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Künstler öffnen ihre Ateliers

Marburger Sommerakademie Künstler öffnen ihre Ateliers

Was sonst Schulhof, Turnhalle und Klassenzimmer ist, dient während der drei Wochen der Sommerakademie als Atelier und Werkstatt. Wie dort gearbeitet wird, konnten sich Besucher am Freitag ansehen.

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Stipendiat Phlaurian Pettier aus Poitiers (oben) erläutert seine Arbeit in der Holz-Bildhauerei bei der „Sommerakademie transparent“. Mechthild Hartung aus Wolfsburg gehört zu den „Wiederholungstätern“ in Sachen Sommerakademie - sie war schon mehrmals dabei und widmet sich in der Marburger Sommerhitze der Bildhauerei.Foto: NadjaSchwarzwäller

Marburg. Drückende Hitze und praller Sonnenschein. Auf dem Gelände der Elisabethschule und des Gymnasium Philippinum sind die Bildhauer für jedes Fleckchen Schatten dankbar. In den Ateliers wird regelmäßig für Durchzug gesorgt, damit der Geruch nach Farbe und Chemikalien abziehen kann.

Die Marburger Sommerakademie für Bildende und Darstellende Kunst macht in diesem Jahr ihrem Namen mehr als alle Ehre - trotzdem herrscht beste Stimmung. „Alles gut hier“, sagen auch die Teilnehmer, die die weiteste Anreise hatten, nämlich die Stipendiaten aus Marburgs Partnerstädten Sibiu und Poitiers.

Andreea Grelus und Adrian Borfina, beide 18, aus Rumänien und der 24-jährige Phlaurian Pettier aus Frankreich genießen die Atmosphäre in der Stadt und die Möglichkeiten, sich kreativ auszuprobieren, wie sie sagen. Alle drei sind zum ersten Mal in Marburg und Adrian Borfina erklärt, die Stadt erinnere ihn an Sibiu: „Ich fühle mich wie zuhause, wenn ich hier durch die Straßen gehe.“ Die Teilnahme an der Sommerakademie sei eine spannende Erfahrung, bestätigen alle drei. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich so viel verstehen würde“, so Andreea Grelus, die in ihrer Heimat die deutsche Schule besucht.

Phlaurian Pettier ist in seinem Holzbildhauerei-Kurs gewissermaßen der „Meisterschüler“ - in seiner Heimat besucht er seit drei Jahren eine Kunsthochschule. In Marburg kann er neue Facetten kennenlernen, sagt er. Und die beiden künstlerischen Leiterinnen der Sommerakademie, Professorin Tina Stolz und Anemone Poland, freuen sich darüber, dass mit den Stipendiaten noch mehr junge Leute bei der Sommerakademie dabei sind. Nur neun Prozent der Teilnehmer in diesem Jahr sind Schüler und Studierende, ein Viertel Rentner und Pensionäre. Unter den Kreativen sind viele „Wiederholungstäter“. Zwei Frauen aus dem Kurs „Freies Zeichnen“ erzählen, dass sie schon mehr als ein Dutzend Mal teilgenommen haben. Und immer noch begeistert dabei sind und dazulernen.

Aus Marburg stammen nur knapp 30 Prozent der mehr als 300 Teilnehmer, der Rest kommt aus ganz Hessen oder von noch weiter her - einige sogar aus dem Ausland. Mechthild Hartung ist für den Bildhauerei-Kurs zum Beispiel aus Wolfsburg angereist, Andrea Zimmermann aus Alsfeld nimmt an der Druckwerkstatt teil. Alle loben die tolle Betreuung und die Qualität der Kurse. Margarete Böhm aus der Nähe von Bielefeld ist zum ersten Mal bei der Sommerakademie dabei und hat gleich zwei Kurse belegt: Zunächst hat sie sich an Illustrationen versucht, die zweite und dritte Woche verbringt sie mit der „Zeichnung, so nah am Gedanken“, so der Titel des Kurses.

Egal ob Psychologie- oder Kunststudent, Kauffrau, angehende Musikerin, Ärztin oder Hausfrau - dass hier Menschen ganz unterschiedlicher Berufsgruppen, Altersstufen und künstlerischer Prägung aufeinandertreffen, macht einen Reiz der Sommerakademie aus. 22 verschiedene Kurse von Aktzeichnen über Theaterexperimente und Bildhauerei bis hin zum Schauspieltraining werden in diesem Jahr angeboten. Es gehe dabei um mehr als „nur“ die intensive Beschäftigung mit einer künstlerischen Technik - „es ist immer auch Auseinandersetzung mit sich selbst, die Überwindung eigener Grenzen, aber auch die Wahrnehmung anderer, die vielleicht an ähnlichen Themen arbeiten“, sagt Tina Stolt.

Beim Tag der offenen Tür soll präsentiert werden, wie das in der Praxis aussieht - und vielleicht bekommt ja der ein oder andere Besucher ebenfalls Lust, künstlerisch tätig zu werden. Die Ateliers und Werkstätten waren für alle Interessierten geöffnet, der Improvisations-Kurs von Anemone Poland hatte zum Zusehen eingeladen und die Humorwerkstatt von Thomas Ulrich zu ihrer Abschluss-Aufführung.

Diese Woche geht die Sommerakademie ins letzte Drittel und nächste Woche werden die künstlerischen Räume wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückverwandelt. Bis zum nächsten Jahr. Dann startet die 37. Marburger Sommerakademie.

von Nadja Schwarzwäller

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