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Große Bandbreite begeistert Publikum

Junge Marburger Philharmonie Große Bandbreite begeistert Publikum

Spannungsvoll, voller Kontraste und mit kraftvollen Holz- und Blech­bläsern präsentierte die Junge Marburger Phil­harmonie ihr Semesterabschlusskonzert in der Lutherischen Pfarrkirche.

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Die Junge Marburger Philharmonie spielte in der Lutherischen Pfarrkirche ihr traditionelles Semesterabschlusskonzert.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Die Uraufführung von Anton Bruckners 3. Sinfonie 1877 in Wien war ein Reinfall. Das lag vor allem daran, dass sich Bruckner als Dirigent nicht mit den Musikern der Wiener Philharmoniker verstand. Beim Semesterabschlusskonzert der Jungen Marburger Philharmonie war dies anders.

Die 80 Laienmusiker überzeugten unter der Leitung des 25-jährigen Dirigenten Lukas Rommelspacher mit Spielfreude und Engagement. Es war den Musikern anzusehen, mit wie viel Eifer sie dabei waren, auch wenn Bruckners Sinfonie, die wegen ihrer Widmung an und Bezugnahme auf Richard Wagner auch gerne „Wagner-Sinfonie“ genannt wird, eine große Herausforderung war.

Mit feinen Gesten und sicherem Kontakt zum Orchester führte Rommelspacher mit großartigen Crescendi zu den mitreißenden Tutti-Passagen des imposanten Trompeten-Themas im ersten Satz, das für Gänsehaut-Gefühl in der Lutherischen Pfarrkirche sorgte. Wie eine gewaltige Fanfare durchdrangen die Blechbläser den Kirchenraum. Ganz im Kontrast dazu erklang die schöne Hornmelodie, die aber von den Streichern und Holzbläsern rasch zum nächsten Tutti geführt wurde. Die Sinfonie verlangte den Laienmusikern viel Energie und vor allem Konzentration ab.

Doch die Spannung und die fesselnden Kontraste der Sinfonie wurden bis zum letzten Ton gehalten. Am Sonntag verließen nicht, wie bei der Uraufführung, große Teile des Publikums während des gefühlvollen zweiten Satzes den Konzertraum. Stattdessen verfolgten die Besucher der fast ausverkauften Pfarrkirche hoch konzentriert das tolle Konzert, wie beim mitreißend tänzerischen dritten Satz. Auch die rhythmische Verschiebung im vierten Satz, durch die Bruckner den Eindruck erwecken lässt, das Orchester spiele nicht zusammen, führten die Musiker präzise aus.

Solist Jan Ickert: Orchester 
ist „unheimlich wach“

Als „unheimlich wach“ lobte auch Cellist Jan Ickert die Junge Marburger Philharmonie, mit der er als Solist das Adagio „Kol Nidrei“, op. 47, von Max Bruch spielte. Ganz anders als die wuchtige Bruckner-Sinfonie bestach das Konzertstück aus dem Jahr 1881 durch viele feine emotionale Positionen. „Das ist eine große emotionale Palette, die man da zeigen muss“, so Ickert, der seit seinen Studienzeiten gefragter Solist, Kammermusiker und Orchestercellist im In- und Ausland sowie seit 2013 künstlerischer Leiter des Emanuel Feuermann Konservatoriums an der Kronberg Academy bei Frankfurt ist.

Im Cello-Adagio „Kol Nidrei“ arbeiteten sich Solist und Orchester vom betrübt düsteren Moll bis zum hoffnungsvollen hellen Dur, das durch den Einsatz der Harfe noch verstärkt wurde. Als Zugabe spielte Ickert „Den Gesang der Vögel“, mit dem der berühmte katalanische Cellist Pablo Casals alle seine Exilkonzerte nach 1939 beendete. Für die Zugabe habe er sich bewusst gegen eine typische Bach-Suite entschieden, da das Casals-Stück musikgeschichtlich passender sei und er so auch das Orchester noch einmal mit einbinden könne, erklärte Ickert im OP-Gespräch.

Ganz fein hatte das Konzert mit der Suite „Masques et bergamasque“ des französischen Komponisten Gabriel Fauré begonnen, das mit filigranen Verzierungen und leichtem warmem Klang wunderbar in das Konzert einführte. Auch bei diesem Werk zog Dirigent Lukas Rommelspacher mit kraftvollen Crescendi die Intensität an und führte das Laienorchester gut akzentuiert.

Die Junge Marburger Philharmonie zeigte bei diesem Konzert eine beachtliche Bandbreite ihres Könnens und wurde dafür mit langem, kräftigen Applaus sowie einigen stehenden Ovationen gefeiert.

von Mareike Bader

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