Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 2 ° Regenschauer

Navigation:
Klangräume und Raumklänge

Schöne Vernissage Klangräume und Raumklänge

Hörkapseln, Hörnester, Hörtouren: Im Marburger Kunstverein dreht sich derzeit alles um Geräusche. Jetzt wurde die spannende Ausstellung mit Werken von Mirja Wellmann eröffnet.

Voriger Artikel
Ein Poet mit Hang zum Skurrilen
Nächster Artikel
Philippinum-Schüler 
gewinnen Kreativwettbewerb

Still gestanden unter den Hörhelmen: Die Besucher des Marburger Kunstvereins hatten ihren Spaß mit den Hörinstallationen von Mirja Wellmann.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Bei der gut besuchten Vernissage am Freitagabend wies Kulturdezernentin Dr. Kerstin Weinbach darauf hin, dass die Ausstellung aus Anlass des 100-jährigen Bestehens der Deutschen Blindenstudienanstalt (Blista) in Kooperation mit dem Fachdienst Kultur der Stadt Marburg entstanden ist. „Der Blick auf Sehbehinderungen wird geschärft“, erklärte sie weiter. „Dem Hörsinn Raum zu gewähren, eröffnet neue Wahrnehmungen.“

Claus Duncker von der Blindenstudienanstalt sagte, die Blista beschäftige sich schon lange mit den Phänomenen des Sehens und des Hörens. Mit der Ausstellung solle dem Sinnesorgan des Hörens größere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Werner Meyer, Direktor der Kunsthalle Göppingen, erläuterte, dass Mirja Wellmann in ihren Bildern und Skulpturen Geräusche in bildnerische Zeichen umgesetzt hat. Ihre Hörhelme, Hörkabinen und Hörkapseln wiederum setzt die Künstlerin wie Instrumente der Wahrnehmung ein. Dabei sind die Besucher und ihre Erlebnisse ganz bewusst in das Kunstwerk eingebunden, wie Meyer ausführte.

Erste Erfahrungen mit der Teilhabe am Kunstwerk konnten die Besucher der Ausstellungseröffnung am Freitag gleich selbst machen. Sie wurden in einer Performance von Mirja Wellmann aufgefordert, Hörprotokolle zu erstellen und aufzuschreiben, welche Geräusche sie links, rechts, oben und unten im Raum wahrnehmen. In der arbeitsamen Stille waren dann tatsächlich die verschiedensten Geräusche zu hören: leises Flüstern, gedämpfte Schritte, das Zwitschern der Vögel und das Rauschen des Straßenverkehrs.

Danach wandelten die Besucher ganz entspannt durch die Ausstellung und hatten vor allem im ersten Stock bei den Hörinstallationen ihren Spaß. Immer wieder fanden sich Gruppen unter den Hörhelmen zusammen und plauderten, kicherten und lachten miteinander. In den Hörhelmen sind nur die Geräusche der Umgebung zu hören. „So haben wir noch nie miteinander gesprochen“, sagte eine Besucherin aus Marburg, nachdem sie lachend unter einem Hörhelm hervorgeschlüpft war. „Die Ausstellung macht neugierig“, erklärte eine zweite Besucherin. „Unter den Helmen hört sich alles ganz anders an.“ Und eine Frau aus dem Lahntal meinte: „Die Ausstellung ist hochinteressant. Ich finde es gut, dass man Sinneswahrnehmungen einmal ganz anders erleben kann.“

Die Ausstellung „Hörwelten“, die für Sehende ebenso wie für Sehbehinderte konzipiert wurden, dauert noch bis zum 18. August. Die Öffnungszeiten sind: Dienstag bis Sonntag 11-17 Uhr, Mittwoch 11-20 Uhr.

von Bettina Preussner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr