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Kampf gegen Gen-Terroristen

Dan Browns "Inferno" Kampf gegen Gen-Terroristen

Drohnen, Tablet-Computer, Gen-Terrorismus: Robert Langdon begegnen im neuen Dan-Brown-Thriller die Gefahren der Moderne. Kann der vierte Fall des Harvard-Professors die hohen Erwartungen erfüllen?

Marburg. „Was in drei Teufels Namen mache ich in Italien?“, fragt sich der schwerverletzte und erinnerungslose Romanheld Robert Langdon, als er in einem Krankenhaus in Florenz aufwacht. Zugegeben, bei aller Liebe für die Toskana: Die Situation des Symbolforschers aus Harvard ist beklemmend. Zumal vor dem Krankenzimmer gerade eine Auftragskillerin mit einer Pistole auf den Amerikaner zielt.

Obwohl Langdon derart angeschlagen, bedrängt und auch noch ohne seine geliebte Micky-Maus-Uhr nach Europa zurückkehrt, dürften die Fans des Star-Autors Dan Brown aufgrund des ersehnten Comebacks des Harvard-Professors gejubelt haben. Endlich, über dreieinhalb Jahre nach „Das verlorene Symbol“, hat der US-Bestsellerschreiber mit „Inferno“ einen vierten Langdon-Fall auf den Markt gebracht.

Die Erwartungen an den 685 Seiten starken Thriller waren immens - zumal sie dadurch geschürt wurden, dass nahezu keine Information über die Handlung vor der Veröffentlichung an diesem Dienstag an die Öffentlichkeit gedrungen war. Browns vorherige Bücher haben sich laut dem Kölner Verlag Bastei Lübbe weltweit bislang rund 150 Millionen Mal verkauft, darunter 81 Millionen Exemplare des zweiten Langdon-Falls „Sakrileg“. Auch „Illuminati“ wurde zum Weltbestseller, beide mit Tom Hanks verfilmten Bücher zu weltweiten Kino-Erfolgen.

Nachdem in „Das verlorene Symbol“ ein Langdon-Fall erstmals in den USA spielte, will Dan Brown nun wieder mit Schauplätzen in Europa beim Leser punkten. Passend zum erstmals weltweit zeitgleichen Verkaufsstart eines Brown-Thrillers erzeugt der Autor das Szenario einer globalen Verschwörung, der gleich mehrere Milliarden Menschen zum Opfer fallen könnten.

Bevor es global brenzlig wird, sorgt sich Langdon allerdings zunächst einmal um sich selbst. „Jemand versucht mich umzubringen! Aber... warum?“ Gleich zwei Killerkommandos sind Langdon auf den Fersen, als der sich gemeinsam mit der charismatischen Ärztin Sienna Brooks aus dem Krankenhaus rettet.

Browns Spannungscredo: Suche, und du wirst finden

Erste Hinweise nach dem Grund für die Verfolgung bietet ein metallener Behälter, den der Wissenschaftler eingenäht in seiner Tweedjacke findet. In bester Dan-Brown-Manier darf Robert Langdon gleich einen ersten versteckten Hinweis auf einem Kunstwerk aus der Renaissance entschlüsseln: „Cerca trova“, heißt es dort auf Italienisch - „Suche, und du wirst finden.“

Langdon und Brooks machen sich also auf die Suche nach einem Mythos, den ein milliardenschwerer Terrorist rund um das Dante-Meisterwerk „Göttliche Komödie“ aufgebaut hat. Brown geizt nicht mit Elementen, die auch die Vorgängerromane so spannend und teils auch einzigartig gemacht haben: geschichtsträchtige Städte, unterirdische Gänge, geheime Botschaften auf mittelalterlichen Kunstwerken. Das Ganze reichert der US-Autor mit einem Schuss Aktualität an: Nachdem Langdon im „Verlorenen Symbol“ bereits dem Waterboarding ausgesetzt war, muss er sich nun mit Drohnen und Tablet-Computern herumschlagen.

Herausgekommen ist eine teils humorvolle, sehr spannende, aber auch nachdenklich stimmende Geschichte um eine globale Bedrohung durch den sogenannten „genetischen Terrorismus“. Dantes furchteinflößende Höllenschilderung bringt einen vermeintlichen Einzeltäter zu der Überzeugung, man müsse einen Großteil der Weltbevölkerung biologisch auslöschen, um die Population zu sichern. „Ein furchtbarer, rachsüchtiger Gott wird Dantes Vision der Hölle draußen auf die Park Avenue bringen“, heißt es. „Ein furchtbares globales Gemetzel, inszeniert von der Natur selbst.“

Was als vermeintliche Tat eines milliardenschweren Terroristen beginnt, stellt sich bald als eine globale Bedrohung heraus, in die Regierungen, weltweit agierende Organisationen und ein zwielichtiger Geheimbund verwickelt sind. Am Ende legt Dan Brown eine Wendung hin, die beinahe so überraschend ist wie die in „Illuminati“. Die Grenze zwischen Illusion und Realität verschwimmt dabei ebenso wie die klare Linie zwischen guten und bösen Charakteren - spätestens dann, als Sienna Brooks, zweifelsohne die am besten gelungene Figur des Romans, fragt: „Würden Sie die Hälfte der Weltbevölkerung töten, um unsere Spezies vor dem Aussterben zu bewahren?“

Dan Brown: „Inferno“, Verlag Bastei Lübbe, 685 Seiten, 26 Euro.

von Steffen Trumpf

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