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Jung sein in den achtziger Jahren

Theater Jung sein in den achtziger Jahren

Vor 70 Zuschauern hat das Stück „Still haven’t found“ der ACTeasy-Jugendtheatergruppe „Augenschmaus“ im Theater im G-Werk Premiere gefeiert.

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Vier Jungen und ein Mädchen treffen in einer Hütte aufeinander. Ihre Konfrontation wird zu einer Suche nach der Identität der einzelnen.

Quelle: Andreas Arlt

Marburg . „Unsere Eltern wissen einfach nicht, in welcher Welt wir leben.“ Ein klares Bekenntnis der vier 17- bis 18-jährigen Freunde, die im von Karin Winkelsträter inszenierten Theaterstück „Still haven’t found“ vor allem eines suchen: sich selbst.

Das Stück spielt in den achtziger Jahren, und es sind die Wirren um die schlechten Ergebnisse in der Schule, Ärger mit den Eltern, Freundschaft und die Gefühle für das andere Geschlecht, die Ben (Daniel Grodzki), Holger (Florian Siebachmeyer), Ralf (Jim Kleuser) und Felix (Luca Schwarz) beschäftigen. Und es ist die Verschiedenheit ihrer überzeugend dargestellten Charaktere, die den Zuschauer zu einer Zeitreise in die eigene Pubertät veranlasst.

So unterschiedlich Ben, der Junge aus gutem Haus, der Musiker werden will, Streber Ralf, Angeber Holger und Muttersöhnchen Felix auch sind, gemeinsam arbeiten sie mehr oder weniger bewusst zwischen pubertierendem Gehabe an ihrem Ziel, ihre Identität zu finden. Mal rüde, mal mitfühlend, mal vulgär. „Still haven’t found“ erzählt subtil und mit musikalischer Unterstützung durch Musik aus den 80ern.

Für einen Bruch im Stück sorgt der Auftritt von Mia (Lynn Schau), die die Gefühlswelt der vier Freunde noch einmal zusätzlich durcheinander wirbelt, aber schließlich auch ordnet. Immer wieder in sich gehend, melancholisch zwischen Aufbruch und Erinnerung an den Tod ihres Bruders, zeigt Ausreißerin Mia ihren ganzen Schmerz. Und das ausgerechnet in der Hütte, die der Rückzugsort der vier Freunde ist.

Ihre Flucht vor dem Schweigen und der eigenen Unsichtbarkeit im Elternhaus hat eine Auseinandersetzung zur Folge - mit sich selbst, den vier Freunden als Gruppe und mit jedem ganz speziell. Die Dialoge lassen tief in die jeweilige Gefühlswelt blicken.

Den Wirren des Lebens wird noch kein konkretes Ziel entgegengesetzt, wenigstens nicht für alle. Es reift aber die Erkenntnis: Den kleinen Jungen gibt es nicht mehr.

von Andreas Arlt

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