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„Glöckchen“ begeistern mit Bach

Kiewer Knabenchor „Glöckchen“ begeistern mit Bach

Österliche Chor- und Orchestermusik wurde dieses Jahr bei den Internationalen Bachtagen präsentiert – mit Werken von Johann Sebastian Bach und einem wunderschönen Orgelkonzert von Georg Friedrich Händel.

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Der Kiewer Knabenchor trat am Ostermontag mit Werken von Johann Sebastian Bach in der Kirche St. Peter und Paul in Marburg auf.

Quelle: Miriam Prüßner

Marburg. Die Musik von Johann Sebastian Bach liegt Siegfried Heinrich am Herzen. Der auch in Marburg für den Konzertchor agierende Dirigent mit hervorragendem Ruf rief 1974 die heutigen „Internationalen Bachtage in Hessen und Thüringen“ ins Leben, die jedes Jahr rund um Ostern stattfinden. Auch dieses Jahr gehörte die Marburger Kirche St. Peter und Paul zu einem der ­Veranstaltungsorte.

Passionsmusik aus der Leipziger Zeit des Großmeisters stand auf dem Programm. Die beiden Kantaten „Christ lag in Todesbanden“, ein Frühwerk Bachs nach einem Osterkirchenlied von Martin Luther, und die „Erfreut euch, ihr Herzen“ wurden vom Kiewer Knabenchor vorgetragen. Seit 2012 ist der Chor, dessen Beiname „Dzvintchok“ übersetzt Glöckchen bedeutet, Teil der Internationalen Bachtage. Den Orchesterpart übernahm das Ensemble Virtuosi­ Brunenses. Die langjährige ­Zusammenarbeit der Musiker zeigte sich vor allem in Dirigent Siegfried Heinrich, der die ­Musiker meist mit nur kleinen Bewegungen sicher führte, bei den reinen Instrumentalwerken sogar im Sitzen.

Mit schwungvollem Orchesterklang überzeugte die Bachkantate „Erfreut euch, ihr Herzen“, BWV 66, die am Ostermontag des Jahres 1724 vom Leipziger Thomanerchor uraufgeführt wurde. Die Solisten Dalila Djenic (Alt), Vilen Kilchenko (Tenor) und Ruben Tolmachov (Bass) führten die jeweiligen Stimmen des Kiewer Knabenchores an. Die jungen Sänger des Knabenchores hatten sichtbar und vor allem hörbar Spaß. Kraftvoll und dynamisch erklang der Anfangschoral, der die Freude über die Auferstehung Jesu ausdrückte. Eingebettet war ein kleines Duett zwischen Djenic und Tomachov, die wunderbar harmonierten.

Fehlende Anspielprobe macht sich bemerkbar

Auch in der frühen Bachkantate „Christ lag in Todesbanden“, BWV 4, begeisterte der Kiewer Knabenchor mit einem spannenden Klangbild, in dem die Stimmen sich in unterschiedlichem Tempo kunstvoll miteinander verflochten. Durch den Nachhall der hohen Kirche St. Peter und Paul ergab sich ein sehr räumlicher Klang.

Leider musste durch Verkehrsprobleme bei der Anfahrt auf eine Anspielprobe verzichtet werden und so hatten sich die Solisten anfangs noch nicht genau auf den Hall der Kirche eingestellt. In der schönen Arie „Den Tod niemand zwingen kunt“ mit Sopranistin Yungyun Jung und Altistin Dalila Djenic fehlte noch etwas die Durchsetzungskraft, so dass der Text in Begleitung von Oboe und Englisch Horn schwer zu verstehen war.

Zusätzlich wurde zu Beginn des Konzertes die Bachmotette­ „Komm Jesu komm“, BWV 229, gesungen, die mit ihrem ­gemäßigten Tempo und dem schönen Gesang des Kiewer Knabenchores wunderbar auf das Osterkonzert einstimmte.

Umrahmt wurden die Choralpartien durch die kraftvoll und feierlich interpretierte Ouvertüre zu Bachs Orchestersuite Nr. 1 in C-Dur, BWV 1066, sowie das Orgelkonzert in F-Dur, op.4 Nr.4, von Georg Friedrich Händel. Fantastisch spielten hier das Orchester Virtuosi Brunenses und Organist Jens Amend, der Händels verspielte Figuren in seinen Solopartien fein verzierte und das kleine Orgelpositiv fast wie ein Harmonium klingen ließ. Die ruhigeren Sätze unterstrich Amend durch den warmen Ton der Orgel.

von Mareike Bader

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