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Kampf um Würde in Zeiten der Not

„Früchte des Zorns“ Kampf um Würde in Zeiten der Not

Einen Klassiker der US-amerikanischen ­Literatur bringt das Hessische Landestheater auf die Bühne: Am Freitag hat um 19.30 Uhr John Steinbecks „Früchte des Zorns“ in der Galeria Classica Premiere.

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Migranten im eigenen Land: Von ihren Farmen vertrieben machen sich Familien zur Zeit der „Großen Depression“ in den USA auf den Weg in den Westen.

Quelle: Jan Bosch

Marburg. Die „Große Depression“ ist Thema von Steinbecks bekanntestem Roman. Ein monumentales Werk. Auslöser für die Große Depression war ein ungezügelter Kapitalismus, der im „Schwarzen Donnerstag“, dem Börsencrash von 1929, gipfelte. In der Folge verloren Millionen Menschen in den USA (und darüber hinaus weltweit) ihre Arbeit. Verschärft wurde die Wirtschaftskrise durch eine jahrelange Dürre in den ländlichen Gebieten weiter Teile der USA.

Der Literatur-Nobelpreisträger Steinbeck erzählt in seinem 1940 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten Roman auf mehr als 500 Seiten das Schicksal von Farmern, die von Großgrundbesitzern und Banken von ihrem vertrockneten Land vertrieben werden und sich auf den langen Treck nach Kalifornien begeben.Doch die Hoffnung auf gutbezahlte Arbeit erfüllt sich nicht. Stattdessen müssen die Farmer für Hungerlöhne schuften. Sie werden ausgebeutet und angefeindet.

Auf der Suche nach dem gelobten Land

„Früchte des Zorns“ ist eines der großen Dramen der US-Literatur, für das Magazin „Time“ einer der 100 besten englischsprachigen Romane der Zeit zwischen 1923 und 2005. Steinbeck erzählt die Geschichte des Elends hunderttausender vertriebener Farmer aus Sicht der Familie von Tom Joad, die seit Generationen eine kleine Farm in Oklahoma betreibt. Die ist nicht mehr rentabel und die Banken drehen ihnen im sprichwörtlichen Sinne das Wasser ab. Sie wollen große Betriebe mit großen Maschinen.

Die Joads brechen auf wie tausende andere Familien. Ein Flüchtlingstreck innerhalb der USA, entlang der berühmten Route 66. Ihr Ziel ist das gelobte Land, wo Wasser und Honig fließen, man nur die Hand ausstrecken muss, um Pfirsiche und Weintrauben zu pflücken. Sie erhoffen nicht viel – nur ein bisschen Land. Und sie kämpfen um Würde in Zeiten der Not. Oft vergeblich.

„Früchte des Zorns“ ist ein bis heute ungemein aktuelles Buch. „Flucht und Vertreibung, Ungleichheit und Ausgrenzung, Armut und Ausbeutung gehören zu den ureigenen Phänomenen der Menschheitsgeschichte. Und schon immer muss sich der Einzelne fragen, wie viel er aufgibt für die Verbesserung des ,großen Ganzen‘. Doch wie kann er etwas überwinden, das so undurchschaubar und widersprüchlich ist? Wie soll er einer Umwelt begegnen, die aus mancher Perspektive genauso traurig wie zum Lachen erscheint?“, fragt das Hessische Landestheater.

Das Landestheater greift zurück auf eine Bühnenfassung des US-amerikanischen Theaterregisseurs Frank Galati. Galati erhielt 1990 für diese Fassung den Tony Award für das beste Theaterstück. Regie führt Markus Heinzelmann: Er hat unter anderem an den Theatern in Konstanz, Lübeck, Bremen, Bonn, Ingolstadt, Basel, Heidelberg, am Staatsschauspiel Dresden, an den Schauspielhäusern in Düsseldorf und Hamburg, bei den Ruhrfestspielen sowie an den Staatstheatern in Mainz und Nürnberg inszeniert. „Früchte des Zorns“ ist seine erste Regiearbeit in Marburg.

Premiere bereits ausverkauft

Es spielen Lisa-Marie Gerl, Julia Glasewald, Artur Molin, Roman Pertl, Stefan Piskorz, Victoria Schmidt, Karlheinz Schmitt, Thomas Streibig und Saskia Taeger.

Die Premiere ist ausverkauft, eventuell gibt es Restkarten an der Abendkasse, wenn etwa vorbestellte Karten nicht abgeholt werden. Weitere Vorstellungen sind am 19. und 20. Januar, 4., 13. und 21. Februar, jeweils ab 19.30 Uhr. Karten gibt es unter www.theater-marburg.de

von Uwe Badouin

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