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Junge Talente überzeugen Publikum

Konzert Junge Talente überzeugen Publikum

Ein Abend ganz im Zeichen des großen Barockmeisters Johann Sebastian Bach mit dem Marburger Konzertchor und mit der Sinfonia Silesia Kattowitz unter Professor Siegfried Heinrich: Darauf freuten sich rund 250 Besucher in St. Peter und Paul.

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Der Marburger Konzertchor sang mit Präsenz und Prägnanz. Foto: Helmut Rottmann

Marburg. Zum Auftakt erklang Bachs Orchestersuite Nr. 4 D-Dur, BWV 1069.Registerartige Wechsel der Instrumentengruppen sowie deren Kombinationen als Klanggruppen bei der Ouvertüre, den stilisierten Tänzen und fugierten Passagen formte Siegfried Heinrich mit den polnischen Instrumentalisten zu einer kraftvoll-grazilen Einheit.

Die Sinfonia Silesia Kattowitz ist unter Heinrich zu einem respektablem Klangkörper gereift: Geigenklang mit leichtem Ton, mit Frische und Schmelz, die tiefen Streicher mit Kontur, munteres Holzbläserspiel, melodisches Fließen in zartem Piano sowie weiche Wechsel in tänzerischer Leichtigkeit und Eleganz. Die Sinfonia Silesia Kattowitz vermittelte festlichen Glanz, den kleine Holperer nicht nachhaltig trübten.

In Bachs Konzert für Violine und Orchester E-Dur BWV 1042demonstrierten die Sinfonia Silesia Kattowitz und Solistin Katharina Wildermuth ihre Lust auf kontrastierende Sätze, Freude an thematischer Vielfalt, an Melodik und kunstvoller Ausgestaltung, den Kontrast von Tutti und weiten, weich fließenden Solo-Kantilenen. Die 22-jährige Violinistin musizierte mit bemerkenswert weichem Ton, der Glanz und Farbe hatte. Sie strahlte unter Siegfried Heinrichs Dirigat Sicherheit und Gelassenheit aus. Katharina Wildermuth begeisterte mit beseeltem und zugleich freudigem Musizieren, mit innigen Zwiesprachen und betörendem Wechselspiel mit der Sinfonie Silesia Kattowtz. Die Studentin an Frankfurts Musikhochschule überzeugte mit Empfindsamkeit, aber auch mit Virtuosität. Bachs Magnificat D-Dur BWV 243 erklang in dessen heutzutage bevorzugter zweiter Fassung. Bei Eröffnung, Mittelachse und Schluss in orchestralem Tutti mit glänzendem Trompetenklang bewies der Marburger Konzertchor Lust und Frische, gepaart mit Präsenz und Prägnanz. Er wurde kongenial begleitet von den etwa 30 Instrumentalisten der Sinfonia Silesia Kattowtz. Die knapp 120 Choristen gestalteten die Figurationen mit Lebendigkeit und die kadenzierenden Adagio-Takte mit Sinnlichkeit, um nach fünfstimmiger Fuge voll Klarheit und Präzision in Triolen die Dreieinigkeit Gottes zu loben.

Der Marburger Konzertchor gefiel mit Klarheit im Ton und in der Aussprache, mit fast durchgängiger Transparenz des Chorklangs und der Fugenverläufe, mit sinnlicher Textausdeutung, mit Ahnung und musikalischem Verständnis für Melodie und Harmonik.

Siegfried Heinrich ist bekannt für sein Gespür für junge vielversprechende Talente. Das bewies er an diesem Abend schon mit der Geigerin Katharina Wildermuth. Aber auch mit der Verpflichtung der Sopranistin Julie Grutzka mit schöner, schlanker Stimme voller Frische und lichten Höhen sowie dem Tenor Stephan Scherpe mit weicher Stimme in tonaler Sicherheit. Er sang kraftvoll und klar im Solo, aber eine Spur zu schüchtern im Duett. Routinierter agierten die Sopranistin Lisa Rothländer mit glockenreiner Stimme, Anna Retczak mit warmem Alt sowie Xiao-Feng Cai mit rundem und weichem Bass. Das Frauen-Terzett war in seiner Zartheit und Intensität betörend schön.

Die 80-minütige Soiree schloss der Marburger Konzertchor mit der Sinfonia Silesia Kattowitz unter Siegfried Heinrich ab mit „Dona nobis pacem“, der abschließenden Doppelfuge aus Bachs h-Moll-Messe. Er gestaltete sie als eine in sich gekehrte Bitte um Frieden, eindringlich und überzeugend. Das Publikum war ergriffen und bedankte sich mit langem und immer kräftiger werdendem Applaus.

Von Helmut Rottmann

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