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Junge Virtuosen auf Weltklasseniveau

Eckelshausener Musiktage beendet Junge Virtuosen auf Weltklasseniveau

Ein derart virtuoses Feuerwerk, wie es am Pfingstmontag im Fürstensaal des Landgrafenschlosses abgebrannt wurde, haben Musikfreunde in dieser Stadt noch nie erlebt.

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Itamar Ringel (3. von rechts) spielte den Solopart in Hindemiths „Trauermusik“.Foto: Hoffsteter

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Wer an der „Kronberg Academy“ studiert, gehört zur Elite des Streichernachwuchses. Beim Abschlusskonzert der 28. Eckelshausener Musiktage begeisterten fünf Geiger die knapp 200 Zuhörer im ausverkauften Fürstensaal des Marburger Schlosses mit Meisterwerken der virtuosen Violinliteratur, während die je zwei Bratscher und Cellisten für lyrische Klänge sorgten. Der Violinprofessor Friedemann Eichhorn hatte das abwechslungsreiche Programm eigens für das Festival zusammengestellt. Der zweite Professor im zehnköpfigen Ensemble war Christoph Schmidt am Kontrabass, der als einziger kein Solo spielen durfte.

„Einer für alle - alle für einen“, so beschrieb Eichhorn das Besondere des Ensembles, in dem mit den beiden Professoren fünf Studenten der „Kronberg Academy“ und drei ehemalige Meisterschüler musizieren. Das heißt: Alle begleiten als Streichorchester und jeder darf einmal solistisch hervortreten. Los ging es mit einer Filmmusik-Suite von Dmitri Schostakowitsch. Die beiden Geiger Niklas Liepe und Ji Eun Anna Lee tauchten tief ein in die wienerische Melancholie des Präludiums und zeigten untrügliches Gespür für den Humor in Walzer und Polka. Lee brillierte in Henryk Wieniawskis D-Dur-Polonaise, bevor sich der Cellist István Várdai mit intensivem Gesangston und phänomenaler Virtuosität Peter Tschaikowskis „Pezzo capriccioso“ widmete. Als eindringlicher Lyriker erwies sich mit sinnlich-baritonalem Klang der Bratscher Georgy Kovalev im Andante cantabile aus Tschaikowskis D-Dur-Streichquartett. Den furiosen Schlusspunkt vor der Pause setzte der Geiger Itamar Zorman, der vor drei Jahren den 1. Preis beim Moskauer Tschaikowski-Wettberwerb gewonnen hat, mit „Introduction et Rondo capriccioso“ von Camille Saint-Saëns.

Der Bratscher Itamar Ringel eröffnete den zweiten Teil mit Paul Hindemiths „Trauermusik“. Der melancholische Ton der Viola harmonierte ideal mit den anrührenden Klängen der übrigen Streicher. Der dort angeschlagene Klageton setzte sich fort in Max Bruchs „Kol Nidrei“. Pablo Ferrández, der vor einem Jahr in Caldern für Festivalleiter Julius Berger mit Bachs 1. Solosuite eingesprungen war, spielte den hebräischen Bußgesang mit schlankem, ganz nach innen gerichteten Ton. Dann setzte der Geiger Kirill Troussov an zum absolutem Höhepunkt dieses nur aus Höhepunkten bestehenden Programms: Mit großem Ton, aber auch betörender Süße sang er die ausgedehnte langsame Einleitung von Pablo de Sarasates „Zigeunerweisen“, bevor er deren halsbrecherischen Schlussteil mit atemberaubender Virtuosität durchmaß. Aber nicht genug: Mit Antonio Joseph Bazzinis „Tanz der Kobolde“ tauchte er noch tiefer ein in die geigerische Hexenküche. Eichhorn und Liepe im Duett taten es Troussov nach mit de Sarasates „Navarra“. Hochvirtuos auch die erste Zugabe: Cellist Várdai spielte eine „Humoreske“ von Mstislaw Rostropowitsch, dem die „Kronberg Academy“ besonders verbunden ist. Cellist Ferrández ließ mit berührender Schlichtheit den „Gesang der Vögel“ seines großen Landsmannes Pablo Casals erklingen.

Positive Bilanz

Die Veranstalter der Eckelshausener Musiktage ziehen eine positive Bilanz, auch wenn nach Angaben von Pressesprecherin Katharina Zürcher mit 1700 Zuhörern etwa 300 weniger als im Vorjahr die zehn Konzerte des Festivals besuchten. Der Einbruch wurde hervorgerufen durch das sehr spezielle Programm in der Stiftskirche Wetter. Dort wolle man künftig wieder mit Chorkonzerten für ein ausverkauftes Kirchenschiff sorgen. Ansonsten sei die Programmgestaltung beim Publikum auf Zustimmung gestoßen, sagte Zürcher. Überrascht waren die Veranstalter über den großen Zuspruch, den das Harfenkonzert am Samstag in der Calderner Kirche gefunden hat.

von Michael Arndt

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