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Künstler spielen bis in die Puppen

250. Marburger Abend im KFZ Künstler spielen bis in die Puppen

Der „Marburger Abend“ ist eine der ältesten kulturellen Institutionen der Stadt. Am Sonntagabend wurde im rappelvollen KFZ Jubiläum gefeiert: die 250. Show

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Das Marburger Rock-Urgestein Rainer Husel (rechts) spielte mit seinem „Jammerorchester“ während der fast fünfstündigen Schow.

Quelle: Maik Dessauer

Marburg. Der Saal ist voll besetzt, das Bier steht kalt, die grüne Tafel, die die Künstler des Abends bekanntgibt, wird gerade auf der Bühne positioniert und Moderator Bernd Wal­deck bespricht letzte Details mit der Technik. Es ist wieder einmal „Marburger Abend“. Doch es ist nicht irgendein „Marburger Abend“, es ist die 250. Ausgabe der längsten offenen Bühne Deutschlands.

Am 10. Juli 1977 wurde das Forum für jeden mutigen Kleinkünstler, egal ob Liedermacher, Jongleur, oder Kabarettist, zum ersten Mal geöffnet. Seither hat sich nur wenig am Konzept geändert. Wer sich bis 45 Minuten vor Beginn an der Abendkasse angemeldet hat, darf auftreten. Referenzen oder tatsächliches ­Talent braucht es nicht. Die Bühne steht jedem offen.

Lediglich die Länge und die Anzahl der Auftritte wurden von einst „flexibel“ auf heute maximal zehn Minuten respektive 14 Auftritte reduziert. Zumindest hinsichtlich letzterer Regel drückten die Veranstalter am Sonntag ein Auge zu: Insgesamt 25 Künstlerinnen und Künstler durften auftreten. Die Folge: Es wurde eine rund fünfstündigen Show.

Einer, der 1977 auch schon dabei war, ist der sehbehinderte Liedermacher Rainer Husel – ein Marburger Urgestein. Gemeinsam mit seinem „Jammerorchester“ gibt er Lieder über den Alltagsterror durch Nachbars Wecker und die „Studentenernährungsanstalt“ zum Besten. Kabarettist Christoph Kirschenmann wandelt mit seinem Text „Die Loser-WG“ auf den bissig-selbstironischen Pfaden eines Marc-Uwe Kling, während die elfköpfige Gruppe „Sama“ aus Bremen/Syrien mit ihrem erst zweiten Auftritt in Deutschland dem Publikum nicht nur die arabische Kultur näher bringt, sondern auch ein Zeichen für Toleranz und Frieden setzen will.

Unter den zahlreichen Singer/Songwriter-Beiträgen stechen vor allem die mit einer kraftvollen Soulstimme gesegnete Pianistin Miri sowie die 24-jährige Felicitas Mietz, kurz „Fee“, heraus, die mit ihren Songs übers „lieber mal liegen bleiben“ und die Falschheit des Musikbusiness einen gewissen Nerv bezüglich der Hektik des Alltags, zwanghafter Selbstoptimierung und dem Wunsch nach Authentizität trifft.

Voller Erfolg trotz Überlänge

Daneben begeistern Martin und Tom vom Marburger „Fast Forward Theatre“ mit einer gemeinsam mit dem Publikum improvisierten Szene über einen Piloten mit Flugangst, der kurzerhand seiner Stewardess das Cockpit überlässt.

Weitere Acts des Abends sind der blinde Instrumentalist Ahmat, die deutsch-schwedische Folkband „Poeta Magica“, „Comedy Butt“, Sängerin Eva Kalien aus Nordrhein-Westfalen, die Sambakombo „Galabash“, das Musikerduo „Gasoline“, Gitarrist Jan mit Beatboxer, das Harfenduo „The Birdhouse“, die Rapper Moritz, Anass und Amad, Puppenspieler Dirk, Kabarettistin Leonie, Christa Veit und Michel mit Gedichtvorträgen, die Gießener Liedermacher „Stevie Maine & der Herr Charmanski“ sowie die Songwriter Manu & Chrissi, Max und Marius.

Trotz Überlänge und einer nach und nach schwindenden Zuschauerzahl, darf der „Marburger Abend“ auf eine gelungene Jubiläumsshow zurückblicken und muss sich angesichts des großen Interesses seitens der Künstler, die inzwischen aus weiten Teilen Deutschlands anreisen, wohl auch keine Gedanken um die Zukunft machen. Der nächste „Marburger Abend“ findet am 19. April im KFZ statt. Der Eintritt ist wie immer frei und dann werden wieder maximal 14 Gruppen und Künstler zugelassen.

von Maik Dessauer

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