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„Kino ist eine mächtige Waffe“

Marburger Kamerapreis „Kino ist eine mächtige Waffe“

„Ich kenne keinen anderen Kameramann, der sich mit solcher Hingabe seiner Arbeit widmet“ - mit diesen Worten würdigte Laudator Silvio Soldini Kamerapreisträger Luca Bigazzi bei der Verleihung.

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Preisträger Luca Bigazzi (links) mit Laudator Silvio Soldini bei der Verleihung des 17. Marburger Kamerapreises in der Alten Aula der Uni Marburg.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Zum 17. Mal wurde der mit 5000 Euro dotierte Preis gemeinsam von Stadt und Philipps-Universität vergeben, zum ersten Mal an einen italienischen Kameramann. Eingebettet war die Verleihung in die zweitägigen Kameragespräche, bei denen der Preisträger mit Fachleuten und Interessierten über seine Arbeit diskutiert. Und die zeichnet sich laut Jury durch eine breite Palette an Bildsprachen aus, durch ein herausragendes Gespür für Landschaften, Architektur und Atmosphäre und durch große Experimentierfreude. Einen „Meister der Raumdurchmessung und Gestaltung“ nannte Universitätspräsidentin Prof. Dr. Katharina Krause Bigazzi, einen, der in der Tradition des italienischen Malers Caravaggio mit Licht und Schatten Bildelemente akzentuiert oder auch verbirgt. Bigazzi rücke widersprüchliche Sachverhalte auf besondere Art ins Bild, „Kino fungiert bei ihm als kritischer Chronist“.

„Bigazzis Filme schöpfen aus dem visuellen Gedächtnis Italiens“, sagte Kulturdezernentin Dr. Kerstin Weinbach, er stehe für ein europäisches Kino, das aktuelle gesellschaftliche und politische Themen aufgreift. Vor allem aber ist Bigazzi offenkundig ein Kameramann, der mit Leidenschaft und Hingabe arbeitet - das wurde aus der Laudatio seines Weggefährten Silvio Soldini deutlich. Der Regisseur kündigte zwar eingangs an, kein Mann vieler Worte zu sein, fand dann aber doch sehr persönliche, um die viele Jahre währende Zusammenarbeit zu beschreiben.

Der Italiener Luca Bigazzi nahm am Samstagabend den 17. Marburger Kamerapreis in der Alten Aula entgegen.

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Soldini, mit dem Bigazzi unter anderem den international erfolgreichen Film „Brot und Tulpen“ gedreht hat, hat mit seinem späteren Kameramann bereits die Schulbank gedrückt und später jahrelang nachts mit ihm in den Straßen von Mailand ohne finanzielle Mittel mit geliehener Kamera Filme gedreht - tagsüber mussten beide einem Brotberuf nachgehen. Anschaulich erzählte Soldini, mit welchem Elan und welcher Energie Bigazzi damals arbeitete und wie sie gemeinsam ihren Weg fanden, bis hin zu Filmen, für deren Entstehung es dann tatsächlich auch ein Budget gab. Prof. Dr. Malte Hagener, der den Kamerapreis gemeinsam mit Andreas Kirchner organisiert, hatte Soldini als einen Regisseur charakterisiert, dessen Filme „Suchbewegungen mit ungewissem Ausgang“ seien, Geschichten über durchschnittliche Menschen, die mit Fremdheit konfrontiert werden.

Laudator: Wir haben gemeinsamen Traum gelebt

Im Interesse für solche Geschichten haben sich die beiden getroffen, eine Begegnung und eine Zusammenarbeit, ohne die sein Leben anders verlaufen wäre, wie Soldini voll Wärme schilderte. „Wir hatten gemeinsam den Traum, Kino wie unsere Vorbilder Wenders, Godard oder Jarmusch zu drehen“, erinnerte er sich. „Wir mochten keine Filme, in denen man sehen konnte, dass etwas hinzugefügt wurde, wie beispielsweise künstliches Licht.“

Zur langjährigen Zusammenarbeit mit Soldini kam für Bigazzi später die Arbeit mit vielen weiteren italienischen Regisseuren wie Gianni Amelio, Paolo Sorrentino oder der Regisseurin Francesca Comencini, vielfach wurde er mit Preisen ausgezeichnet. Der Marburger Kamerapreis habe für ihn eine besondere Bedeutung, sagte er, nachdem er die Urkunde ausgehändigt bekommen hatte, denn er habe in jungen Jahren vor allem das deutsche Kino bewundert. Und er nannte eine wichtige Motivation für seine Arbeit: „Kino ist eine mächtige Waffe zur Umgestaltung der Gesellschaft.“

von Heike Döhn

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