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Kabarettist als Verbraucherschützer

Philipp Weber in Marburg Kabarettist als Verbraucherschützer

Er veranstaltet heiteres Tütensuppenraten, philosophiert über Erbsen im Handstand und erklärt, was asymmetrische C-Atome sind. Philipp Weber serviert „Futter - streng verdaulich!“.

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Philipp Weber doziert über Essen – doch Vorsicht: Sein Vortrag enthält jede Menge Bitterstoffe.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. „Kabarettist, Autor, Verbraucherschützer.“ So lautet Philipp Webers Berufsbezeichnung auf seiner Homepage. Obwohl er gesteht, auf der Bühne lieber Komiker zu sein als Kabarettist - die bringen nämlich „die richtige Message an die falschen Leute“, das sei das Problem des Kabaretts. Wer gut genug mit Geld umgehen kann, um im Kabarett zu sitzen, dem müsse man zu dem Thema eben nichts mehr erzählen.

Aber nehmen wir erst einmal das Ende seines Programms „Futter - streng verdaulich!“ vorweg: Weber und seine drei Nachbarn, mit denen er eine „slow food“-Gruppe gründen wollte, landen mitten in der Nacht und besoffen unter dem Walnuss-Baum des Nachbarn, weil sie sich in Sachen Verzehr auf wenig anderes als Nüsse und Hochprozentiges einigen konnten. Das passiert, wenn Philipp Weber „aufkochen“ will und Petra, Jürgen und Bernd dann mit Zöliakie, Laktoseintoleranz und Frutarismus daherkommen.

Kabarettistisch-kulinarischer Rundumschlag

Von diversen Nahrungsmittelunverträglichkeiten (gegen die Webers Mutter eine Allergie hat und denen sie im Zweifel mit einer „aktiven Immunisierung“ und einen zusätzlichen Schlag Wirsing begegnet) über Pfälzer Saumagen (merke: eine leichte Küche entspricht nicht unserem dunklen, teutonischen Gemüt!) bis hin zu Antioxidationsmitteln („Haben Sie Angst zu rosten?“) ist das Programm ein kabarettistisch-kulinarischer Rundumschlag. „Sie werden noch lange an mich denken müssen“, prophezeit Philipp Weber. Wohl bekomm’s.

Wenn Weber Dinge durch den Kakao zieht, dann hat das mitunter mehr Bitterstoffe, als dem Publikum lieb sein kann. Und dass einem bei der ein oder anderen Pointe das Lachen im Halse stecken bleibt, ist angesichts des Themas wörtlich zu nehmen. So spaßig „explosionsgetrockneter Sellerie“ auch klingen mag - es ist Philipp Weber, seines Zeichens übrigens studierter Chemiker, bitterernst, wenn es um Massentierhaltung und Mangelernährung geht, um genmanipulierte Lebensmittel und dass Deutschland Europameister im Verfüttern von Antibiotika an Schlachtvieh ist.

Wussten Sie übrigens, dass es in freier Wildbahn keine übergewichtigen Tiere gibt? Oder dass in den deutschen Filialen des berühmten schwedischen Möbelhauses pro Jahr 80 Millionen Fleischbällchen gegessen und jeden Tag am Frankfurter Flughafen 180 Tonnen Biogemüse umgeschlagen werden? Philipp Weber - in Amorbach im Odenwald aufgewachsen, wo es noch „Essen auf Pfoten“ gab - hat Sendungsbewusstsein. Mal wird bei ihm filigran filetiert, mal kommt er seinem Publikum sprachlich auch mit dem Krautstampfer. In jedem Fall will er verhindern, dass wir uns „reaktionsaromatisiertes Rindfleisch“ als Ratsherrentopf verkaufen lassen.

Kochtipps gehören zum Programm

Anhand von Inhaltsstoffen soll das Publikum raten, um welche Tütensuppe es sich wohl handeln mag. Die Zuschauer werden immer wieder ins Programm einbezogen. In der ersten Reihe entdeckt Weber gleich zu Beginn Hund „Gomez“. Und wer ihn darauf aufmerksam macht, dass er die Zwiebeln als Rouladenzutat vergessen hat, der darf sich gewiss sein, dass der Kabarettist zwischen Exkursionen über „Omas drei Fettsäuren“, „Chinchilla con carne“ oder „Erbsen im Handstand auf schwarzem Teller“ darauf zurückkommt.

Tipps fürs Kochen gibt es natürlich auch. Regel Nummer 1: „Keine Fehler zugeben“. Verkaufen Sie etwas komplett Versalzenes ganz einfach als „nach Art bretonischer Fischer saliniert“.

Apropos Fett wegbekommen: Vergessen Sie Schweinshaxe in Pralinenform. „An einer Haxe muss der Organismus arbeiten wie ein Python an einem japanischen Sumo-Ringer“, befindet Philipp Weber. Und wo wir schon in Japan sind: Warum soll er kalten Reis und rohen Fisch essen, nur weil die Hausfrauen dort keine Lust zum Kochen haben? Dann sollte vielleicht doch endlich jemand einem Schwein ein Soja-Gen einpflanzen und damit die vegetarische Tofu-Sau erschaffen. Gekoppelt mit „rückwärtsgekoppelten suizidalen Lemmingen“ ergäbe das ein Tier, das sich selbst in die Fleischbrühe befördert und damit auch von Vegetariern problemlos gegessen werden könnte. Es war ja eh so depressiv.

Jochen Busse kommt am Freitag ins KFZ

Jochen Busse ist einer der großen Stars in diesem Kabarettherbst. Am Freitag, 26. September, gastiert er ab 20 Uhr mit seinem Solo-Programm „Wie komm ich jetzt da drauf?“ im Kulturladen KFZ. Die Münchner Abendzeitung nannte es „ein furioses Solo!“. Und für die Süddeutsche Zeitung ist Busse „der mit allen Wassern von Boulevardtheater bis zu RTL gewaschene Kabarettdarsteller, der mit mimischer Grandezza und seinem Mut zur Rampensau oder zum arroganten Schnösel den Texten unwiderstehliche Wucht verleiht“. Viel mehr Lob geht nicht. Ach ja, Bei Busse geht es um das Altern. Aber der Entertainer trägt es mit Witz und Würde.

von Nadja Schwarzwäller

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