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Klassiker mit vielen Ideen aufgepeppt

Theater Klassiker mit vielen Ideen aufgepeppt

Hingebungsvoll agierende Schauspieler des Theatervereins Wetter haben Mark Twains Jugendklassiker über Tom Sawyer kurzweilig und überzeugend auf die Bühne gebracht.

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Huckleberry Finn (Tim Wagner, links) und Tom Sawyer (Alexander Reitz) mit einer toten Katze zwecks Warzenentfernung nachts auf dem Friedhof. Gleich werden die beiden Freunde Zeugen eines Mordes.Foto: Manfred Schubert

Quelle: Manfred Schubert

Wetter. Häufig wird zu Werbezwecken behauptet, etwas spreche „Jung und Alt“ gleichermaßen an, oft ist die Wirklichkeit dann enttäuschend. Nicht so auf dem Klosterberg in Wetter. Die Premiere von „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“ zog die Kinder und Jugendlichen richtig in ihren Bann, mit konzentrierten Gesichtern verfolgten Jungen und Mädchen äußerst gespannt das Geschehen auf der Bühne.

Die Erwachsenen hatten großen Spaß an dem Spiel der „gestandenen“ Schauspieler, die mit ebensoviel Begeisterung agierten, wie die im Verlauf der Proben seit Februar unter Regie von Ingrid Hintze und Sabine Kaiser sowie durch die Anleitung der „alten Bühnenhasen sehr herangereiften jugendlichen Darsteller im Alter von neun bis 18 Jahren. Sechs der neun Kinder und Jugendlichen hatten zuvor noch nie auf der Bühne gestanden - das war ihnen nicht anzumerken.

Alexander Reitz (12 Jahre) verkörpert Tom Sawyer ebenso überzeugend, wenn dieser etwas unbeholfen zunächst Amy Rogers (Lea Klempke, 12 Jahre), und dann seiner neuen Flamme Becky Thatcher (Sarah Ziegler, 14) den Hof macht, wie in den Szenen, in denen der liebenswerte Lausbub im Vordergrund steht, der mit seinem Freund Huckleberry Finn (Tim Wagner, 18) Streiche ausheckt.

Und auch den beiden Mädchen gelingt es, nicht nur reizend in den schönen Kostümen vor der ansprechenden Bühnenszenerie auszusehen, sondern die Charaktere ihrer Rollen lebendig werden zu lassen.

Dass überhaupt alle sehr lebhaft agieren, dürfte, wie Sabine Kaiser berichtete, mit daran liegen, dass nicht immer ganz konkrete Bühnenanweisungen vorgegeben wurden, sondern die Schauspieler eigene Ideen einbringen und umsetzen durften. Auch die Nebenrollen wurden manchmal etwas erweitert. So durften drei Mädchen in der Schulszene „Old McDonald“ auf ihren Querflöten spielen.

Als es ans Singen ging, bezog der strenge Lehrer Dobbins (Herbert Mettken) das Publikum mit ein, das den Refrain des Kinderliedes mitsang. Auch an anderen Stellen mussten die 200 Zuschauer mitmachen: sich erheben, als Richter Thatcher (Oliver Batz) den Verhandlungssaal betritt, und ebenso, als der Pfarrer seine Trauerrede für die vermeintlich verstorbenen Tom Sawyer und Huckleberry Finn hält. Die übrigens so erhebend und herzergreifend war, dass Harald Althaus im Bedarfsfall sicher mal den echten Geistlichen vertreten könnte - wenn die Zuhörer nur nicht so viel dabei lachen müssten.

Witzige Tratschtanten und ein brutaler Killer

Zum Lachen brachten auch die Tratschweiber Tante Polly, Mrs. Rogers und Mrs. Miller (Sandra Erkel, Ingrid Klinger-Günther und Hanne Waldmann) das Publikum. Richtig gefährlich und zum Fürchten heimtückisch dagegen legte Uwe Fischbach seinen Indianer Joe an, der Dr. Robinson (Harald Althaus) brutal ersticht und den Mord dem harmlosen Trunkenbold Muff Potter (Hans Kaiser) in die Schuhe schiebt.

Es gab viel Szenenapplaus, am Ende steigerte sich der stürmische Schlussbeifall noch einmal, als zum Finale die strahlenden Mädchen zu der poppigen „Oh Suzanna“-Version von Yamboo über die Bühne tanzten.

Weitere Aufführungen auf dem Klosterberg in Wetter: Freitag und Samstag, 1. und 2. August, jeweils um 20 Uhr, Sonntag, 3. August, um 16 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf bei Gardinen Mehring, Römerplatz in Wetter, oder im Internet unter www.theaterverein-wetter.de.

Von Manfred Schubert

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