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Riesiger Chor verzaubert Zuhörer

Brahms‘ „Deutsches Requiem“ Riesiger Chor verzaubert Zuhörer

Es war ein imposantes Bild am Sonntag in der Lutherischen Pfarrkirche: Rund 170 Sängerinnen und Sänger und ein Orchester führten Johannes Brahms‘ „Deutsches Requiem“ auf.

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Ein eindrucksvolles Bild: Bezirkskantor Nils Kuppe dirigierte in der Lutherischen Pfarrkirche 170 Sängerinnen und Sänger der Kantoreien der Elisabethkirche und der Frankenberger Liebfrauenkirche.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Ein sehr anspruchsvolles Stück wie das „Deutsche Requiem“ braucht ein großes Sängerensemble, um die verschiedenen Facetten und die Wucht des Stückes optimal wiedergeben zu können. Für dieses Projekt haben sich zwei große Chöre zusammengetan – die Kantorei der Marburger Elisabethkirche unter der Leitung von Bezirkskantor Nils Kuppe und die Kantorei der Frankenberger Liebfrauengemeinde­ unter der Leitung von Nils-Ole Krafft. Krafft dirigierte das Konzert am Samstag in Frankenberg, Kuppe am Sonntag in der ausverkauften Marburger Pfarrkirche. Unterstützt wurden die beiden Chöre von der Kurrende­ des Marburger Kinderchores.

Annemei Blessing-Leyhausen sang die Sopransoli und Jens Hamann die Basssoli. Das Ensemble „Solamente Naturali“ begleitete die Sänger auf historischen, romantischen Instrumenten und näherte sich so dem von Brahms gewünschten Originalklang an.

Drei Chöre, Solisten und ein Orchester miteinander musizieren zu lassen, ist eine Herausforderung. Diese haben die Dirigenten mit ihren Sängern und Musikern perfekt bewältigt. Sie präsentierten eine gut funktionierende und fein abgestimmte Einheit.

Brahms‘ 1869 in Leipzig uraufgeführtes „Deutsches Requiem“ ist eines der bedeutendsten Stücke in der Musikgeschichte. In der Tradition steht die musikalische Form des Requiems für ein mahnendes Stück, das die Seelen der Toten in das Himmelreich begleiten sollte. Es sollte die Angst des Sünders vor dem jüngsten Gericht darstellen.

Brahms als sehr religiöser Freigeist schrieb sein Requiem mit dem Ziel, die Hoffnung auf die Erlösung der Toten darzustellen. Mit dieser neuen Gestaltung setzte er einen Meilenstein in der Musikgeschichte.

Für die Musiker galt es, den Erwartungen an das bekannte Werk gerecht zu werden. Schon im ersten Satz gelang es dem riesigen Ensemble, seine Hörer mitzureißen. Durch die gute Abstimmung der Musiker und Sänger untereinander wurden die dynamischen Steigerungen in den langen Tönen des ersten Satzes kraftvoll und sauber umgesetzt. Die Sänger verstanden es, die Spannung über den Satz hinweg aufzubauen und stetig zu halten. Sie rissen die Zuhörer sofort mit.

Posaune bringt düstere Stimmung zurück

Wie der erste Satz thematisiert der zweite den Umgang mit Trauer und Vergänglichkeit. Hier überzeugt der Chor mit einem großen lauten Fortissimo. Trotz der enormen Anstrengung beim Singen eines Fortissimos, vor allem mit der Begleitung eines klassischen Orchesters, gelang dem Chor ein sauberer und kraftvoller Klang, der zwar unter die Haut ging aber nicht aufdringlich wirkte.

Das Orchester gab den Sängern genügend Raum, um diesen Klang zu entwickeln. Trotzdem nahm es sich nur so sehr zurück wie es musste, sodass das Zupfen der Streichinstrumente den bekannten träumerischen Effekt auf die Zuhörer hatte, bis die ­Posaune die Stimmung wieder zurück zum ursprünglichen düsteren Motiv des Trauermarschs wandelte.

Musiker haben Charakter des Requiems verinnerlicht

Auch im sechsten Satz wurde die Einheit zwischen Orchester und Chor spürbar und diese wurde vom Bass-Solo großartig unterstützt. Dieser Satz unterscheidet sich von den eher ruhigeren, romantisch verspielten vorangegangen Sätzen. Die über das Requiem hin aufgebaute Spannung entlud sich auch hier in einem mitreißenden Fortissimo, auf das der Hörer wartete. Sowohl das Orchester als auch die Sängerinnen und Sänger schienen ihre ganze Kraft in diese laute Passage zu stecken, sodass dem Hörer nichts anderes übrig blieb, als zu staunen.

Die Musiker setzten das Verkündigungsmotiv des sechsten Satzes passend um und kündigten in der letzten Passage mit ­einem wunderbar leisen melodischen Gesang im Piano den letzten Satz an.

Chor, Orchester und Solisten zeigten am Sonntagabend, dass sie den Charakter des großen Requiems von Johannes Brahms verinnerlicht haben und den ­Besuchern eindringlich vermitteln konnten. Und sie machten eindrucksvoll deutlich, dass ein leises Piano genauso viel Kraft haben kann wie das laute Fortissimo. Genauso wie Trauermusik auch Hoffnung schenken kann. Am Ende gab es Standing Ovations und minutenlangen stürmischen Applaus von gut 700 Zuhörern.

von Luisa Göhler

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