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Konzertverein in der Krise

Musik Konzertverein in der Krise

Der Konzertvereins-Vorsitzende Dr. Friedemann Nassauer verneint zwar im Gespräch mit dieser Zeitung die Frage, ob es für den Konzertverein fünf vor zwölf sei. Doch gibt es Anzeichen, dass die Lage ernst ist.

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Immer häufiger bleiben beim Marburger Konzertverein Plätze in der Stadthalle frei. Die Zeiten ausverkaufter Konzerte scheinen vorbei. Das Foto zeigt ein Konzert der „Cappella Istropolitana“.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. In der Spielzeit 1998/99 hatte der Marburger Konzertverein durchschnittlich 800 Zuhörer pro Veranstaltung, konnte sich also fast immer über eine nahezu ausverkaufte Stadthalle freuen.

Danach ging es stetig bergab, wie der stellvertretende Vorsitzende Manfred Hauptmeier aufgelistet hat: In der vergangenen Saison kamen jeweils nur noch knapp 600 Musikfreunde in die bis dahin zwölf Abonnementskonzerte. Und in den bisher sechs Konzerten der laufenden Spielzeit hat sich dieser Negativtrend fortgesetzt.

Es ist also höchste Zeit zu handeln. Ein erster Schritt ist sicher die Reduzierung auf zehn Abo-Konzerte. Diese Zahl will der Vorsitzende Dr. Friedemann Nassauer nach Möglichkeit auch nicht unterschreiten. Ebenso will er nicht die besonders nachgefragten, allerdings auch kostenintensiven Orchesterkonzerte zugunsten von preisgünstigeren Kammermusikabenden reduzieren. Das kann allerdings nur gelingen, wenn die Besucherzahlen wieder steigen.

Auch wenn der Vorstand immer bemüht sei, die Honorarkosten niedrig zu halten, könnten diese nicht unbegrenzt gedrückt werden, sagt Nassauer: „Dann leidet irgendwann die Qualität.“ Und Lohndumping führe gerade bei Orchestern aus dem Osten darüber hinaus zu unverantwortlicher Ausbeutung. Auch bei den deutlich gestiegenen Nebenkosten wie zum Beispiel Saalmiete und Gehältern für das Garderoben- und Einlasspersonal gebe es keine Einsparmöglichkeiten.

Nassauer lobt ausdrücklich die finanzielle Förderung durch die Stadt Marburg sowie von Privatpersonen und Unternehmen vorwiegend aus dem Mittelstand. Wer die Sponsorenliste der aktuellen Programmbroschüre liest, findet dort allerdings zum Beispiel nicht mehr die sogenannten Behring-Nachfolgefirmen. Möglich, dass dort im Zuge der Globalisierung die Bereitschaft zur Förderung der lokalen Kultur geschwunden ist.
Am Dienstag, 18. Januar, beendet der Konzertverein seine Weihnachtspause. Und hat ab 20 Uhr auf der Bühne der Stadthalle ein Kammermusikensemble zu Gast, das laut der Fachzeitschrift „Fonoforum“ auf „Weltklasseniveau“ musiziert: Das bereits 2006 in Marburg gefeierte „Trio Bamberg“ spielt unter anderem Beethovens wundervolles „Erzherzogtrio“.

von Michael Arndt

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