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Kampf für die Freiheit des Wortes

Pen-Club Kampf für die Freiheit des Wortes

Vom 2. bis 5. Mai findet in Marburg die Jahrestagung des deutschen Pen-Clubs statt. Erwartet werden rund 190 Autorinnen und Autoren aus 21 Nationen.

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Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach (von links), der deutsche PEN-Präsident Johano Strasser mit dem Marburger Märchenfrosch und PEN-Geschäftsführerin Claudia C. Krauße stellten das Programm der Pen-Jahrestagung vor.

Marburg. „Ein einziger Aufwiegler taugt manchmal mehr als alle Abwiegler zusammen.“ Im Georg-Büchner-Jahr stellt der deutsche Pen-Club seiner Jahrestagung dieses Büchner-Zitat voran. Die 1921 in London gegründete internationale Schriftstellervereinigung versteht sich als „geistiger Völkerbund“. Pen tritt ein gegen Rassen-, Klassen- und Völkerhass und für die Freiheit des Wortes. Es sei die „älteste NGO“ (Nichtregierungsorganisation) der Welt, sagte gestern Johano Strasser, der Präsident des deutschen Pen-Clubs.

Der Pen-Club tagt zum ersten Mal in Marburg. „Wir freuen uns sehr, dass die Pen-Jahrestagung in Marburg stattfindet“, sagte Kulturdezernentin Dr. Kerstin Weinbach. Sie verwies auf die rege Kulturszene und die vielen Literaturvereine in der Stadt. Auch Johano Strasser freut sich auf Marburg. „Einige Mitglieder des Präsidiums wussten, wie schön Marburg ist. Wir wählen für unsere Jahrestagung gerne Städte aus, wo man an der Architektur ein Stück Geistesgeschichte erleben kann. Da bietet sich Marburg geradezu an.“

Johano Straßer stellt Amt zur Verfügung

Es wird eine große Tagung, wie die Pen-Geschäftsführerin Claudia C. Krauße mitteilte. Das Interesse ist vor allem auch deshalb so groß, weil die Teilnehmer ein neues Pen-Präsidium wählen werden. Johano Strasser stellt sein Amt nach elf Jahren zur Verfügung.Neben diesen Regularien gibt es ein umfangreiches öffentliches Programm im Historischen Rathaussaal. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

Wer Autoren-Lesungen erwartet, ist bei der Pen-Jahrestagung falsch: Eröffnet wird die Tagung am Donnerstag, 2. Mai, um 20 Uhr mit „Writers in Exile“, einem der Schwerpunkte der Arbeit des Pen-Clubs, der verfolgte und inhaftierte Autoren unterstützt. Unter dem Titel „Leben im Gespaltensein“ spricht der syrische Autor Amer Matar über „Syrien im Krieg“ und die tunesische Autorin Najet Adouani fragt „Tunesien - eine enttäuschte Hoffnung?“ Zuvor gibt es einen Empfang bei Oberbürgermeister Egon Vaupel. Um Politik geht es auch am 3. Mai: Ab 16 Uhr steht eine Diskussion über das Urheberrecht im digitalen Zeitalter auf der Tagesordnung. Nur am Freitagabend wird es klassisch: Schriftsteller stellen Schriftsteller vor.

"Ungarns und die Demokratie" als Thema

Am Samstag, 4. Mai, steht ab 11.30 Uhr wieder eine spannende politische Debatte auf der Tagesordnung: „Ungarn und die Demokratie in Europa“. Der scheidende Pen-Präsident Johano Strasser sorgt sich angesichts der Finanzkrise um die Demokratie in Europa: Man dürfe nicht tatenlos zusehen, wie die Demokratie etwa in Ungarn „schikaniert wird“. Dabei sei Ungarn kein Einzelfall. Er warf den Regierenden vor, Politik in Hinterzimmern am Parlament vorbei zu machen. Rigorose Sparvorgaben stärkten wie etwa in Griechenland die extreme Rechte.

Zum Abschluss der Jahrestagung am 5. Mai widmet sich der Pen-Club ab 11 Uhr einem der düstersten Kapitel der deutschen Geschichte: Er erinnert mit einer Matinee an die Bücherverbrennung vor 80 Jahren.Pen steht für Poets, Essayists, Novelists. Pen Deutschland hat rund 700 Mitglieder. Ehrenpräsidenten sind Günter Grass, Walter Jens und die am 1. Dezember 2011 verstorbene Dichterin Christa Wolf.

von Uwe Badouin

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