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Überleben im Nazi-Berlin

Kinostart Überleben im Nazi-Berlin

Rund 5000 jüdische Bürger überlebten die Nazi-Zeit hierzulande, weil sie untertauchen konnten. Anhand von Schicksalen erzählt der Kinofilm „Die Unsichtbaren“ diesen Teil der Geschichte spannend wie authentisch.

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Autobiografie und großes Kino: Echte Geschichten, die nicht überladen sind.

Quelle: Tobis Film / Peter Hartwig

Zahlreiche TV-Dokumentationen, unzählige Stunden Schulunterricht und Museumsbesuche können Geschichte oft nicht so nahebringen wie die persönlichen Schilderungen derjenigen, die sie selbst erlebt haben. Das gilt auch für ein spezielles Kapitel aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, der barbarischen Herrschaft der Nationalsozialisten, der Judenverfolgung: Regisseur Claus Räfle hat mit Co-Autorin und Lebensgefährtin Alejandra López vier Berliner Juden getroffen, die den Juni 1943 überlebten, als Propagandaminister Joseph Goebbels die Stadt für „judenrein“ erklärte.

Der Film „Die Unsichtbaren – Wir wollen leben“ ist dabei keine hollywoodartig überladene Inszenierung, sondern etwas Besonderes: Teils Drama, teils Doku kombiniert er Spielfilmparts mit Interviews der überlebenden Cioma Schönhaus, Hanni Lévy, Eugen Friede und Ruth Gumpel sowie Schwarz-Weiß-Szenen aus dem Berliner Stadttreiben und ebensolchen Sequenzen in verblichenen Farben.

Protagonisten erzählen ihre Geschichten selber

Durch den Mix werden die gezeigten Schicksale noch autobiografischer. „Wir haben dieses Hybridformat gewählt, weil wir die Geschichten dieser vier Menschen so glaubwürdig, authentisch und wahrhaftig wie möglich erzählen wollten“, erklärt Regisseur Räfle im Presseheft.

Die Protagonisten tauchen gleichermaßen als Erzähler auf wie auch als Beleg dafür, dass nicht theatralisch Geschichten erfunden wurden. Dabei sind ihre Schicksale sehr unterschiedlich: Schönhaus fälscht Pässe für andere Juden aus Papieren, die andere Berliner als verloren meldeten. Friede verteilt Flugblätter gegen die Nazis. Dank einer Uniform der Hitlerjugend kann er sich relativ frei bewegen. Das wiederum gelingt Gumpel, weil sie sich als Kriegswitwe tarnt.

Rund eine halbe Million Juden lebte laut Presseheft bei der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland. Hunderttausenden gelang die Flucht, mehr als 165.000 wurden ermordet. Doch etwa 5000 überlebten in Deutschland, weil sie untertauchen konnten. Rund 1700 davon in Berlin. Ohne Hilfe von Deutschen wäre das nicht gegangen. Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat mehr als 24.000 für diese Hilfsaktionen als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.

  • „Die Unsichtbaren“ läuft im Filmkunsttheater Palette.

von Marco Krefting

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