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Konzert auf dem Zebrastreifen

Marburger Oktett Konzert auf dem Zebrastreifen

Das Marburger Oktett ist von einer Konzertreise in Japan zurückgekehrt. Mitgebracht haben die Chormitglieder unvergessliche Eindrücke von einer uns fremden Kultur und von bisweilen skurrilen Auftrittsorten.

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Das Marburger Oktett beim Besuch eines Tempels in Myajima.

Quelle: privat

Marburg. „Es war toll. Ich war überrascht, wie gut es mir in Japan gefallen hat“, sagt Birgit Küllmar. Dabei kommt der kleine, ambitionierte Marburger Chor viel herum in der Welt: 2015 führte ihn eine Konzertreise nach Brasilien, 2009 waren sie in Russland, 2011 und 2013 in Sardinien. Und nun also Nippon, das Land der aufgehenden Sonne.

Seit 1989 gibt es das Marburger Oktett, seit 1999 singt es in der Besetzung Birgit Küllmar (Alt), Regina Kuhl (Alt), Dorith Neumeyer (Sopran), Miriam Jerabeck (Sopran), Ralf Wicke (Bass), Hartmut Raatz (Bass), Michael Brauer (Tenor) und Dr. Marc Müllenhoff (Tenor). Letzterer ist nicht mit aufgebrochen in das ferne Land, das in Deutschland mit Samurai und Hightech, Sushi 
und Stäbchen, Kimono und Toyota – kurz: mit Tradition und Moderne in Verbindung gebracht wird.

Aber ein Konzert wie das in einem Rockclub in Hiroshima haben sie in ihrer langen Geschichte noch nicht gegeben. Es ging eine Treppe hinauf in einen dunklen, komplett schwarz gestrichenen Musikclub, die Bar war rot beleuchtet, erinnert sich Helmut Raatz. „Es war ein Rockclub etwa vergleichbar mit dem Marburger KFZ.“ Das Konzert hatten Studierende der Schudo-Universität in Hiroshima organisiert.

Vor dem Marburger 
Oktett, das überregional bekannt ist für seine geistlichen und weltlichen Programme, sei ein Hardrock-Punker mit Ukulele aufgetreten, der wild schreiend ins Publikum gesprungen sei, danach eine Gruppe, die eher an die Red-Hot-Chili-Peppers erinnert habe, erzählt Raatz schmunzelnd. Und mittendrin das Oktett mit Volksliedern, begleitet von einer japanischen Koto-Spielerin und einem Pianisten. „Aber das Publikum war sehr aufgeschlossen“, erklärt Birgit Küllmar. „Ein ganz ungewöhnliches Programm“, sagt Raatz. Aber es sei nicht die einzige „etwas skurrile Auftrittssituation“ für den Chor gewesen, der hierzulande eher in Kirchen zu hören ist.

Interesse des Publikums bleibt in Erinnerung

Fünf Konzerte hat der Chor an zehn Tagen gegeben. Höhepunkte waren die Auftritte und um den Gedenktag, mit dem an den Atombombenabwurf auf Hiroshima am 6. August gedacht wird. Die Marburger 
waren eingeladen, an der Feier teilzunehmen – „sehr zeremoniell, sehr ergreifend und beeindruckend“, sagten Küllmar und Raatz. Sie sangen später Open-Air auf einem Zebrastreifen in der brütend heißen Millionenstadt. Die schwüle Hitze mit Temperaturen von 35 Grad und mehr hat sich ihnen ebenso ins Gedächtnis eingebrannt wie das exotische japanische Essen, ein Automatenrestaurant, das aufgeschlossene, sehr interessierte Publikum und die Herzlichkeit der Menschen, denen sie begegneten.

Auf dem Konzert- und Reiseprogramm standen außerdem die Metropole Yokohama, gegen deren Skyline deutsche Großstädte ländlich wirkten, und die alte Kaiserstadt Kyoto. In Yokohama sangen sie im Goethe-Institut vor Vertretern der deutsch-japanischen Gesellschaft, in Kyoto in einem Tempel vor einem Verein für Suizidgefährdete, die sehr ungewöhnlich reagiert hätten. „Eigentlich“, hätte ein Besucher nach dem Konzert gesagt, „eigentlich wollte ich mich morgen umbringen. Aber das lasse ich jetzt erst mal sein.“ Es sind auch solche Begegnungen, die den Marburger Sängerinnen und Sängern viele Einsichten in eine fremde Kultur vermittelten.

Zustande gekommen war der Kontakt über einen Deutschprofessor an der Schudo-Universität in Hiroshima, den der Tenor Michael Brauer im Rahmen eines Schülerprojektes kennengelernt hatte. Die Planungen für die Reise begannen vor drei Jahren, unterstützt wurde der Chor vom Goethe-Institut, der Schudo-Universität und dem Deutschprofessor.

von Uwe Badouin

Das Foto zeigt das Marburger Oktett mit japanischen Gastgebern in einem Proberaum in Hiroshima. Privatfoto
 
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