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Kleine Beobachtungen in einer großen Stadt

Wilhelm Genazino las im Café Vetter Kleine Beobachtungen in einer großen Stadt

Mit Wilhelm Genazino stellte im Café Vetter einer der profiliertesten hessischen Autoren sein aktuelles Buch „Tarzan am Main“ vor.

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Wilhelm Genazino im Café Vetter.Footo: Mareike bader

Quelle: Mareike Bader

Marburg. Bereits zum dritten Mal war Genazino am Sonntag bei „Literatur um 11“ der Neuen Literarischen Gesellschaft zu Gast. Sein neues Buch „Tarzan am Main: Spaziergänge in der Mitte Deutschlands“ sei eine Sammlung verschieden langer Stücke, die nicht immer mit Frankfurt zu tun haben, erklärte Genazino.

Zu Beginn der Jubiläumslesung der NLG erinnerte der Vorsitzende Ludwig Legge an die erste Lesung vor 40 Jahren mit fünf Autoren aus 4 Ländern und dankte dem Publikum für die Treue.

In seinen Texten zeigt sich Wilhelm Genazino als feiner Beobachter seiner Umwelt. Er beschreibt das Pendlerschicksal vieler in Frankfurt arbeitender Männer, deren Frauen nicht in die öden Vororte der Großstadt ziehen wollen oder den Arbeitsablauf einer Putzkolonne.

Genazino blickt aber auch auf das allgemeine Gewusel in Frankfurt, wo er seit 2004 wieder lebt. Die Straßenmusik nennt er „eine Kakophonie - ein Scheppern, an dem allenfalls Kinder Gefallen finden“ und sucht Ruhe bei einem Friedhof hinter der Peterskirche: „Der Vorteil eines Friedhofs ist - es gibt keinen Würstchenstand“, so sein Fazit.

Sein Buch enthalte auch autobiografische Züge und sei somit „ein Album mit allerlei Spezialitäten“, sagte Genazino zu Beginn. Beeindruckend ehrlich erscheint eine Szene, in der der Georg-Büchner-Preisträger einem Bettler begegnet, der sich als ehemalige Mitschüler entpuppt. Sehr feinsinnig beschreibt er die Lügen und den Geruch eines Alkoholikers, wie er sich immer unwohler fühlt und froh ist, als er eine Kollegin in einiger Entfernung entdeckt und so der Situation entfliehen kann.

In einer anderen Szene spricht der in Mannheim geborene Autor an, welche Probleme beim Schreiben von persönlichen Erlebnissen zu beachten sind. Man müsse unter anderem entscheiden ob die Geschichte wahr und neuartig sein und ob die Person oder den Leser beeindrucken soll, so seine Überlegung. Er beschreibt wie er beim Schreiben auf „Anstöße von irgendwo“ hofft und sie in kleinen Alltagssituationen wie der Zeitungsausträgerin, die schon früh morgens gern ein Bier trinkt, findet, wie junge Autoren ihm ihre Manuskripte schicken, weil ihnen die Verlage nicht antworten. An einer anderen Stelle reflektiert er sogar über ein mögliches Ende seiner Karriere, das aber hoffentlich nicht zu bald kommt.

Wilhelm Genazino: „Tarzan am Main: Spaziergang in der Mitte Deutschlands“, 144 Seiten, Hanser-Verlag, 16,90 Euro.

von Mareike Bader

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