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Kraftvolle Choräle und reizvolle Arien

Konzertchor sang in St. Peter und Paul Kraftvolle Choräle und reizvolle Arien

Abwechslungsreich, ruhig leicht und raffiniert erklangen die Bach-Kantaten, die der Marburger Konzertchor bei seinem Konzert am Ewigkeitssonntag in der Kirche 
St. Peter und Paul sang.

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Hoch konzentriert dirigiert Professor Siegfried Heinrich den Marburger Konzertchor und die Virtuosi Brunensis beim Konzert in der Kirche St. Peter und Paul Kirche.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Wer am Sonntag trotz des Wintereinbruchs den Weg in die Kirche St. Peter und Paul fand, wurde akustisch belohnt. Passend zum Ewigkeitssonntag waren die Bach-Kantaten, die beim Marburger Konzertchor auf dem Programm standen, nicht so prächtig wie Haydns Schöpfung oder die h-Moll-Messe, die in den vergangenen Jahren aufgeführt wurde.

Die Kantaten offenbarten gleichwohl aber viel von der Raffinesse des Großmeisters Johann Sebastian Bach, die von den ambitionierten Laiensängern des Konzertchors und den Musikern des Ensembles Virtuosi Brunenses unter der Leitung von Professor Siegfried Heinrich wunderschön zum Ausdruck gebracht wurden. Der 80-jährige Dirigent ist ein großer Kenner des Werkes von Johann Sebastian Bach.

Trotz moderner Instrumente wirkte das Spiel der Musiker besonders durch den Einsatz des Cembalos, gespielt von Markus Fischer, der während des Konzertes fast im Dauereinsatz war, passend zur Zeit Bachs. Ruhig und feierlich getragen begann der Eingangschoral „Wachet auf, ruft uns die Stimmen“ zur gleichnamigen Kantate. Über diese Grundstimmung legte Bach einen mehrstimmig angelegten Chor, der vom Konzertchor besonders in den ausschmückenden „Alleluia“-Jubelrufen äußerst klangvoll umgesetzt wurde.

Orgel und Solistin harmonieren

Bei der reizvollen Arie „Wenn kömmst du, mein Heil?“, gesungen von der Sopranistin Marta Gamroth-Wrzol und dem Bass Marcus Weishaar, bestach der Konzertmeister Karel Mitás. Mit großer Präzision spielte er die wunderschön komponierten schnellen Figuren, die auf seiner Geige fast wie eine weitere Stimme erklangen.

In der Kantate „Gott soll allein mein Herze haben“, gesellte sich bei der Arie „Stirb in mir“ die Orgel, gespielt von Jens Amend, mit ihren schnellen und verspielten Figuren als Duettpartner zum kräftigen Gesang von Barbara Buffy, die bei dieser Kantate als einzige Solistin auftrat.

Sehr interessant klang auch die Tenor-Arie „Meine Seele wartet auf den Herrn“ aus der Kantate „Aus der Tiefe rufe ich, Herr zu dir“, zu der sich die Alt-Stimmen des Konzertchores gesellten. Mit tiefem und ruhigem Gesang bildeten sie einen wundervollen Kontrast zur hohen und klaren Stimme von Michael Chacewicz, dessen Arie reichhaltig verziert und bewegt war.

Stimmgewaltige Erlösung zum Schluss

In allen drei Kantaten setzte Bach auf die Ausdruckskraft der Oboe, die der menschlichen Stimme am ähnlichsten klingt. Beim Eingangschor der Kantate, die womöglich die älteste erhaltene Kantate Bachs ist, verstärkte sie anfangs den Sopran und trat dann im Arioso in einen Dialog mit dem Bassisten Marcus Weishaar.

Besonders im Schlusschor fiel die fugenartige Anlage der kraftvollen Chor-Passagen auf, durch die sich die Stimmen immer wieder gegenseitig imitierten. Grandios wanderte das ausgeschmückt gesungene Wort „Erlösung“ mehrfach durch die verschiedenen Stimmen des Chores, bevor die Sänger einheitlich und stimmgewaltig gemeinsam das Konzert beendeten.

Das Publikum bedankte sich mit einem nicht enden wollenden Applaus, der selbst dann nicht aufhörte, als die Musiker schon ihre Instrumente einpackten.

von Mareike Bader

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