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Kreativität ist Annemarie Gottfrieds Elixier

90. Geburtstag Kreativität ist Annemarie Gottfrieds Elixier

Ihre jüngsten „Kinder“ sind die Marionetten für Otto Nicolais Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“. In ihnen fließen die beiden künstlerischen Ströme zusammen, die Annemarie Gottfrieds Wirken beherrschen: bildende Kunst und Musik.

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Annemarie Gottfried.

Quelle: Archiv

Eckelshausen. Die Liebhaber schöner Künste sind keiner anderen künstlerisch tätigen Persönlichkeit in unserer Region so sehr zu Dank verpflichtet wie Annemarie Gottfried. Ihre Schöpfungen sind international in zahlreichen Sammlungen vertreten: vor allem die Papier-skulpturen, aber auch die Bronzearbeiten sowie Freiluftskulpturen aus Kupfer und Backstein.

Doch die bildende Künstlerin besitzt auch ein waches Auge für das Schaffen anderer, denen sie sich innerhalb von vier Jahrzehnten mit mehr als 200 Ausstellungen gewidmet hat.

Den Ort dafür hat Annemarie Gottfried 1970 erworben: ein völlig verfallenes Anwesen in Eckelshausen. Nach langjähriger Sanierungsarbeit hat sie den Schartenhof zu einem internationalen Podium für die Kunst, die Musik und den Dialog entwickelt.

Mit 15 Jahren Ausbildung zur Krankenschwester

Dort schlägt seit 1986 das Herz der Eckelshausener Musiktage, die künstlerisch vom Weltklasse-Cellisten Julius Berger verantwortet werden. Und dort öffnet sich seit 1997 Jahr für Jahr der Vorhang für das Opern-Marionettentheater. Treibende Kraft des Kulturbetriebs Schartenhof ist nach wie vor Annemarie Gottfried, die heute ihren 90. Geburtstag feiert. Tatkräftig unterstützt wird sie von Tochter, Schwiegersohn und Enkeln sowie zahlreichen Freunden.

„Die Kreativität ist ihr Elixier“, sagt Katharina Zürcher über ihre Mutter. „Denken, kommunizieren und arbeiten sind die Mischung des Treibstoffs, der sie auch im Alter nährt.“

Die Jubilarin sei offen für alle unerwarteten Dinge, die noch auf sie zukommen - getreu ihrer Devise: „Um der Zukunft zu gehören, muss man die Vergangenheit akzeptieren.“

Die Tochter eines Arztes ließ sich als 15-Jährige nach dem frühen Tod ihres Vaters zur Krankenschwester ausbilden, kam über Mainz und Düsseldorf nach München.

Zu Fuß von Münchennach Biedenkopf

Auf Schloss Elmau trat sie in Kontakt mit bedeutenden Musikern, Regisseuren, Schauspielern, Schriftstellern und bildenden Künstlern, die ihren künstlerischen Lebensweg prägten.

Mit 18 Jahren nahm Annemarie Gottfried ein Arbeitsangebot in Litauen an. Der von Hitler-Deutschland verschuldete Zweite Weltkrieg raubte ihr beide Brüder. 1944 gelang ihr vor dem Einmarsch der Russen die Flucht aus Litauen nach München.

Dort erlebte sie die Befreiung des Konzentrationslagers Dachau, bevor sie sich zu Fuß auf den Weg nach Biedenkopf machte - auf der Suche nach Überlebenden ihrer Familie.

„21-jährig stand sie 1945 vor dem Nichts, aber sie war bereits reich an Lebenserfahrungen“, berichtet Katharina Zürcher.

Nach ihrer Heirat mit dem Musiker Heinz Gottfried bestritt Annemarie Gottfried ihre Existenz autodidaktisch mit einem Puppenatelier, veranstaltete zahlreiche Hauskonzerte und arrangierte bereits ein großes Konzert mit dem Leipziger Thomanerchor in der Biedenkopfer Stadtkirche. Es folgte Anfang der 50er Jahre die Gründung einer Firma für Werbepuppen mit Sitz in Biedenkopf und Düsseldorf.

„Edelsteine“ bei den Eckelshausener Musiktagen

Zu den Kunden gehörten unter anderem die Pharma- und Autoindustrie, Lufthansa und das Goethe-Institut.

Ergänzend richtete Annemarie Gottfried Mitte der 60er Jahre ein Geschäft für hochwertiges Kunsthandwerk ein.

Nach ihrem Ehrentag bleibt der unter anderem mit dem Otto-Ubbelohde-Preis und dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichneten Jubilarin keine Zeit zum Verschnaufen. Denn am Sonntag öffnet die Osterausstellung im Schartenhof ihre Pforten. Weitere Ausstellungen werden folgen. Und in der Zeit von Christi Himmelfahrt bis Pfingsten gibt es zwischen Marburg und Bad Laasphe bei den 28. Eckelshausener Musiktagen musikalische „Edelsteine“ zu bewundern.

von Michael Arndt

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