Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 5 ° Regen

Navigation:
Junge Philosophen gehen neue Wege

Ausstellung im Landgrafenschloss Junge Philosophen gehen neue Wege

Wie präsentiert man Philosophie, die „Liebe zur Weisheit“, in einer Ausstellung? Der Marburger Verein „DenkWelten“ geht neue Wege. Am Donnersdtag, 16. Oktober, um 19 Uhr wird „überdacht!“ im Landgrafenschloss eröffnet.

Voriger Artikel
Zwei Streithähne in Höchstform
Nächster Artikel
Sängerin Yana Gercke trifft auf ihre Schwester Lena in der Jury

Matthias Warkus (links) und Michael Siegel stehen neben ihrem Mensch-Roboter, der den Materialismus des Philosophen La Mettrie illustrieren soll.Foto: Uwe Badouin

Marburg. „Wer bin ich? Was soll ich tun?“ Fragen wie diese stellt sich die Philosophie seit der Antike. „Und wo bekomme ich die besten Wiener Schnitzel?“, ergänzt der 2008 von Marburger Philosophiestudenten gegründete Verein „DenkWelten“. Die inzwischen rund 80 Mitglieder nähern sich ihrem Fach, das wie kaum ein zweites mit dem akademischen Elfenbeinturm gleichgesetzt wird, mit Humor.

„Philosophie boomt“, sagt Matthias Warkus. Mittlerweile sind allein an der Philipps-Universität rund 1000 Studierende im Haupt- und Nebenfach in Philosophie eingeschrieben. Seit 2005 habe sich die Zahl der Studierenden verdreifacht. Den Grund sieht Warkus in der „soliden Bildung“, die die „erste Wissenschaft“ der Menschheit vermittele. Die Ausstattung des Instituts sei diesem Andrang allerdings nicht angepasst worden.

Der 32-Jährige, der gerade seine Promotion abgeschlossen hat, ist einer der Initiatoren der Ausstellung „überdacht! philosophie mit weitblick“, die Interessierten bis zum 25. Januar im Kleinen Rittersaal auf ungewöhnliche Weise philosopische Ideen näherbringen soll.

Acht Stationen haben fünf junge Ausstellungsmacher für den historischen Rittersaal entwickelt, dies neben ihrem Studium, neben ihrer Promotion. Das Ergebnis ist eine Ausstellung, die wenig gekostet hat, „aber in dieser Form weltweit einmalig ist“, sagt Warkus selbstbewusst.

So wie das Gießener Mathematikum seinen Besuchern spielerisch und mit interaktiven Stationen abstrakte Zahlen nahebringen will, versucht diese Ausstellung dem Publikum zentrale Ideen von acht Philosophen zu erläutern - viele davon mit Marburg-Bezug. Vertreten sind in der Kant-Hochburg Marburg der Aufklärer Immanuel Kant (1724 -1804), Ludwig Wittgenstein (1889-1951), Ernst Cassirer (1874-1945), Hannah Arendt (1906-1975), Martin Heidegger (1898-1976), Gottlob Frege (1848-1925), Christian Wolff (1679-1754), der von 1723 bis 1740 in Marburg lehrte und den Ruf der Philipps-Universität nachhaltig prägte, sowie der Franzose Julien Offray de La Mettrie (1709-1751).

Diese Philosophen werden dem Publikum nicht mit ihrer Literatur, mit Biografien oder Sinnsprüchen vorgestellt, sondern mittels Visualisierungen ihrer Überlegungen und Ideen. Ein Beispiel: Der französische Arzt und Philosoph La Mettrie gilt als Begründer des Materialismus, war bei seinen Zeitgenossen sehr umstritten wegen seiner Aussage „Der Mensch ist eine Maschine“, erklärt Ausstellungsmacher Michael Siegel (27).

Erfahrbar gemacht wird dies mit einem „Roboter“: Signalknöpfe sind an diesem Roboter neben Bildern etwa einer Spinne, einer Zwiebel oder einem Hasen angebracht. Drückt man sie, läuft ein Video, das entsprechende menschliche Reaktionen zeigen soll.

Die auf den ersten Blick irritierende Aussage des Sprachphilosophen Gottlob Frege - „der Morgenstern ist der Abendstern“ - wird in einem weißen Guckkasten mit drei Fenstern illustriert. Morgenstern und Abendstern sind die Venus, also identisch. Der Guckkasten zeigt daher ein Abend- und ein Morgenszenario im Miniatureisenbahnformat.

Wittgensteins Postulat, „die Welt ist alles, was der Fall ist“, wird mit Möbeln illustriert, auf denen exakt beschrieben ist, was sie sind, nur das „Wozu“ beantwortet dieser Ansatz der Welterklärung nicht.

Derartige Visualisierungen seien bei vielen Philosophen verpönt, meint Matthias Warkus. Doch, wie Siegel betont, soll die Ausstellung eben „nicht nur Leute ansprechen, die akademische Philosophie betreiben“. Die Ausstellungsmacher hoffen, ein möglichst breites Publikum anzusprechen, Schulklassen etwa, die sich auf eine andere Art mit Ideen auseinandersetzen wollen. Zu jedem Exponat gibt es eine kurze Einführung. Wer die Erkenntnisse vertiefen will, kann dies in einem Reader oder in weiterführender Literatur tun, die die Ausstellung ergänzen.

Crowdfunding

Die Ausstellungsmacher planen ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Vorträgen und Seminaren und haben dafür ein sogenanntes Crowdfunding-Projekt gestartet, mit dem sie dafür Spenden sammeln.

Die Ausstellung „überdacht! philosophie mit weitblick“ wird heute um 19 Uhr im Kleinen Rittersaal eröffnet. Sie ist bis zum 25. Januar zu sehen; geöffnet im Oktober von Dienstag bis Sonntag (10 bis 18 Uhr), ab November von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr. Mehr unter www.denkwelten.net

von Uwe Badouin

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr