Boxen, lauschten aber dennoch fasziniert den fetten Beats, abgrundtiefe Bässen und exakten Drummustern, die da ohne jedes Instrumentarium produziert wurden. Auch, wer kein Anhänger der gespielten Musikrichtungen war, konnte sich doch der Bewunderung für die Leistung der Stimmkünstler nicht verschließen.

Eröffnet worden war das fünfstündige Festival von den Marburger Lokalmatadoren “StimmZoo“ mit unterhaltsamem A-cappella-Pop. Die Männer des 2003 gegründeten Quartetts waren mit ihren spaßigen Texten wie „Missglücktes Liebeslied“ oder „Im Garten eines Kraken“ und originell interpretierten Cover-Stücken mehr als nur die Anheizer. Und sie hatten mit „Das Ende“ eine Zugabe vorbereitet.

von Manfred Schubert

Mehr lesen Sie am Samstag in der Printausgabe der OP und bereits am Freitagabend auf Ihrem iPad.

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