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Jugendkultur trifft Shakespeare

Hessische Kinder- und Jugendtheaterwoche Jugendkultur trifft Shakespeare

Theater und Migration ist das Thema der Hessischen Kinder- und Jugendtheaterwoche „KUSS“. Dienstagabend gab es das Stück dazu: „Der Kaufmann von Venedig“

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Im Hintergrund stehen die Shylocks, im Vordergrund hockt der Kaufmann Antonio auf der spartanisch mit Stühlen, einer leinwand und einem Boxsack ausgestatteten Bühne.

Quelle: Annika Ley

Marburg. 406 Jahre alt ist Shakespeares Tragikomödie. Nur wenige der erstmals bei einer Abendveranstaltung des Festivals überwiegend jugendlichen Besucher dürften das Stück und die Hintergründe kennen: den Hass auf die Juden in England um 1600, dem Shakespeare entgegentritt.

Dennoch wurde die Inszenierung am Ende begeistert gefeiert: „Besser als Kino“, „toll“ und „cool“, lauteten die Kommentare vieler Schüler. Warum? Weil die Inszenierung unglaublich authentisch und nah an der Lebenswirklichkeit war.

Das fringe ensemble aus Bonn macht aus dem Klassiker ein temporeiches Jugendstück mit Rap, Breakdance und Beatboxing. Und es macht aus dem Juden Shylock einen Moslem. Gespielt wird dieser Kaufmann, der von den Christen ständig beleidigt und angespuckt wird, gleich von fünf Jugendlichen mit Migrationshintergrund um den deutsch-türkischen Rapper S-Dog. Sie wissen wie Shylock sich fühlt in seinem venezianischen Ghetto und sie drücken die Wut über die Ausgrenzung in ihrer Sprache aus, in der Sprache der Straße. Sie sind die „Kanaken“, wie sie sich nennen, die Underdogs, die keiner ernst nimmt und keiner will.

Hass gebiert Hass. Das wusste Shakespeare, das wissen die fünf Jugendlichen aus eigener Erfahrung. Das bringen sie sehr glaubwürdig mit viel Energie, fantastischen Breakdance-Einlagen und gleichzeitig sehr sympathisch auf die Bühne. Tolles Jugendtheater über das brennend aktuelle Thema Integration.

von Uwe Badouin

Mehr lesen Sie am Donnerstag in der Printausgabe der OP.

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