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Klanglandschaften im Kunstverein

Clara Oppel baut Installationen aus Lautsprechern Klanglandschaften im Kunstverein

Breathing Space – heißt die ungewöhnliche Ausstellung der Künstlerin Clara Oppel. Nach der Eröffnung der Ausstellung am Freitagabend um 18 Uhr sind ihre Klanglandschaften erstmals in Marburg zu erleben.

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Aus 5400 Lautsprechern besteht die Installation „Breathing Space“ der Künstlerin Clara Oppel, deren Ausstellung vom 23. April bis 2. Juni im Marburger Kunstverein zu sehen ist.

Quelle: Uwe Badouin

Marburg. „Grüß Gott“, sagt Clara Oppel zur Begrüßung. Damit ist klar: Sie kommt aus Bayern, genauer aus Unterfranken. Seit Jahren lebt die Künstlerin jedoch in Graz. Dort ist sie so bekannt, dass ihre Ausstellung in Marburg vom österreichischen Bundeskanzleramt, vom Land Steiermark und der Stadt Graz unterstützt wird.

Clara Oppel beschäftigt sich mit Klängen und Lauten. Mit Mikrofonen durchstreift sie Städte und die Natur auf der Suche nach Geräuschen. Worte zerlegt sie am Computer, setzt sie neu zusammen zu sogenannten Soundscapes.
Neun Arbeiten hat sie mit nach Marburg gebracht: Es sind ungewöhnliche Installationen. Kissen hängen im Kreis von der Decke herab. „Mephisto“ heißt die Arbeit.

Wenige Meter entfernt steht ein Beet aus roten Tulpen. An der Wand hängen zarte Papierbahnen. Gemeinsam ist allen: In jeder Tulpe, in jedem Kissen, in jeder Papierbahn stecken Lautsprecher, die von einem Computer gesteuert ihre Klanglandschaften verbreiten. Schnurrende Katzen, flüsternde Stimmen, Geräusche, Laute, Wortfetzen.

Clara Oppel baut Installationen aus tausenden Lautsprechern. Die Ausstellung ist vom 24. April bis zum 2. Juni im Marburger Kunstverein zu sehen.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr, Mittwoch von 11 bis 20 Uhr. Der Eintritt ist frei. Öffentliche Führungen gibt es jeden Samstag ab 16 Uhr.

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Seit Tagen baut Clara Oppel ihre Ausstellung auf. Allein für ihre große Bodeninstallation im großen Raum im Obergeschoss hat sie 5400 Lautsprecher miteinander verbunden – jeweils parallel und in Reihe 675 Lautsprecher zusammengeschaltet. Acht Stimmen werden dort zu hören sein, gesteuert über acht Kanäle. Noch ist die Arbeit gar nicht fertig, Clara Oppel passt ihre Klanglandschaften an die Räume des Marburger Kunstvereins an. Von denen ist sie übrigens begeistert, nur selten habe sie so viel Raum zur Verfügung, den es zu bespielen gilt.

Clara Oppel will Klänge „verräumlichen“ und Räumen durch Klang neue Gestalt geben. So sind ihre Arbeiten im doppelten Wortsinne räumliche Natur: ­Ihre Installationen sind raumgreifend, Klänge durch die Schallwellen sowieso.
„Sfumato“ heißt eine Arbeit im Obergeschoss. Der Begriff kommt aus dem italienischen und bedeutet soviel wie verraucht oder verschwommen. Leonardo da Vinci hat ihn in seiner Malerei geprägt. Die Arbeit besteht aus einem Triptichon: Ein helles Zentralfeld wird von Lautsprechern eingerahmt. Verschwommen sind auch die Klänge, die dort anfangs zu hören sein werden, weißes und rosa Rauschen, so die Künstlerin. Das zentrale Feld „füllen“ sollen dann die Assoziationen der Betrachter.

„Jedes Ding hat seinen Klang, auch wenn wir ihn nicht hören“, meint Clara Oppel. Selbst der Stuhl, das Fenster, die Treppe. Sie macht sie hörbar. Interaktiv seien ihre Installationen, auch wenn der Betrachter oder Hörer nicht eingreifen kann in die Endlosschleifen.

Verdrahtung entpuppt sich als Herausforderung

Die Arbeiten im Kunstverein werden übrigens nie gleichzeitig angesteuert: Jede Klanglandschaft hat ihre Zeit und ihren Raum, um Überlagerungen zu vermeiden. Und sie sollen Assoziationsketten auslösen, Erinnerungen aus unserem akustischen Gedächtnis. Der Titel der Ausstellung, „Breathing Space“, lässt sich übersetzen als „atmender Raum“ oder auch „den Raum atmen“.

Dr. Gerhard Pätzold ist wie die Künstlerin und vielen Helfern seit Tagen mit dem Aufbau beschäftigt. Schließlich müssen tausende Lautsprecher an das Stromnetz angeschlossen und mit winzigen Drähten verbunden werden. Eine echte Herausforderung. „Für uns wird das sehr spannend, künstlerische Objekte zu erleben, die auch sprechen“, sagte er am Mittwoch bei der Pressevorstellung. Da waren noch keine Klänge zu hören – die Computer werden erst nach den Eröffnungsreden am Freitag angeworfen.

Clara Oppel, 1967 im bayerischen Haßfurt geboren, studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien und in Nürnberg, sowie Medienkunst an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Mit Ausstellungen war Clara Oppel in Wien und Graz ebenso zu Gast wie in Kassel und München, in Budapest und Mexiko City. In diesem Jahr ist sie nicht nur im Marburger Kunstverein zu sehen, sondern auch in der „Galerie 12 – 14“ in Wien, im „Beall Center for Art and Technology“ in Irvine (Kalifornien), im „Kunsttempel“ Kassel und in der „Galerie bei den Minoriten“ in Graz.

  • Die Ausstellung wird am Freitag um 18 Uhr eröffnet. Sie ist bis zum 2. Juni zu sehen; geöffnet Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr, Mittwoch von 11 bis 20 Uhr. Der Eintritt ist frei. Öffentliche Führungen gibt es jeden Samstag ab 16 Uhr.

von Uwe Badouin

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