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Die Rock-Rumpelstilzchen aus Berlin

„Knorkator“ im ausverkauften KFZ Die Rock-Rumpelstilzchen aus Berlin

Mit ihrem neunten ­Studioalbum „Ich bin der Boss“ im Gepäck tourt 
das Quintett zurzeit durch Deutschland. Am Freitag gastierte die Band in ­Marburg und brannte 
ein Rock-Feuerwerk ab.

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Sänger Gero „Stumpen“ Ivers und Gitarrist Buzz Dee stehen mit einem jugendlichen Fan auf der Bühne des KFZ.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Er ist von kleiner und schmächtiger Statur. Doch auf der Bühne verwandelt sich Sänger Gero Ivers, Künstlername „Stumpen“, in einen waschechten Stimmungsriesen, in ein Rock-Rumpelstilzchen, das pure Energie versprüht: Er gestikuliert wild, springt wie ein Wahnsinniger auf der Bühne herum und schreit sich bei den meisten Songs die Seele aus dem Leib.

Es dauert nicht lange, bis der Funke auf das Publikum überspringt. Schwarz ist die präferierte Kleidungsfarbe, und wer von den Männern keinen imposanten Bart trägt, scheint aus dem Trend gefallen zu sein. Wie bei jedem traditionsbewussten Rockkonzert darf natürlich das Crowd-Surfing nicht fehlen. Mehrmals tragen Zuschauer einen von ihnen auf Händen durch den brodelnden Saal.

Knorkator rattern jedoch nicht einfach nur die Songs ihres im September 2016 erschienenen Albums „Ich bin der Boss“ mit der gleichnamigen Single-­Auskopplung, die es bis in die Top 20 der deutschen Charts gebracht hat, herunter. Die Band serviert ihren Fans eine gemischte Tüte aus alten und neuen Songs – teilweise aus den 1990ern.

Skurrile Texte, skurrile Klamotten

Die Musik ähnelt in vieler Hinsicht dem, was die deutsche Kult-Rockband Rammstein seit mehreren Jahrzehnten fabriziert. Harte und düstere Sounds, für die Bassist Rajko Gohlke, ­Gitarrist Buzz Dee und Drummer Nick Aragua verantwortlich zeichnen. Was Knorkator ­jedoch einzigartig macht ist die mitunter absurde und skurrile Kreativität der Songtexte. Allzu ernst nehmen sich die Männer aus Berlin nämlich nicht.

Allgemeines Gejohle und grinsende Gesichter sind zu beobachten, als die Band den Song „ganz besonderer Mann“ anstimmt. Die Ballade über den „Rektal-Gourmet“, der 
„mit dem Arschloch essen kann“. Mit maskulinen Thema haben es die Berliner. Der Songtext von „der ultimative Mann“ reiht sich dabei als satirische Über­steigerung des hypermaskulinen Archetypus der Männlichkeit nahtlos in diese Reihe ein.

Ebenso skurril darf das Stumpens-Outfit bezeichnet werden. Im Ghillie-Anzug, wie ihn eigentlich nur Scharfschützen bei der Armee tragen, beginnt er das Konzert. Eine Stunde später trägt er dank eines Striptease nur noch eine Mischung zwischen Tanga und Schärpe.

Doch es muss nicht immer laut und markerschütternd sein. Knorkator sorgen auch für ruhige, fast schon andächtige Musikmomente und gönnen ihren Fans auch mal eine Verschnaufpause. Beispielsweise, wenn sich die Band mit einem Cover von „Highway to Hell“ vor den Hard-Rock-Legenden von AC/DC verneigt.

Ohne Gitarre und Bass, nur mit Keyboard und gemächlichen 40 Beats pro Minute, zeigt Stumpen seine stimmliche Klasse, wenn er die Tonhöhe weit nach oben schraubt. Der ehemalige Opernsänger kann nämlich nicht nur grölen.

von Benjamin Kaiser

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