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Jury würdigt „grandioses Gesamtwerk“

Marburger Kamerapreis Jury würdigt „grandioses Gesamtwerk“

Der in Hannover geborene Kameramann Jürgen Jürges erhält den Marburger Kamerapreis 2016. Er ist der 16. Preisträger. Verliehen wird der mit 5000 Euro dotierte Preis am 12. März kommenden Jahres.

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Der Marburger Kamerapreis 2016 geht an Jürgen Jürges.

Quelle: Wolfgang Ennenbach

Marburg. Die Namen von Kameraleuten bleiben selbst Cineasten meist verborgen. Auf Plakaten prangen groß die Filmstars und die Regisseure. Doch ohne Kamerafrauen und Kameramänner, ohne die Experten in Sachen Licht und Atmosphäre gäbe es keine Filme und schon gar keine Filmkunst. Genau auf diese Spezialisten im Schatten der großen Stars richtet der Marburger Kamerapreis den Fokus. Er rückt sie ins Licht.

Auch der Name Jürgen Jürges sagt den meisten Kinobesuchern wohl nichts. Dabei hat er den deutschen Film seit den 1970er Jahren durch seine Arbeit wesentlich mitgeprägt, wie die Jury des Marburger Kamerapreises betonte und wie ein Blick auf die Liste der Filme zeigt, für deren Bilder er verantwortlich war: die Rainer-Werner-Fassbinder-Klassiker „Angst essen Seele auf“ (1974) und „Effi Briest“ (1972/74), „Deutschland bleiche Mutter“ (1980) von Helma Sanders-Brahms (1980) sind ebenso zu nennen wie „Christian F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ von 1981.

Obwohl Jürges darüber vermutlich gar nicht so erfreut ist, schließlich wurde er während der Dreharbeiten vom Produzenten Bernd Eichinger gefeuert, weil er angeblich zu langsam war. Qualität ging und geht Jürges über Geschwindigkeit. Dennoch stammt ein Großteil der Bilder des Films von ihm, wie der Marburger Medienwissenschaftler Professor Malte Hagener am Freitag bei der Pressekonferenz betonte. Hagener organisiert den Preis gemeinsam mit Mirjam Klein.

Jürges bereits vielfach preisgekrönt

„Die flambierte Frau“ (1983) steht ebenso auf seiner Filmliste wie der Wim-Wenders-Film „In weiter Ferne, so nah“ (1993) oder Florian Gallenbergers Mammutprojekt „John Rabe“ (2007). Obwohl Jürges inzwischen 74 Jahre alt ist und bereits 104 Filme gemacht hat, denkt er nicht daran, aufzuhören: Gerade in den Kinos war die hochgelobte Kunstsatire „Ich und Kaminski“ nach einem Roman von Daniel Kehlmann.

Drei weitere Projekte kommen noch in die Kinos. Das Spektrum reicht von Großproduktionen wie „John Rabe“ mit einem Millionen­etat bis zu kleinen, experimentellen Kunstfilmen. Professor Karl Prümm, Initiator des Kamerapreises, sprach von einem „grandiosen Oeuvre“.

Dafür hat Jürges bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten – unter anderem zweimal den Deutschen Kamerapreis, zweimal den Bundesfilmpreis und im Jahr 2000 den Deutschen Filmpreis in Gold, die höchste deutsche Filmauszeichnung.
„Legendär“ an Jürges‘ Arbeit sei „seine bilderforschende Neugier, mit der er ausgetretene Pfade verlässt und sich auf unbekanntes Gebiet vorwagt“, heißt es in der Begründung der Jury. Ihr gehören neben Prümm und Hagener unter anderem der Marburger Kinobetreiber Hubert Hetsch und der Marburger Fachdienstleiter Kultur, 
Dr. Richard Laufner, an.

Kulturdezernentin Dr. Kerstin Weinbach sagte, der Marburger Kamerapreis sei seit vielen Jahren ein „Musterbeispiel für die Zusammenarbeit zwischen Philipps-Universität und Stadt“. Gleichzeitig würdigte sie die Sponsoren des Preises, den Kamerahersteller Arri und die Sparkasse, die gemeinsam das Preisgeld zur Verfügung stellen.

von Uwe Badouin

Sie gaben am Freitag den Kamerapreisträger des Jahres 2016 bekannt: Mirjam Klein (von links), Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach, Dr. Jürgen Laufner (Fachdienstleiter Kultur), Professor Malte Hagener, Rüdiger Laske vom Bundesverband Kinematografie, Professor Karl Prümm und Kinobetreiber Hubert Hetsch. Das kleine Foto zeigt den Kameramann Jürgen Jürges. Foto: Uwe Badouin
 
Die bisherigen 
Preisträger
2001: Raoul Coutard (Frankreich)
2002: Frank Griebe (Deutschland)
2003: Robby Müller (Niederlande)
2004: Slawomir Idziak (Polen)
2005: Walter Lassally (England)
2006: Judith Kaufmann (Deutschland/Österreich)
2007: Eduardo Serra (Portugal/Frankreich)
2008: Renato Berta (Schweiz)
2009: Wolfgang Thaler (Österreich)
2010: Jost Vacano (Deutschland)
2011: Anthony Dod Mantle (England/Dänemark)
2012: Agnès Godard (Frankreich)
2013: Reinhold Vorschneider (Deutschland)
2014: Paweł Edelman (Polen)
2015: Ed Lachman (USA)
 
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