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Konkurrenz für Superman und Co.

Wonder Woman Konkurrenz für Superman und Co.

Mit schwarzer Mähne, goldenem Schild und Schwert sowie sehr viel Verve schickt sich „Wonder Woman“ an, dem Superheldenkino eine weibliche Note zu verpassen. Das gelingt hervorragend.

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Gal Gadot verschlägt es als Amazonen-Prinzessin in den Ersten Weltkrieg. Umringt wird sie von Sameer (Said Taghmaoui, von links), Steve Trevor (Chris Pine), The Chief (Eugene Brave Rock) und Charlie (Ewen Bremner). Foto: Clay Enos/Warner Bros

Quelle: Clay Enos

Marburg. Die Welt der Superhelden ist eine männliche. Spiderman oder Batman, Superman oder Thor, Captain America oder Iron Man: Das Kino der Comic-Verfilmungen ist dominiert von muskulösen Kerlen in oftmals bunten Fantasie-Kostümen. Zwar dürfen in Reihen wie den „Avengers“ oder „X-Men“ auch Heldinnen mitkämpfen (so etwa Scarlett Johansson als Black Widow); einen ganzen Film aber dürfen sie nur selten tragen. Ausnahmen bestätigen die Regel: 2004 versuchte sich Halle Berry nicht sonderlich erfolgreich als „Catwoman“. Nun verpasst „Wonder Woman“ dem mit Testosteron getränkten Superheldenkino ­eine ordentliche Prise an weiblichem Charme.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Amazonenkriegerin einen Auftritt in „Batman v Superman: Dawn of Justice“. Jetzt schlüpft Gal Gadot für einen ganzen Film in die Rolle der Wonder Woman. Die Regie - Novum bei einer großen Comic-Verfilmung - ist ebenfalls in weiblicher Hand: Patty Jenkins legt nach „Monster“ (2003) ihren zweiten Kinospielfilm vor.

Ihren Ursprung hat die Figur der Wonder Woman in einem vor 76 Jahren erstmals veröffentlichten US-Comic. Die filmische Adaption beginnt auf einer kleinen, von Amazonen bewohnten Insel namens Themyscira, einst zum Leben erweckt von niemand Geringerem als Göttervater Zeus. Auf diesem paradiesischen Eiland wird die kleine Diana von ihrer Tante (gespielt von Robin Wright) in die Kunst des kriegerischen Zweikampfes eingeweiht.

Vollends zur Wonder Woman reift Diana heran, als ein mysteriöser Zwischenfall das Idyll der Amazonen erschüttert: Wonder Woman muss einen abgestürzten Kampfpiloten aus dem Meer retten; verkörpert wird der Flieger von Chris Pine - vor allem bekannt als Captain Kirk aus den jüngsten „Star Trek“-Filmen. Steve, so der Name des Soldaten, berichtet von grausamen Dingen.

Für US-Medien ist Wonder Woman feministische Ikone

Wir schreiben das Jahr 1918, der Erste Weltkrieg liegt in den letzten Zügen. Zusammen mit Steve verlässt Wonder Woman Themyscira - wild entschlossen, dem Krieg ein Ende zu setzen. Gal Gadot, einst zur „Miss Israel“ gekürt, hat sich als Darstellerin bisher vor allem durch ihre Auftritte in der erfolgreichen Sportflitzer-Reihe „Fast & Furious“ hervorgetan. Nun schlüpft die 32-Jährige ins Kostüm der bekanntesten Superheldin überhaupt; und diese Verwandlung gelingt ihr erstaunlich gut: Ihre Wonder Woman ist so sehr schlagkräftige Powerfrau wie sie empfindsam ist.

Gadot weiß, ihre weiblichen Attribute in Szene zu setzen; einer allzu platten, gar sexistischen Inszenierung beugen Gadot und Regisseurin Jenkins jederzeit vor. Fraglich ist indes, ob Gadots Wonder Woman, wie von einigen US-Medien bereits diskutiert, zur feministischen Ikone taugt. Chris Pine, der in diesem 141-Minüter artig an ihrer Seite kämpft, enttäuscht ein wenig. Dies vor allem im Vergleich mit seinem letzten Kino-Auftritt im düsteren Südstaaten-Drama „Hell or High Water“.

