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Kleine Ironien am Cello

Schlosskonzert Kleine Ironien am Cello

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr war Cellist Jorin Jorden in Marburg zu hören. Wie schon bei seinem Auftritt mit der Jungen Marburger Philharmonie überzeugte er auch dieses Mal.

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Jorin Jorden servierte im Fürstensaal musikalische Leckerbissen.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Jorin Jorden hatte zu seinem Konzert im Fürstensaal einen musikalischen Leckerbissen aus Lüttich mitgebracht. Dort spielt der gebürtige Heidelberger seit 2006 erster Solocellist in der „Opéra Royal de Wallonie“. Die Oper „Piére li houyeû“ des in Lüttich geborenen Geigenvirtuosen und Komponisten Eugène Ysaye wurde im Lütticher Opernhaus 1931 uraufgeführt. Die Sonate für Violoncello solo wird relativ selten gespielt. „Schade, wie ich eigentlich finde“, so Jorden.

Da das Stück den meisten unbekannt gewesen sein dürfte, erklärte der Cellist im Vorfeld die vier Sätze kurz und wies dabei auf „kleine Ironien“ im zweiten Satz hin. Sie erwiesen sich später als einzelne Pizzicati, die das Spiel unterbrochen.

Bei dem melodischen Verlauf hatte man fast das Gefühl, zwei Instrumente würden miteinander konzertieren. Im Kontrast dazu standen der erste und der dritte Satz, die harmonisch wesentlich offener waren. Insbesondere der kurze dritte Satz war mit seinen schwebenden Tönen genauso fremdartig und gespenstisch, wie es der Cellist vorher angekündigt hatte. Der vierte Satz rundete das Werk ab, in dem kräftige Tonverläufe erneut durch Pizzicati unterbrochen wurden, dieses Mal auch noch verzerrt.

Bachs Suiten klingen jedes Mal anders

Nach der Pause folgte Hindemiths Sonate für Cello solo. Paul Hindemith - eigentlich Bratschist - kannte das Cello durch seinen Bruder Rudolf, erläuterte Jorin Jorden. Auch hier gab es einige Erklärungen zum Werk. „Fünf kurze Sätze - viel Ironie für mich“, stellte Jorden fest.

Am Cello zeigte er an einem Beispiel, was er mit dem ungewöhnlichen Anfang im zweiten Satz meint. Mit konzentriertem Blick auf die Noten meisterte er gekonnt das Stück, das mit verschieden schnellen Sätzen den zentralen langsamen Satz umrahmt. Stärker als noch die Ysaye-Sonate herrschte hier die schwebende Tonalität, was man gerade im dritten Satz mit den langgezogenen Tönen hören konnte. Hier griff Jorden stellenweise ganz tief und mit viel Kraft am Griffbrett.

Umrahmt wurde das Konzert von zwei der berühmten Cellosuiten von Johann Sebastian Bach. „Die Suiten sind die Bibel für uns Cellisten“, beschrieb Jorden die Bedeutung der Cellosuiten. Ursprünglich entstanden die Suiten als Übungsstücke und wurden erst 200 Jahre nach ihrer Entstehung für den Konzertsaal entdeckt. Heute gehören sie zu den Pflichtstücken eines jeden Cellisten. „Es ist immer wieder eine Freude, sie zu spielen“, so Jorden.

Das Erstaunliche an den Suiten: Sie klingen jedes Mal anders. Ein Paradebeispiel hierfür ist die erste Suite, die in kaum einem Cellokonzert fehlt und dessen Prélude auch als Filmmusik gerne verwendet wird. Jorin Jorden überzeugte bei den Suiten mit seinem feinen Gefühl für die Dynamik und seinem ruhigen Spiel.

Bei der Courante der eher selten gespielten vierten Suite führte er den Bogen ganz ruhig trotz fließender Figuren und tänzerischen Akzenten.

von Mareike Bader

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