Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° Regen

Navigation:
„Kulturgüter gehören der ganzen Menschheit“

Interview mit George Clooney „Kulturgüter gehören der ganzen Menschheit“

In dem Film „The Monuments Men“, der am Mittwochabend als OP-Vorpremiere gezeigt wird,  geht es um die Rettung wertvoller Kunstwerke vor der Zerstörung durch die Nationalsozialisten. Marburg war eine zentrale Sammelstelle der Amerikaner.

Voriger Artikel
Ein Chronist, der mit Scherzen beschäftigt ist
Nächster Artikel
Papa Stromberg tritt ab

Regisseur und Hauptdarsteller George Clooney (Mitte) und seine „Monuments Men“: John Goodman(von links), Matt Damon, Bob Balaban und Bill Murray. Die OP präsentiert den Film heute um 20 und 22.45 Uhr als Vorpremiere im Cineplex.Foto: 20th Century Fox

Quelle: 20th Century Fox

Marburg. 1943 richteten die USA die „Monuments, Fine Arts, and Archives Section“ ein. Deren Aufgabe war es, im Zweiten Weltkrieg wertvolle Kunstwerke vor der Zerstörung durch Nationalsozialisten und Bombardements zu retten. Weltstar George Clooney hat diesen „Monuments Men“ einen Spielfilm gewidmet. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs richteten die Amerikaner vier zentrale Sammelstellen für gerettete Kunstwerke ein: Neben München, Wiesbaden und Offenbach eine in Marburg. 

Kunstwerke sollten "zur Hebung der Moral von Bevölkerung und Truppen beitragen"

Nach Angaben der Philipps Universität wurden im Hessischen Staatsarchiv von Mai 1945 bis August 1946 unter der Leitung der „Monuments Men“ Walter Hancock, Sheldon Keck und Francis W. Bilodeau über 3 400 Kunstwerke zusammengetragen, von Angehörigen des Kunsthistorischen Seminars der Universität katalogisiert und nach Möglichkeit an die zuständigen Museen zurückgegeben.
Anders als in München handelte es sich bei den in Marburg gesammelten Kunstschätzen nicht um Raubkunst der Nationalsozialisten, sondern um Werke, die wegen  der Kriegsgefahren aus deutschen Museen evakuiert wurden. Ausgewählte Meisterwerke wurden seit Dezember 1945 dem staunenden örtlichen Publikum wiederholt in Ausstellungen im Marburger Universitätsmuseum und im Staatsarchiv präsentiert. Sie sollten nach dem Willen der Besatzungsbehörde zur Hebung der Moral von Bevölkerung und Truppe beitragen. Im Herbst 1946 wurde der Central Collecting Point Marburg aufgelöst und die verbliebenen Kunstwerke nach Wiesbaden überführt.

  • Im Bildarchiv Foto Marburg sind die Kunstwerke selbst sowie die Arbeit der in Marburg tätigen „Monuments Men“ fotografisch dokumentiert.
  • Die OP präsentiert am Mittwoch, 20 Uhr und 22.45 Uhr, im Cineplex den Film „Monuments Men“ als Vorpremiere.
Interview mit George Clooney über NS-Raubkunst.

OP: Herr Clooney, in Ihrem Film sind einige der größten Kunstwerke der Menschheit zu bewundern: Sind Sie beim Drehen mit echter Kunst in Berührung gekommen?

George Clooney : Nein, gar nicht, aber wir hatten einen deutschen Bildhauer im Team, der sich drei Monate lang mit einer Kopie von Michelangelos Brügger Madonna geplagt hat. Schließlich zeigte er uns die Skulptur, und ich sagte: Sieht beinahe echt aus, aber nicht ganz. Und er antwortete: Ich bin auch nicht ganz Michelangelo. Wir haben die Skulptur dann digital ein bisschen verfeinert. Das waren wir Michelangelo schuldig.

OP: Das Thema NS-Raubkunst ist brandaktuell: Wann haben Sie vom Kunsthändler Hildebrandt Gurlitt und der umstrittenen Sammlung gehört?

