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Jugendkultur trifft Kirchenmusik

Hip-Hop-Musical Jugendkultur trifft Kirchenmusik

Die Hip-Hop-Kultur und Kirchenmusik, passt das zusammen? Ja, sehr gut sogar, wie die Aufführung des Musicals „Hip Hop Tag und Nacht“ in der zweimal ausverkauften Waggonhalle bewies. Jugendliche aus dem Waldtal arbeiteten mit der Kurhessischen kantorei zusammen.

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Was Neues auf die Ohren: In dem Musical „Hip Hop Tag und Nacht“ trafen Jugendkultur und Kirchenmusik aufeinander. Fotos: Bettina Preussner

Marburg. Es war eine spannende Mischung, die die Jugendlichen aus „Marburg City“ zusammen mit Mitgliedern des Oratorienchors der Kurhessischen Kantorei am Mittwoch und Donnerstagabend im KFZ präsentierten. Warum das Ganze funktionierte? Der Chor der Kantorei trat in dem Musical wie ein Bühnenchor auf und wirkte vor allem aus dem Hintergrund heraus. So verstärkte und ergänzte er die Wirkung der Szenen, die die Jugendlichen erarbeitet hatten, sangen und spielten.

Da reihten sich gleich zu Anfang des Stückes die Chorsänger in das Heer der Arbeitssoldaten ein und unterstrichen mit ihrem rhythmischen, dissonanten Gesang die Darstellung der stumpfsinnigen Fließbandarbeit. Oder sie sangen etwas später in dem fröhlichen Lied von „Cool-Mama“ aus dem Off und winkten mit den Armen ausgelassen über den Rand der Kulissen. Uwe Maibaum, der Leiter der Kantorei, trat im schwarzen Anzug mit Schlips und Kragen auf - und trug dazu eine Baseball-Kappe schräg auf dem Kopf. Am Klavier begleitete er den Gesang der Jugendlichen mit kraftvollen, meist dissonanten Klängen.

So blieb viel Raum für die Nachwuchskünstler der Gruppe „Woodvalley Movement“, die ihr ganzes Können auf der Bühne entfalten konnten. Zuerst sind die beiden Hauptdarsteller in dem Musical, Chantal Yancey und Paul Rott, in den Rollen von Luna und Sunny zu nennen. Chantal Yancey begeisterte mit ihrer tollen Stimme, auch der Gesang von Paul Rott konnte sich hören lassen.

Die anderen Jugendlichen überzeugten ebenfalls als mitreißende und engagierte Sänger und Tänzer. Besonders eindrucksvoll waren die Breakdance-Szenen, halsbrecherische Tanzeinlagen mit „Headspin“. Dabei drehte sich der Tänzer im Kopfstand blitzschnell auf seiner Mütze um die eigene Achse. Beatboxer Robin Gelindo Calderolla ergänzte die Musik mit seinen sprühenden Einlagen am Mikrofon.

Das Musical „Hip Hop Tag und Nacht“ erzählt die Geschichte von zwei jungen Leuten, die von der Monotonie und Stumpfsinnigkeit der Arbeitswelt die Nase voll haben.

In der „Tagwelt“ herrschen Hass und Unterdrückung, alles muss sich einem tristen, diktatorischen Regime unterordnen.

Durch Zufall entdecken sie die Gegenwelt des Hip-Hop, die „Nachtwelt“, den „Planet Rock“. Dort herrschen Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, der Alltag ist geprägt von Kreativität, Gemeinschaftssinn und Lebensfreude. Sunny und Luna sind fasziniert von dieser neuen Welt, sie lernen Breakdance und Rap und genießen das entspannte Leben zusammen mit den anderen Jugendlichen.

Die Inszenierung des Musicals (künstlerische Leitung Joana und Aljoscha Tischkau) konnte mit vielen tollen Spielideen punkten. Das wandelbare Bühnenbild, zwei riesige Lautsprecher mit einem flexiblen Gerüst, trug zum Gelingen der Aufführung bei. Auch die Kostüme, hier die graubraunen Kutten der Tagwelt, dort die knallbunten Outfits der Hip-Hopper, machten Spaß.

In der Schluss-Szene des Musicals fanden dann die beiden gegensätzlichen Welten zusammen: Sänger und Tänzer aus Tag- und Nachtwelt besangen gemeinsam in einem mitreißenden Song den „Planet Rock“. In der freien Kunst, im Tanz und in der Musik kann der Mensch sein Glück finden, so die Aussage. Am Schluss gab es langen stürmischen Beifall für die jungen Künstler und die Sänger der Kantorei.

Die etwa 20 Jugendlichen, die an dem Musical-Projekt teilgenommen haben, sind zwischen 16 und 19 Jahren alt und stammen aus dem Waldtal. Sie haben sich regelmäßig im Sankt- Martin-Haus getroffen, um dort Breakdance, Singen und Rappen zu üben.

Mit Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum arbeiten sie schon seit einiger Zeit zusammen. So traten die Jugendlichen zuletzt während der Aktion „Marburg b(u)y Night“ in der Lutherischen Pfarrkirche auf.

Neu war die Kooperation mit 15 Mitgliedern der Kurhessischen Kantorei. Das gemeinsame Projekt von Kirchenchor, Hip-Hop-Gruppe und Kulturzentrum wurde von der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren in Berlin finanziert.

von Bettina Preussner

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