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Kriminelle Story dient als „Vehikel“

Lesung Kriminelle Story dient als „Vehikel“

Vor drei Jahren erschien seine Autobiographie, nun wagt sich Jürgen Mette an einen Krimi. 
In dieser Woche stellte 
der Marburger „Gnadenzeit“ in einer Lesung vor.

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Während der Lesung im Marburger Bibelseminar ging der an Parkinson erkrankte Marburger Autor Jürgen Mette auf und ab.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Es führen ja bekanntlich viele Wege nach Rom. Und so kann man auch zum Krimi-Autoren werden, nachdem man eigentlich Theologe ist, von einer Erkrankung aus seinem Alltag und seinen Plänen gerissen wird, diese Erfahrung in einem Buch verarbeitet und sich nach der Entscheidung, das, was danach schon fertig geschrieben war, doch nicht zu veröffentlichen – eben Mord und Totschlag zuzuwenden.

„Tu’s nicht“, haben seine Berater gesagt, als sie sein Manuskript gelesen hatten. Der Verlag hatte Jürgen Mette die Frage, wie seine Krankheit sein theologisches Denken verändert hat, ans Herz gelegt. Also tat er es nicht. Um zu vermeiden, dass Blumen geworfen werden, an denen noch die Töpfe hängen, wie Mette es formuliert, habe er die Themen dann „galant ins Genre eines Krimis geschoben“. Die kriminelle Story dient quasi als „Vehikel“.

„Alles außer Mikado“

Da wird eine Leiche in den Allgäuer Alpen gefunden, und die Suche nach dem Täter führt den ermittelnden Kommissar in die Vergangenheit des Opfers und die Kreise einer obskuren Glaubensgemeinschaft. Es gibt verschiedene Schauplätze – an denen man sozusagen den geographischen Lebenslauf des Autors nachvollziehen kann: von Oberstdorf im Allgäu über Haßloch in der Pfalz bis hin zu Chicago, wo Mette mit seiner Familie einige Jahre gelebt hat.

Der Theologe ist bis 2013 Geschäftsführender Vorsitzender der Stiftung Marburger Medien gewesen. Kurz bevor er seinen Posten aufgab, war sein Buch „Alles außer Mikado“ erschienen. Darin erzählt er von seinem Leben mit Morbus Parkinson. Die Diagnose hatte er vier Jahre zuvor bekommen. Die zentrale Botschaft, die er mit seinem Buch vermitteln wollte, ist, dass man mit dieser Diagnose aber nicht verzweifeln muss. Und mit dieser Haltung und dem Humor, den der Buchtitel verrät („Alles außer Mikado“ ist Mettes Antwort auf die Frage gewesen, was denn jetzt noch „gehe“ bei ihm) tritt er auch bei seiner Krimi-Lesung auf.

Parkinson als „fieser Typ“

Zu 220 Lesungen und Vorträgen sei er in den vergangenen zwei Jahren unterwegs gewesen, erzählt der 63-Jährige. Und darüber hinaus jeden Tag mit dem Thema beschäftigt, mit Parkinson, mit „diesem fiesen Typen, der mich zittern und vibrieren lässt“. Er läuft auf und ab während der Lesung. 40 Gäste sind ins Marburger Bibelseminar gekommen, wohin man die Veranstaltung kurzerhand verlegt hatte. Zwischendurch erzählt er immer wieder, wie einzelne Passagen zustande gekommen sind, wie er recherchiert hat – oder auch einen Witz von Eckhardt von Hirschhausen.

  • Am Samstag geht es beim Krimifestival mit Lesungen weiter. In der Buchhandlung Jakobi stellt der Kasseler Autor Matthias P. Gilbert ab 17 Uhr seinen neuen Roman „Halbgötter“ vor. In Michelbach ist ab 20 Uhr Jan Costin Wagner im Kulturcafé zu Gast. Er liest aus seinem Krimi „Spiegelungen“.
  • Jürgen Mette: „Gnadenzeit“, Gerth Medien, 224 Seiten, 14,99 Euro.

von Nadja Schwarzwäller

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