Clooney: Wir waren noch in der Produktion, als der Münchener Fund bekannt wurde. Das war schon ein besonderes Timing. Jeder ahnt, glaube ich, dass noch viel Kunst zweifelhafter Herkunft da draußen zu finden ist. Aber über die Größe der Gurlitt-Sammlung war ich schon überrascht. Ich glaube, es werden noch vielmehr Schätze auftauchen - jetzt, da die Kriegsgeneration langsam geht.

OP: Wüssten Sie eine Lösung, wie mit gestohlener Kunst umgegangen werden sollte?

Clooney: Eine verzwickte Angelegenheit. In gewisser Weise gehören diese Kulturgüter der ganzen Menschheit. Niemand muss sie besitzen. Die Frage ist aber, wie sie ihren Besitzern abhanden kamen. Viele waren Juden, oder die Stücke wurden systematisch gestohlen. Als erstes müssen sie zu den Leuten zurück, denen sie gehörten. Und dann werden diese Besitzer sie vielleicht allen zur Verfügung stellen. Das ist jedenfalls meine große Hoffnung.

OP: Viele spätere Eigentümer wissen oft gar nichts von der dubiosen Herkunft.

Clooney: Ja, es bleibt schwierig. Jemand, der eine Million Dollar für ein Bild bezahlt und erst später erfährt, dass es gestohlen wurde, wird es kaum als fair empfinden, wenn er es wieder zurückgeben muss. Aber klar ist auch: Museen rund um den Globus verfügen über Stücke, die ihnen nicht gehören.

OP : Wäre die Idee heute in einem Krieg durchsetzbar: die Kunst des Feindes zu retten?

Clooney: Im Irak jedenfalls haben wir versagt - und wohl auch in Syrien. Der Zweite Weltkrieg war der einzige Fall, in dem der Sieger die Beute zurückgab. Das heißt, die Russen behielten sie. Aber die hatten 20 Millionen Tote zu beklagen, mehr gelitten als jede andere Nation und das Gefühl, ein Recht auf Reparationen zu haben. Ich glaube aber, dass die jungen Leute dort heute anders darüber denken. Im Film haben wir versucht, die Russen nicht als die bösen Jungs dastehen zu lassen.

OP: Ihr Film setzt trotz des ernsten Themas immer wieder auf komische Momente. Warum?

Clooney: Wir waren gerade mit dem Politdrama „The Ides of March“ fertig und steckten in der Produktion des Iran-Thrillers „Argo“. Wir saßen im Büro zusammen, und ich sagte: Wir machen die zynischsten Filme, sind aber gar keine Zyniker. Wir müssen mal etwas drehen, das uns richtig Spaß macht. Dann stießen wir auf diese Geschichte und wussten sofort, dass wir den Film im Stil von „Kelly‘s Heroes“ (deutscher Titel: „Stoßtrupp Gold“, d. Red.) und „The Great Escape“ („Gesprengte Ketten“, d. Red.) anlegen wollen. Der Film soll unterhalten.

OP: Sie engagieren sich in der Krisenregion Darfur, prangern Menschenrechtsverletzungen an. Wieso interessieren Sie sich so für Politik?

Clooney: Das habe ich von meinen Eltern. Mein Vater Nick - den können Sie übrigens in einer winzigen Szene im Film sehen - war ein Nachrichtenmann. Er hat meine Neugier auf die Welt geweckt, die mein Land heute leider verloren hat. Heute wollen wir nur noch wissen, was in unserem Bundesstaat, unserer Stadt, bei uns Zuhause passiert. Es ist besser, den Blick nach außen zu richten.

OP: Sammeln Sie eigentlich selbst Kunst?

Clooney: Nein, ich kenne mich da nicht aus. Ich habe aber ein paar Bilder an den Wänden hängen. Ich habe mal einen Innenausstatter gebeten, sich mein Haus vorzunehmen. Das erste, was er tat, war, all meine Bilder abzunehmen. Er fand sie schrecklich. Mag sein, habe ich ihm gesagt, aber das Bild hier habe ich bei meinem ersten Besuch in Paris gekauft. Hängen Sie es bitte wieder auf. Für mich ist es kostbar.

von Stefan Stosch

  • Mit dem Gutschein in der Mittwochsausgabe der OP erhalten Sie ermäßigten Eintritt. Beim OP-Filmtest können Sie zudem Kinokarten gewinnen. Teilnahmekarten gibt es im Cineplex.
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr