Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Kindersitze für Leopard 2

Kabarett von Michael Frowin Kindersitze für Leopard 2

Michael Frowin, aufgewachsen in Niederweimar, macht politisches Kabarett, wie es sein soll: frech, respektlos, bitterböse. Das Publikum im KFZ war begeistert.

Voriger Artikel
„So ein Konzert ist pures Vergnügen“
Nächster Artikel
Max Goldt - ein gebildeter Aufreger

Als Kanzlerchauffeur gab der Kabarettist Michael Frowin Einblicke in die Geheimnisse des Berliner Politzirkels.Foto: Preussner

Marburg. In der Rolle des Kanzlerchauffeurs kutschierte Michael Frowin durch den Freitagabend und hatte das Ohr stets ganz nah an der Kanzlerin. Wenn man so nah dran ist, gibt es natürlich viel auszuplaudern, und das tat der Kabarettist mit Genuss: Im Auto jammere Angela Merkel immer über ihre Kollegen. Die italienischen Ministerpräsidenten wechselten so schnell, dass man sich die Namen nicht mehr merken könne. Und dann erst dieser Putin, „eine lupenreine Testosteronschleuder“, der eine „Macho-Nummer“ abzieht.

Gleichzeitig sei die Merkel aber auch stolz, bald die „Grökaz“ und die „Mäkaz“ zu sein, sprich die größte Kanzlerin aller Zeiten und die mächtigste noch dazu. So lästerte Frowin in einem fort, immer wieder nahm er die vermeintlichen Schwächen der Kanzlerin aufs Korn. Mit Lispelstimme las er aus ihrem rosaroten Tagebuch vor, und nannte sie „Schnappschildkröte“ und „Erklärbär der Nation“.

Aber auch die anderen Politiker bekamen ihr Fett weg, der Kabarettist teilte nach allen Seiten kräftig aus: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen kämpfe jetzt für „Kindersitze im Leopard 2“, während „Arbeitswuchtbrumme Andrea Nahles“ sich um die „Abwrackprämie“ für alte Leute kümmere. „Gottvater“ Gauck rufe immerzu „Freiheit“, während sich in der Edathy-Affäre das „Trottel-Karussell“ immer schneller drehe. Für den Bau des Berliner Flughafens schlug Frowin einen neuen Bauherren vor: den Limburger Bischof Tebartz-van Elst.

Aber nicht nur die Politiker zog der Kabarettist durch den Kakao, auch das alltägliche Leben war ihm Anlass für Lästereien. Wo es jetzt ja tolle Flachbildschirme gebe, passe die Form endlich zum Inhalt. Und überhaupt sei heute in der Konsumwelt für jeden Geschmack etwas dabei: etwa Fair-Trade-Kondome für Veganer.

Political Correctness ist Michael Frowin ein Dorn im Auge, erklärtermaßen. Am Freitag wagte er sich mit einigen Scherzen nah an eine Grenze, manchmal auch darüber hinaus. Witze über Behinderte fanden nur ganz wenige Zuschauer komisch. Aber diese Ausrutscher blieben in der Minderzahl, und so waren am Schluss der Show alle begeistert und bedankten sich mit viel Applaus bei dem Künstler.

von Bettina Preussner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr