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Tina Teubner redet Klartext

Kabarettherbst Tina Teubner redet Klartext

„Ich habe zwei Kinder und einen Mann. Ich bin also alleinerziehend.“ 
Tina Teubner ließ sich beim Kabarettherbst im KFZ unter anderem über Beziehungen aus.

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Ben Süverkrüp, der Mann am Klavier, ist oft Ziel des Spottes von Tina Teubner.

Quelle: Felix Busjaeger

Marburg. Beziehungen sind eine komplizierte Materie. Nach einigen Jahren verfallen Menschen dem Trott des Alltages, verlieren das Interesse an dem Partner, werden dick und fangen an selbst gemachte Marmelade zu verschenken – zumindest hat Tina Teubner diese Erfahrung gemacht.

Letzteres sei das Grauen, meint sie bei ihrem Auftritt am Freitag im KFZ. Meterhoch stapelt sich der Süßaufstrich und immer verrücktere Zutaten finden den Weg ins Glas. Die Kabarettistin präsentiert in ihrem Bühnenprogramm „Wenn Du mich verlässt, komm ich mit“ mit einer großen Portion Selbstironie die Abgründe der heutigen Elterngeneration.

Keineswegs spielte sie dabei nur die Beziehungskarte, sondern auch Themen wie der Gesundheitszwang und das wahnsinnige Hetzen nach neuesten Fitnesstrends und der Konkurrenzkampf unter Müttern bekamen ihr Fett weg.

Mit einem erfrischenden Wechselspiel aus Liedern und Monologen ackerte sich Teubner durch das Programm, spielte Ukulele oder Geige und zeigte, dass man selbst einem Sägeblatt schaurig-schöne Töne entlocken kann.

Bühnenpartner gibt bissige Kommentare

Gleich zu Beginn ihres Auftritts stellte die Künstlerin die Verhältnisse bei ihr Zuhause klar: „Ich habe zwei Kinder und einen Mann. Ich bin also alleinerziehend.“ Neben Witzen auf Kosten ihres Mannes bekamen auch die Kinder, beziehungsweise der Leistungsdruck, dem sie bereits im Kindergarten ausgesetzt werden, einiges zu hören. Mit Sprüchen wie „Was?! Ihr Kind kann sich noch nicht auf den Bauch drehen? Da muss es schnell zur Förderung“ machte sie auf merkwürdige Ansichten aufmerksam und sprang gleich 40 Jahre in die Zukunft, in der sich gestresste Manager auf Yogamatten strecken, um ihren Stress abzubauen. Für Teubner ein Widerspruch in sich.

Immer an ihrer Seite: Bühnenpartner Ben Süverkrüp, Opfer ihrer bissigen Kommentare und musikalische Begleitung, half ihr mit Hilfe seines dicken Pelzes, die nächsten Monologe vorzubereiten. In der ersten Hälfte des Abends relativ unscheinbar, entpuppte sich Süverkrüp in der zweiten Hälfte als treffsicherer Komiker und ebenbürtiger Partner auf der Bühne. Er unterstützte die Lieder, gab Paroli oder spielte Teubners Gewissen.

Spätestens als er sich mit einem Medley den verschiedenen sozialen Netzwerken widmete und musikalisch überlegte, was gewesen wäre, wenn Beethoven und Co. bei ihrer Arbeit durch nervige Klingeltöne abgelenkt worden wären, zeigte Süverkrüp sein Können. Die Kombination aus Werbejingles und klassischen Liedern sorgte im Publikum für Begeisterung.

Aber auch die Kabarettistin lag mit ihrem Programm bei den Zuhörern genau richtig. Die Gags zündeten, es wurde viel gelacht und applaudiert. Die Künstlerin schaffte es dank ihrer sympathischen und selbstironischen Art einen direkten Kontakt zu ihnen aufzubauen und so für einen rundum gelungenen Abend zu sorgen.

von Felix Busjaeger

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