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Eine Verneigung vor den Beatles

Giora Feidman Eine Verneigung vor den Beatles

Giora Feidman und die Beatles, passt das zusammen? Sehr gut sogar! Die 500 Fans in der Elisabethkirche waren hingerissen.

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Giora Feidman wurde in der Elisabethkirche begleitet von den Musikern des Rastrelli Cello Quartetts.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. „Guten Abend! Schalom!“, rief Giora Feidman am Donnerstagabend ins Publikum. „Es ist immer etwas Besonderes, in einer Kirche zu spielen!“ Für ihn sei das Wichtigste an den Beatles, dass sie Einigkeit in die Welt gebracht haben, erklärte er. Durch ihre Musik hätten sie den Menschen das Gefühl gegeben, zu einer großen Familie zu gehören. „Das ist die Kraft der Musik!“ Und weiter sagte der charismatische Musiker: „Ich bin Jude, ihr seid Deutsche. Wir haben zusammengefunden!“

Feidman, der auch „King of Klezmer“ genannt wird, liebt die Beatles. Dass er jetzt ihre Musik spielt, ist eine kleine Sensation. Warum das nicht seltsam oder langweilig klingt, wurde im Konzert ganz schnell klar. Feidman schuf zusammen mit den vier fabelhaften Musikern des Rastrelli Cello Quartetts einen ganz eigenen Sound. Er nahm die bekannten Melodien und Ohrwürmer der Beatles als Grundlage und reicherte sie an mit freien, fantasievollen, manchmal jazzigen Variationen und Improvisationen.

Außerdem ersetzte Feidman mit seiner Klarinette quasi die menschliche Stimme und das war wirklich ein ganz besonderes Hörerlebnis. Unglaublich, welche Töne er dem Instrument entlockte: Er ließ die Klarinette brummen und quietschen, singen, seufzen und flüstern, ganz nach Lust und Laune. So interpretierte er das gefühlvolle „Yesterday“ mit großer Zartheit und die Töne schwebten wie gehaucht durch die stille Kirche. „Sergeant Pepper“ kam dagegen flott und schräg daher, die Klarinette krähte und krächzte und heulte wie eine Sirene.

Giora Feidman - Elisabethkirche Marburg : Foto / Michael Hoffsteter

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Begleitet wurde Feidman von den Cellisten des Rastrelli Quartetts, einem Kammerorchester der Extraklasse. Zu ihrer technischen Brillanz kamen große Lockerheit und überbordende Spielfreude hinzu. Nach einer Soloeinlage des Quartetts klatschte Feidman Beifall und rief in seinem charmanten Deutsch-Englisch-Kauderwelsch: „These are my friends! The best Cello Quartett in der Welt.“

Schon vor der Pause forderte das Publikum energisch eine Zugabe. „Nicht im alten Testament, nicht im neuen Testament und nicht im Koran steht geschrieben, eine Zugabe muss am Ende sein“, meinte Feidman, und schon legten die fünf Musiker wieder los.

Die Enkelin Hila Ofek 
spielt auf der Harfe

Nach der Pause trat als Special Guest das „Jerusalem Duo“ aus Israel auf, mit Hila Ofek an der Harfe und André Tsirlin auf dem Saxofon. Herrlich zart und fein klangen die Töne der Harfe in der großen Kirche, auch Tsirlin überzeugte mit seinem klaren und akzentuierten Spiel. Wieder klatschte Feidman begeistert und verriet dem Publikum, dass die junge Musikerin seine Enkelin ist.

Mit dem fröhlichen und mitreißenden „Obladi-Oblada“ ging das außergewöhnliche Konzert zu Ende. Aber natürlich ließen die Fans Feidman nicht ohne Zugabe gehen.
Als erstes spielte der Klarinettist ein flottes Klezmer-Stück, bei dem er nochmals zur Hochform auflief. Es war unglaublich zu sehen, wie viel Atem und Energie der mittlerweile 81-jährige Musiker noch hat. Vor dem tosenden Applaus und dem Jubel versteckte er sich lachend hinter dem Revers seiner Jacke.

Für die zweite Zugabe kamen alle Musiker dann noch einmal zusammen auf die Bühne und spielten den Klassiker „Hey Jude“. Schließlich standen alle Zuschauer auf, klatschten und sangen mit – ein echter Gänsehaut-Moment in einem tollen Konzert.

von Bettina Preussner

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