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Konsequenter Kampf gegen den Trend

Götz Widmann im KFZ Konsequenter Kampf gegen den Trend

Die Liste ist lang, aus der Götz Widmanns Fans ihre persönlichen Perlen auswählen können. In 20 Jahren ist ja auch ein bisschen was zusammen gekommen.

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Liedermacher Götz Widmann auf der KFZ-Bühne.Foto: Bosch

Quelle: Jan Bosch - www.janbosch.de

Marburg. Wenn‘s zu exotisch wird, braucht auch der Meister selbst ein paar Tage Zeit zum Üben. Gleich an zwei Abenden hintereinander bestimmten die Fans, was im Marburger KFZ am Dienstag und Mittwoch auf der Bühne gespielt wird. Wunschkonzert!

Götz Widmann, Barde, Liedermacher, Songpoet. Seit zwei Dekaden stellt sich der der Liedermacher mit nichts als seiner Gitarre vor volle und leere Säle und nimmt seine Fans mit Depressivem oder Rebellischem mit. Präsent von der ersten bis zur letzten Minute, die bei Widmanns Konzerten in der Regel frühestens nach drei Stunden kommt, oft auch später.

Als private Nachwuchsförderung, oder „sehr teures Hobby“ hat Widmann stets junge Songwriter dabei, die er im eigenen Label produziert. Das Liedermacher-Trio Billy Rückwärts bringt frischen Wind und gute Laune aus Köln. Zwei Schrammel-Gitarren plus Geige, gepaart mit bissigen Texten, die zum Schmunzeln einladen. Die jungen Musiker besingen ihre jugendlichen Anfänge von Wind of Change am Lagerfeuer, als eine „nicht gutzumachende Jugendsünde“, Alkoholeskapaden und das Unverständnis der Eltern für den Liedermacherberuf. Glaubt man ihnen, sind sie erfolglos und chronisch Pleite, das Schicksal der Liedermacher halt.

Das Volk hat gewählt, einer der seltenen Momente, in denen Widmann sich fügt. Lange Liste, lange Nacht, gut gelaunter Widmann - die besten Voraussetzungen. Seine Ansage, „das ihr euch so viel Lieder aus dem Zyklus zur Senkung der Arbeitsmoral gewünscht habt“, deutet auf einen langen Abend hin. Mit dem Liedermacher begibt mach sich stets auf einen wilden emotionalen Ritt durch die Höhen und Tiefen des Lebens. Ob aus den hanflastigen Zeiten, wo er an Sonntagen Zöllner vom Vollzug auf der A4 abhält und seinem Chef beichtet, dass er ihn echt nicht mag. Widmann dankt seiner Tanke, ohne die er nicht leben kann, zum Frieden der Geschlechter pinkelt er im Sitzen und mag Ede Stoiber überhaupt nicht.

Der alte Meister der Liedermacher steht auch nach 20 Jahren noch zu simplen Moll-Akkorden, ist lustig, böse und selbstverliebt, alles gleichzeitig. Routine gibt‘s bei Widmann nicht, außer bei bitterer Ehrlichkeit und konsequentem Kampf gegen den Trend.

von Jan Bosch

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