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Schöne Musik, tolle Kostüme

Karnevalskonzert des Canticum Antiquum Schöne Musik, tolle Kostüme

Jedes Jahr am Faschingssonntag zeigt das Canticum Antiquum unter der Leitung von Brigitte Krey, dass Karneval auch ruhig, bedächtig und anspruchsvoll sein kann.

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In aufwendigen, historischen Vorbildern nachgeahmten Kostümen gab der Chor Canticum ­Antiquum sein traditionelles Karnevalskonzert.

Quelle: Mareike Bader

Marburg. Das Vokalensemble hatte Werke aus den Madrigalkomödien aus Guasparri Torellis „I fidi amanti“ und aus Adriano Banchieri ausgesucht sowie einzelne Madrigale von Claudio Monteverdi oder Alessandro Scarlatti. Die Zusammenstellung von Stücken von mehreren Komponisten zu einer Darstellung habe damals der Musikausübung entsprochen, wurde im Programmheft bekräftigt.

Sowohl Torelli als auch Banchieri lebten um 1600, als Madrigalkomödien ihre Blütezeit erlebten. Das Besondere daran ist, dass es keine Soloarien gibt, wie etwa bei der Oper, sondern alle Texte gemeinsam vom Ensemble gesungen werden. Um dennoch die verschiedenen Positionen der Figuren deutlich zu machen und auch zur besseren Textverständlichkeit, wurden vor den jeweiligen Stücken die Texte auf Deutsch von Mitgliedern des Ensembles vorgelesen oder der Inhalt in erzählter Form kurz zusammengefasst.

Liebesgeschichten ähneln „Sommernachtstraum“

Mit warmem, harmonischen Chorgesang interpretierten die etwa 30 Sängerinnen und Sänger die programmatische pastorale Musik. Zwar waren die sieben männlichen Sänger zahlenmäßig weit unterlegen, boten aber ein kräftiges Fundament im runden Gesamtbild mit dem warmen Alt und dem hellen, aber unaufdringlichen Sopran. Als Abwechslung zum vollen Chorgesang erklangen Solo­stücke sowie Werke mit kleinerer Besetzung, die vom Publikum mit kräftigem Zwischenapplaus belohnt wurden.

In den Texten ging es um Liebesgeschichten, deren Wirrwarr Shakespeares „Sommernachtstraum“ ähnelte. Dazu passte die italienische Sprache hervorragend, die vom Chor gut und flüssig in den Übergängen artikuliert wurde. Rhythmische Rückungen und pointiert gesetzte Pausen und Zäsuren zeigten die interessanten Raffinessen und den hohen Anspruch der wunderschönen Musik.

Allerdings verlor sich das Vokalensemble manchmal zu sehr im weichen, beruhigenden Klang der Musik. Stellen von feuriger Liebe hätten stärker dem Text entsprechend interpretiert werden können.

Das Publikum genoss das Programm mit wunderschöner Musik und den fantastischen Kostümen der Chormitglieder und bedankte sich mit langem, kräftigem Applaus. Yoshio Takayanagi an der Theorbe wurde besonders gefeiert. Als Zugabe wurde das muntere Madrigal „Flora“ von Adriano Banchieri wiederholt.

von Mareike Bader

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