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Kriegspropaganda schürte den Hass

Hessisches Staatsarchiv zeigt Druckgrafiken Kriegspropaganda schürte den Hass

Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit – dieses alte Sprichwort drückt nur zu gut aus, was Kriegspropaganda zu leisten im Stande ist. Beispiele für Propaganda sind im Hessischen Staatsarchiv zu sehen.

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Der Marburger Historiker  Professor Ulrich Sieg (links) und Dr. Roven Pons von Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden führten in die Ausstellung ein.

Quelle: Benjamin Kaiser

Rund 100 Druckgrafiken von renommierten Künstlern, aber auch von Werbegrafikern und Karikaturisten aus ganz Europa zeigt seit Donnerstag das Hessische Staatsarchiv Marburg in der Ausstellung „Kriegsbilder. Der Erste Weltkrieg in zeitgenössischen Druckgrafiken“.

Professor Ulrich Sieg, der an der Philipps-Universität lehrt, hielt vor 70 Besuchern der Vernissage einen detaillierten Einführungsvortrag über den Ersten Weltkrieg, der von 1914 bis 1918 tobte. Dabei ging er auf die zeitgenössische sowie die heutige Rezeption ein.

Hat die Propaganda gewirkt? Wurde das deutsche Volk von allgemeiner Kriegseuphorie gepackt? Sieg verneint: „Es ist ein deutlicher Unterschied zwischen Stadt und Land zu erkennen. In den Großstädten war die Kriegsbegeisterung weitaus größer als bei der Landbevölkerung, die den Propagandamedien weniger stark ausgesetzt waren.“

Der Verein für hessische Geschichte und Landeskunde Marburg hat die Ausstellung, die im Kriegsjubiläumsjahr 2014 im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden gezeigt worden war, nach Marburg geholt. Dort ist Dr. Roven Pons Kurator der Kriegsbilder-Sammlung.

Kriegsparteien setzen auf Symbole

Er stellte in einem kompakten Vortrag die Sammlung vor: „Viele Exponate kommen auf den ersten Blick fast heiter, amüsant und drollig daher. Aber die Botschaft aller ist aggressiver und düsterer Natur!“ Diese Natur ist auf den Karikaturen, Werbeplakaten und Gemälden mal leichter, mal schwieriger als Hetzpropaganda zu erkennen.

Auffällig ist, wie sich die Kriegsparteien oft biblische und mythologische Symbole zunutze machten. Während in Deutschland die damals verfeindeten Nationen Großbritannien und Frankreich beispielsweise als Reiter der Apokalypse illustriert werden, die Krieg, Tod und Hunger bringen, liegt der Fokus bei den Grafikern auf der anderen Seite eher auf Kaiser Wilhelm II.

Der Herrscher des Deutschen Kaiserreiches wird in einer französischen Karikatur sarkastisch als „Der Gesandte Gottes“ tituliert. Mit Machete, Blut verschmierter Schürze über der Uniform, ausdruckslosem Blick und einem Rabenschwarm im Rücken wird der Kaiser zum Tod bringenden Metzger stilisiert – ein düsteres Bild, aber gleichzeitig ein leuchtendes Beispiel für Propaganda.

Die Diffamierung des Kriegsgegners ist der zentrale Aspekt von Propaganda und die Intention hinter dem Großteil der zeitgenössischen Druckgrafiken. Selbst vor Kindern wurde nicht Halt gemacht. So gibt es auch einige Kriegsbilderbögen zu sehen, in denen auf äußerst simple und stumpfe Weise Hass auf den Feind geschürt werden soll.

  • Bis zum 30. April ist die Ausstellung im Foyer des Staatsarchives zu sehen. Der Eintritt ist frei.

von Benjamin Kaiser

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