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Kindliches Staunen und Altersweisheit

Konzertchor spielte Haydns „Schöpfung“ Kindliches Staunen und Altersweisheit

Nicht wie sonst in St. Peter und Paul, sondern in der Lutherischen Pfarrkirche St. Marien führten Siegfried Heinrich und der Marburger Konzertchor Haydns Meisteroratorium auf.

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Haydns „Schöpfung“ mit dem Marburger Konzertchor: Florian Dengler (vorne, Zweiter von rechts) sang eine der drei Solo-Partien.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Mit dem Oratorium „Die Schöpfung“ hat Joseph Haydn sein Schaffen gekrönt. Das Meisterwerk des fast 70-jährigen Komponisten kündet von Abgeklärtheit und Altersweisheit, gleichzeitig aber auch von kindlichem Staunen über das auch heute noch nicht bis ins letzte Detail erklärbare Wunderwerk der Natur.

Beide Aspekte brachte Siegfried Heinrich, der Anfang des Jahres seinen 80. Geburtstag gefeiert hat, in seiner Wiedergabe eindringlich zum Klingen. Und konnte sich dabei hundertprozentig auf seinen Marburger Konzertchor verlassen. Mühelos meisterte dieser das breite Ausdrucksspektrum, das von ungläubig stammelndem Raunen über feierliche Erhabenheit bis zu überschäumendem Jubel reicht.

Dass manchmal der Chor gegenüber dem Orchester ins Hintertreffen geriet, lag wahrscheinlich an den besonderen akustischen Gegebenheiten der Lutherischen Pfarrkirche St. Marien, die dem Konzertchor anders als dem Marburger Bachchor und der Kurhessischen Kantorei nicht vertraut sind. Von Aufführungen in St. Peter und Paul ist der Konzertchor jedenfalls voluminöser und durchschlagskräftiger in Erinnerung.

Unter Heinrichs so präziser wie auf Feinabstufung setzender Stabführung musizierte die exzellente Sinfonia Silesia Kattowitz, ein überwiegend aus hoch talentierten Nachwuchsmusikern bestehendes Festivalorchester, so klangschön wie kontrastreich: mit seidig glänzenden Streichern, samtigen Hörnern, ausdrucksstark „sprechenden“ Holzbläsern und stets kultivierten Blechbläsern.

500 Zuhörer sind begeistert

Auch das Solisten-Terzett überzeugte in jeder Hinsicht. Es glänzte nicht nur in seinen Arien, sondern harmonierte auch in den Duetten und Terzetten. Marta Gamrot-Wrzoł erinnerte zudem an eine der ganz großen Sängerinnen der Vergangenheit, an die 1993 viel zu früh gestorbene slowakische Sopranistin Lucia Popp. Wie diese verfügt auch die junge polnische Sopranistin über ein herzerwärmendes Lächeln in der Stimme, deren Mittellage warm leuchtet und in der Höhe über einen silbrigen Glockenton verfügt.

Zudem meisterte sie bravourös die virtuosen Herausforderungen ihrer Partie. Liedhafte Schlichtheit und kerniges Auftrumpfen – beide Aspekte standen dem bronzefarben getönten Bariton von Florian Dengler mühelos zu Gebote. Und der Tenor Anton Saris vereinte in seinem Gesang geschmeidig-elegante Phrasierung mit heldischem Strahlen.

In der nahezu vollbesetzten Lutherischen Pfarrkirche feierten die mehr als 500 Zuhörer alle Mitwirkenden mit lang anhaltendem Applaus, der erst nachließ, als Chor, Orchester und Solisten den Altarraum verließen.

von Michael Arndt

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