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Junges Filmteam präsentiert „Incomplete“

Kino Junges Filmteam präsentiert „Incomplete“

Großer Trubel, Nervosität und Erleichterung herrschte im Cineplex, als Jung-Regisseurin Marit Woelke ihr neues Filmprojekt „Incomplete“ vor über 200 Kinobesuchern vorstellte.

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Die stolze Regisseurin Marit Woelke (7. von links), ihre Hauptdarsteller Clara Schulze (2. von links), Esther Aillaud (5. von links) und Johanna Schulze (9. von links) mit dem Team.Foto: Tannert

Marburg. Geschafft: die große Premiere ist vorbei, monatelange Teamarbeit, aufreibende Wochen am Filmset, vor und hinter der Kamera und unzählige Stunden im Technikraum gipfelten in der Erstvorführung des Amateurfilms „Incomplete“.

Das etwa 30-köpfige Team rund um Regisseurin Marit Woelke war gekommen, um der großen Premiere beizuwohnen - jeder einzelne so kribbelig wie die Set-Chefin selber: „Ich bin so nervös, aber habe mich noch einigermaßen im Griff“, gestand Jung-Regisseurin Marit Woelke kurz vor dem Filmstart. Erstes Highlight des Abends war die frohe Botschaft von der Kasse: ausverkauft!

Über 200 Besucher verfolgten die Premiere des Amateurfilms und die dramatische Geschichte der jungen Emilia, die, einsam und innerlich zerrissen, von zu Hause fortläuft, um ihren Vater zu suchen. Auf ihrer Suche macht sie Bekanntschaft mit einer anderen, düsteren Seite der Gesellschaft, trifft auf eine Gruppe obdachloser Jugendlicher und auf unbequeme Wahrheiten des Lebens. Dramatisch und unverblümt stellt der Film den Überlebenskampf und ein konfliktgeladenes Zusammenleben der Ausgestoßenen am Rande der Gesellschaft dar.

Hauptdarstellerin Johanna Schulze (14 Jahre) spielt eindrucksvoll die Rolle des anfangs unsicheren, zerrissenen Mädchens, deren Persönlichkeit sich im Verlauf der Handlung zusehends entwickelt und die sich immer weiter einer inneren „Vollständigkeit“ nähert. Die Anführerin der Jugendbande, gespielt von Esther Aillaud (18 Jahre), überzeugt besonders durch eine glaubhafte Darstellung ihres zwiespältigen Charakters mit intensiven Gefühlsausbrüchen.

Die Handlung des Films spielt in Marburg, sämtliche Jugenddarsteller stammen ebenfalls aus der Universitätsstadt. Tauchen anfangs noch vereinzelte Schnitt-, Ton- und Beleuchtungsfehler in dem Amateurstück auf, so wirkt die Perspektive im Verlauf des Films flüssiger, die Darsteller sicherer und glaubhafter.

Vom Publikum gab es viel Lob: „Der Film war gut, er zeigt viele Wahrheiten“, kommentierte Henrik Pfeiffer aus Moischt. „Ich fand die Handlung sehr interessant, für einen Amateurfilm kam das Thema gut rüber“, sagte Ute Hangleiter aus Ulm. „Es war sehr gut, ziemlich aufregend, emotional und mit viel Tiefgang“, lobte auch Ines Blaha aus Weimar.

Drama wird bei „Incomplete“ groß geschrieben, ist ein gewolltes Instrument der Geschichte. „Ich bin ein dramatischer Mensch und so ist auch mein Film“, betonte Marit Woelke.

Mit der teils rüden Handlung will die Regisseurin auf reale Probleme in der Gesellschaft aufmerksam machen, die unbequemen, düsteren Seiten aufzeigen, die man gerne übersieht. „Ich habe den Drang die Welt zu verändern“, erklärt die 18-Jährige. Ein Jahr lang arbeitete das junge Filmteam an dem Projekt - und das mitten in der stressigen Abi-Zeit. Jede freie Stunde und zahllose Wochenenden opferten die Schüler für ihr Großprojekt. Angefangen bei einem Casting unter den Mitschülern der Martin-Luther-Schule, umfangreicher Planung und dem Studium des Drehbuchs, über zahllose Stunden am Set, bis zum Schnitt. Technische Pannen, schlechtes Wetter und Zeitprobleme inklusive. Häufig wollte sie alles hinschmeißen und aufgeben, gesteht die junge Produzentin. Doch ihr Team baute sie immer wieder auf. „Es war die schönste Zeit, die ich jemals mit euch hatte“, bedankte sich die Regisseurin herzlich bei ihrem Team.

Nach dem erfolgreichen Ende ihres Filmprojekts und dem bestandenen Abitur kann sich die 18-Jährige nun auf ihre Zukunftspläne konzentrieren. Diese liegen natürlich beim Film: In zwei Jahren will sie ein Regie-Studium beginnen.

Von Ina Tannert

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