Bei allen Schwächen, die auch diese Comic-Adaption plagen - so sind die Bösen recht eindimensional angelegt -, ist es vor allem der naive Charme der Kriegerprinzessin, der den Film beseelt. Wonder Womans Glaube an das Gute, ihr Glaube daran, dass sie allein den Horror des Ersten Weltkriegs beenden kann, ist rührend. Das Superheldenkino liebt prägnante, teils kalenderspruchartige Sentenzen. Während uns ein Spiderman stets einbläut, dass mit großer Macht „große Verantwortung“ einhergehe, setzen Jenkins und Gadot auf die Kraft der Liebe: Nur diese, so heißt es im Film, könne die Welt wirklich retten.

Nach vielen düsteren Comic-Verfilmungen in den vergangenen Jahren (etwa der „Batman“-Trilogie von Christopher Nolan mit Christian Bale) ist dies eine überraschend positive, durch keinerlei Ironie gebrochene Aussage. Dass diese Botschaft nicht lächerlich wirkt, liegt nicht zuletzt an der wunderbaren, zuweilen die ganze Leinwand illuminierenden Eleganz von Gal Gadot. Einer möglichen „Wonder Woman“-Fortsetzung jedenfalls sieht man mit freudiger Erwartung entgegen. Kommenden Winter schon soll die Amazonen-Prinzessin in „Justice League“ erneut an der Seite von Bat- und Superman agieren.

Wertungskasten

Wonder Woman erhielt von den Besuchern der OP-Schnupper-Premiere im Cineplex das Prädikat: oscarreif mit der Note 3,50 (Bestnote ist 4,0)

Zuschauermeinungen:

„Wonder Woman rockt.“

Ina Hübener aus Cölbe

„DC bleibt seiner Linie treu und bekommt mit Wonder Woman wieder eine tolle Comic-Verfilmung hin. Mit einem guten Mix aus Witz, Action und Emotionen.“

Zeynep Kaya (30) aus Kirchhain

„Sehenswert für Genre-Liebhaber. Tongewaltig und fantastische Kulissen.“

Jeremias Kraus (21) aus Gemünden

„Gute Effekte.“

Viktoria Mortasawi (26) aus Marburg

„Ich finde es gut, dass es auch mal einen Superheldenfilm mit einer Frau in der Hauptrolle gibt. Sehr gute Kombi aus Kriegsgeschichte und griechischer Mythologie.“

Sina Kraft (19) aus Homberg/Ohm

„Wonder Woman auf der großen Leinwand zu sehen, ist an sich schon ein Highlight. Dieser Film hat meine Erwartungen nicht enttäuscht, wenn auch etwas zu viel Romantik für meinen Geschmack.“

Svenja Michel (23) aus Marburg

„Der Film erzählt die Vorgeschichte von Wonder Woman. Dies ist grandios umgesetzt und lässt hoffen, dass auch die folgenden Filme so grandios werden.“

Nikolai Klinger aus Hatzfeld

„Mal ein anderer Superheldenfilm. Weniger Action, sondern endlich mal zwischenmenschliche Beziehungen. Sehr gut. Die griechische Mythologie ist cool und sehr interessant.“

Johanna Luise Röhrig (18) aus Homberg/Ohm

Die Gewinner:

Je zwei Freikarten gehen an: Sina Kraft aus Homberg/Ohm, Ina Hübener aus Cölbe, Hannah Jungmann aus Stadtallendorf, Steffi Groß aus Marburg und Erich Flak aus Lohra. Die Karten werden zugeschickt.

Die OP-Hitparade:

1. Sully (3,71) – 30. November

2. Guardians of the Galaxy 2 (3,69)

7. Wonder Woman (3,50)

von Matthias von Viereck

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