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Kampf gegen die Windkraft

Theater Gegenstand: „Don Quijote ...“ Kampf gegen die Windkraft

Windmühlen sind selten geworden und auch der Konflikt zwischen Adelsherrschaft und Fortschritt belastet heute kaum noch das Theaterpublikum. Und dennoch kann „Don Quijote“ noch aktuell sein.

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Liebe und Herzschmerz im Rosengarten

Dulcinea (Regina Guiwan), in dieser Inszenierung ganz modern als Kosmetikexpertin auf Youtube präsentiert, ist Don Quijotes ­
(Hubert Klinger) große Liebe.

Quelle: Marcus Hergenhan

Marburg. Viele Inhalte von Cervantes mittlerweile 400 Jahre altem Klassiker sind durchaus zeitgemäß, vor allem, wenn man Teile des Textes an die Moderne anpasst. Eben das haben die Künstlerinnen und Künstler um Regisseur Stefan Blix und Co-Regisseurin Magdalene Kaim in der Elisabethkirche eindrucksvoll mit dem neuen Stück von Theater Gegenstand unter Beweis gestellt.

Insgesamt probten die 25 Darstellerinnen und Darsteller, darunter sowohl Profis als auch Neueinsteiger, seit April dieses Jahres für den Stoff. Don Quijote tritt darin als verwirrt wirkender Obdachloser auf, der geradezu wahnhaft versucht, „die Schönheit“ in der Welt zu retten und allen Menschen ein besseres Leben zu bringen.

Ihm zur Seite steht wie immer Sancho Pansa, der allerdings zwar von Quijote stets im klassischen Sinne als Knappe bezeichnet wird, in dieser Inszenierung aber dessen Sozialarbeiter ist. Als solcher möchte er eigentlich nur Quijote von der Straße holen und ansonsten ein ruhiges Leben bei Kaffee und Kuchen führen.

Diese bescheidenen Ziele wollen sich aber so gar nicht mit den großen Ambitionen Quijotes decken, der bereits zu Beginn des Stücks vor den Toren der Kirche ruft „ich leuchte euch den Weg, aber wenn ihr zaudert, dann leuchte ich euch heim“.

Stadtautobahn als 
„grässlicher Lindwurm“

Diesem Ruf folgend betraten die Gäste die Kirche und waren ab diesem Zeitpunkt aus Sicht des Revolutionärs seine getreuen Streiter für die Schönheit und das Gute – für alle weiteren Personen in Quijotes Leben allerdings nicht mehr als dessen Hirngespinste.

Die Vorstellungen von Schönheit, die der vermeintliche Bettler, der in Wahrheit ein ehemaliger Geschäftsmann ist, speziell für Marburg hat, wollen sich so gar nicht mit denen der Stadtverwaltung decken. „Er muss fort, der grässliche schwarze Lindwurm, der Marburg durchtrennt!“ poltert Quijote im Bürgerbüro. „Meinen sie etwa die Stadtautobahn, sollen wir die abreißen?“ fragt die entgeisterte Sachbearbeiterin. „Jawohl und wenn sie dabei sind das Landratsamt und den Affenfelsen gleich mit!“

Bei so viel Rücksichtslosigkeit gegenüber den Marburger Betonbauten kann Sancho Pansa nur noch darum flehen, seinen Schützling nicht allzu ernst zu nehmen. Doch der selbsternannte Ritter gibt nicht auf. Erst recht, als er sich in die erfolgreiche Youtuberin Dulcinea verliebt, nimmt er sich fest vor, seine Vorstellungen einer schöneren Welt Wirklichkeit werden zu lassen.

Seine Eskapaden und Ambitionen mit Protestgruppen und Bankgeschäften enden für Quijote schließlich vor Gericht und für Pansa nach einem Herzinfarkt beinahe auf dem Sterbebett. Wer sehen möchte wie die Geschichte weitergeht und wie es möglich ist, dass „Ritter“ und „Knappe“ auf dem Weg in die Schlacht gegen Windkraftanlagen auf dem Feld zu sehen sind, der hat dazu noch diesen Donnerstag, Freitag und Samstag jeweils ab 20 Uhr in der Elisabethkirche Gelegenheit.

von Marcus Hergenhan

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