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Aus Komiklesung wird Dating-Show

KFZ: Patrick Salmen Aus Komiklesung wird Dating-Show

Der 31-Jährige machte mit seiner Kurzgeschichten- und Gedichtesammlung „Genauer betrachtet sind Menschen auch nur Leute“ zum zweiten Mal in Marburg Halt.

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Autor Patrick Salmen als Kuppler: Auf der KFZ-Bühne durften Besucher Platz nehmen, die noch ­einen Partner suchen.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Patrick Salmen trägt nicht nur mit seinen Texten zur Glückseligkeit seiner Zuschauer bei. Der Dortmunder zeigte­ am Freitag, dass mehr in ihm steckt. Der ehemalige Poetry Slammer schwang sich nämlich zum Rapper und verkappten Liebesgott Eros auf.

Natürlich waren Salmens Kurzgeschichten aus dem 2016 erschienenen Buch „Genauer betrachtet sind Menschen auch nur Leute“ Dreh- und Angelpunkt des Abends. Salmen, der leidenschaftliche Misanthrop aus dem Ruhrpott, schwadronierte von nervigen Pärchenabenden und nörgelnden Patenkindern. Doch für sein diesjähriges Gastspiel hatte sich der Dortmunder etwas Neues einfallen lassen. Weg von der Leseratte, hin zum interaktiven Entertainment.

In Anlehnung an die 1990er-Fernsehshow „Herzblatt“ mutierte Salmen mit Schalk im Nacken in den „Kai Pflaume von Marburg“ und lud Zuschauer auf eine Couch auf der Bühne ein. „Jeder, der noch einen Partner sucht, kann gerne hier hoch kommen und sich verkuppeln“, verkündete der 31-Jährige. Tatsächlich füllte sich das Sofa zügig.

Zwischen Lachen und Schnappatmung

Auf der Sitzgelegenheit angekommen beschwerte sich eine­ äußerst aufgedrehte Studentin darüber, dass man in Marburg keinen One-Night-Stand mehr haben könne, da sich alles so schnell herumspreche. „Und dann begegnet man dem Typen auch noch im Tegut“, klagte sie. Salmen verfiel in eine Mischung aus Lachen und Schnappatmung. Unter tosendem Beifall wurde die Frau von ihren Sitznachbarn von der Couch verbannt. Zumindest zwei Männer und Frauen konnten was miteinander anfangen. Für Salmen hieß das: Mission erfüllt.

Darüber hinaus berichtete der 31-Jährige von seiner Vergangenheit als passionierter Rapper. In Anlehnung an ein Haarshampoo gab er sich damals den Namen „Verbal Essences“. Den Respekt bei den „harten Jungs“ im Ghetto erntete er mit diesem Pseudonym natürlich nicht. Salmen servierte dem Publikum einige Kostproben seiner Schaffenskraft. Leider trug er seine Songs nur lesend vor. Zu rappen schien ihm zu viel des Guten.

Mit ziemlich vulgären Texten, die jedoch äußerst viel Wortwitz aufwiesen, trieb der Autor seinen Zuhörern Tränen in die Augen. Auch bei ihm selbst blieb kein Auge trocken. Mehrmals brach der Dortmunder mit der tiefen Stimme aus Scham und Vorfreude über seine Raps in vergnügtes Quieken aus.

von Benjamin Kaiser

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