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Klassische Stoffe statt Experimente

Berliner Theatertreffen Klassische Stoffe statt Experimente

Kurz vor dem Ende seiner Intendanz am Leipziger Centraltheater hat es Sebastian Hartmann doch noch geschafft: Seine Inszenierung von Tolstois „Krieg und Frieden“ ist zum Berliner Theatertreffen eingeladen worden.

Berlin. Gast beim wichtigsten deutschen Bühnenfestival zu sein, gilt als Ritterschlag, der Hartmann während seiner fünf Leipziger Jahre bislang verwehrt blieb. Die Jury lobte Hartmanns Regiestil, „wiederkehrende Topoi zu essenziellen, bildstarken Szenen“ zu verdichten, „die folgerichtig direkt bei den letzten Dingen landen: Ich, Tod und Glaube.“

Das Theatertreffen findet vom 3. bis 19. Mai statt – zum 50. Mal. Anlässlich des runden Geburtstags erscheint Anfang Mai die Publikation „Die ersten 50 Jahre. Ereignis und Disput: Das Theatertreffen“. Zudem feiert der Stückemarkt seinen 35. Geburtstag und zieht Bilanz. Eingeladen sind 35 Autoren, die seit 1978 für den Stückemarkt ausgewählt waren.

Wie stets werden die nach Ansicht einer siebenköpfigen Jury bedeutendsten zehn Inszenierungen der vergangenen Saison gezeigt. Dazu gehören in diesem Jahr auch Luk Percevals Hamburger Inszenierung von „Jeder stirbt für sich allein“ nach Hans Fallada und Michael Thalheimers Frankfurter „Medea“. Aus der Hauptstadt kommen nur zwei Inszenierungen: Das Ein-Wort-Stück „Murmel, Murmel“ des Theatertreffenlieblings Herbert Fritsch (Volksbühne) und „Disabled Theater“ von Jérôme Bel. Die Koproduktion von Hebbel am Ufer und dem Züricher „Theater Hora“ stellt mit seinen Darstellern mit Downsyndrom die Frage nach Behinderung neu. Ebenfalls aus Zürich kommt Brechts „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ in der Regie von Sebastian Baumgarten.

Auch das Kölner Schauspiel ist mit zwei Produktionen vertreten: Hauptmanns „Die Ratten“ (Regie: Karin Henkel) und Katie Mitchells Version von Friederike Mayröckers „Reise durch die Nacht“. Elfriede Jelinek schrieb für die Münchner Kammerspiele „Die Straße. Die Stadt. Der Überfall“. Die Uraufführungsinszenierung von Johan Simons hat es ebenso zum Theatertreffen geschafft wie Sebastian Nüblings Münchner Version von „Orpheus steigt herab“ von Tennessee Williams. Auffällig ist die Konzentration auf klassische Stoffe, die dem Trend der vergangenen Jahre entgegenläuft, experimentelle und aus der Freien Szene kommende Inszenierungen einzuladen.

Mehr im Internet: www.berlinerfestspiele.de

von Nina May

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