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Klanggewalt gegen Ungerechtigkeit

"Wutorchester" aus Texas Klanggewalt gegen Ungerechtigkeit

Diese Woche tobte „East Cameron Folkcore“ im KFZ. Die 100 Zuschauer waren begeistert von so viel Klanggewalt und Authentizität.

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Nicht nur Gitarren und Schlagzeug gehören zum Instrumentarium der Band „East Cameron Folk‑core“. Die elf Musiker aus Texas werden oft als „Wutorchester“ bezeichnet.Foto: Tabea Reinelt

Marburg. Noch bevor es am Dienstag mit der Hauptband losging, spielten „Clyde and Clem“ lustige Lieder über Cannabis und Kannibalismus. Mit Mandoline, Gitarre und humorvoller Zwischenmoderation schafften die beiden eine entspannte Atmosphäre und bereiteten das Publikum auf „East Cameron Folkcore“ vor. Wie sich später herausstellte ist der Mandolinenspieler Phil Patterson ohnehin Teil des Wutorchesters.

Wenn elf Musiker gleichzeitig spielen, singen und schreien, dann darf sich das ein Wutorchester nennen. Bereits wütend eröffneten sie ihr Konzert. Denn aus dem Off brüllte Mario Savio, Wortführer der US-Studentenproteste der 1960er-Jahre, man solle sich gegen das autoritär-kapitalistische System auflehnen.

In die gleiche Tradition stellen sich nun auch „East Cameron Folkcore“ mit Songs wie „Robin Hood Rise“ und „Sallie Mae“. Sie singen und brüllen gegen soziale Missstände an und produzieren dabei eine gewaltige Energie, die sich auf ihr Publikum überträgt.

Dabei erschaffen „East Cameron Folkcore“ einen ganz eigenen Sound, der alle möglichen Rock- und Folkvariationen beinhaltet und auch Blues- und Country-Einflüsse zulässt. Doch nicht nur an Stilrichtungen nutzen sie eine große Bandbreite, auch an Instrumentenvielfalt sparen sie nicht. Neben den Standardinstrumenten einer Rockband surrt im Hintergrund kontinuierlich ein Cello und klimpert eine Mandoline. Und auch Blasinstrumente wie Posaune und Mundharmonika tragen zum originellen Sound bei. Dazu singt der Frontmann Jesse Moore mit rauer Stimme und wird dabei von mindestens einer Backgroundstimme begleitet.

So wechseln sich vergleichsweise ruhige, harmonisch gesungene Passagen mit harter Klanggewalt ab. Dezente Sounds sind nichts für „East Cameron Folkcore“, stattdessen legen sie Klang über Klang unterschiedlichster Instrumente aufeinander. Wenn dann noch die gesamte Band, ob mit oder ohne Mikrofon, den Refrain brüllt, fühlt sich der Zuschauer wie vor einer akustischen Sturmfront.Dazu stampfen und headbangen sie, dass die Bühne bebt. Dabei wirken die Musiker so authentisch, dass dem Publikum nichts anderes übrig blieb als mitzutanzen.

Bereits seit sechs Jahren gibt es „East Cameron Folkcore“. Zum zweiten Mal sind sie auf Europatournee. Seit 2013 sind sie bei dem hamburgischen Indie-Label „Grand Hotel van Cleef“. Die aus Austin (Texas) eingeflogene Band stellte damals ihr erstes in Deutschland produziertes Album „For Sale“ vor. Auch dieses Jahr wurden sie wieder auf Tour geschickt, mit ihrem neuen Album „The Sun Also Rises“.

von Tabea Reinelt

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