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Jubiläums-Slam vor vollem Haus

Kulturladen KFZ Jubiläums-Slam vor vollem Haus

Großes Jubiläum im KFZ. Gefeiert wurde der 100. Poetry Slam. Unter den Künstlern waren national bekannte Slammer, die der Einladung der Moderatoren Bo Wimmer und Lars Ruppel nach Marburg gefolgt waren.

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Zum 100. Poetry-Slam im KFZ gab es leckeren Kuchen für Johannes Floehr (von links), die Marburger Organisatoren Lars Ruppel und Bo Wimmer sowie Björn Gögge.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Lars Ruppel grinst ebenso schelmisch wie breit und sagt im Plauderton: „Naja, eigentlich ist das ja nicht der 100. Slam. Wir haben ja zwischendurch immer irgendwelche Sonderveranstaltungen gehabt. Es war nur gefühlt der 100.“ Auf seine typisch lockere Art will er Folgendes ausdrücken: Eigentlich ist es völlig schnurz! Es geht um das, was drin steckt. Nicht das, was außen dran steht.

Neun Slammer stehen in den Startlöcher. Es ist wie so oft bei Slams: Die Ohren hören es, doch das Gehirn kann es noch gar nicht begreifen. Die Themen sind mannigfaltig und mitunter aberwitzig, gleichen einem ­
 Kuriositätenkabinett – natürlich verbreiten die Slammer nur die Wahrheit, nichts als die Wahrheit. Es geht um mörderische Nachbarschaftsstreits wegen zu lauter Musik, leidlichen Musikfestivals unter freiem Himmel oder auch um völlig skurrile, chaotische und katastrophal endende Grillabende auf den Lahnwiesen.

Marvin Ruppert, ebenfalls eine ehemalige Größe in der Marburger Poetry-Slam-Szene und mittlerweile in Köln zu Hause, schlug im KFZ auf. Auch Autor Christoph Kirschenmann, der 2003 mit Late-Night-Lesen in der Cavete die erste Lesebühne für Slam-Poetry in Marburg gegründet hat, ist mit von der Partie. Wenn Bo Wimmer und Lars Ruppel rufen, scheinen sie alle zu kommen.

Ein kongeniales Duo:
 Bo Wimmer und Lars Ruppel

Es findet sich sogar eine Zuschauerin, die vor zwölf Jahren beim ersten von Lars Ruppel organisierten Poetry Slam dabei war. Ruppel, mit tatkräftiger Unterstützung des KFZ, setzt ­alle Rädchen in Bewegung, um dem treuen Fan eine Belohnung zu spendieren. „Können wir für die Dame bitte ein Bier bekommen?“, fragt Ruppel in die Runde. So äußert sich Dank in Slammer-Kreisen.

Wer A sagt, muss auch B sagen. Denn Ruppel sonnt sich im warmen Licht, das auf die Slammer-Szene Marburgs hernieder scheint, nicht allein. Sein Partner in allen Lebenslagen, Bo Wimmer, ist immer mit von der Partie.

Der Mann mit dem wallenden Haupthaar ist seit mehr als zehn Jahren Ruppels kongenialer Partner und Co-Moderator. Die Symbiose funktioniert immer noch prächtig und ist einer der Gründe für den anhaltenden Erfolg des Poetry Slams im KFZ. Das liegt vor allem an dem Krater, der zwischen den beiden Charakteren klafft.

Unterhaltsamer semantischer und syntaktischer Wirrwarr

Auf der einen Seite Ruppel, der nimmermüde und dauernd quatschende Entertainer, auf der anderen Seite Wimmer, der eher wortkarg und phlegmatisch wirkt, aber für die trockenen Pointen verantwortlich zeichnet. Ying und Yang. Humoristische Kinnhaken in Richtung des Partners gehören bei dem Paar zum guten Ton und der Tagesordnung. So beharken sich die beiden auch ordentlich, als sie bei ihrer im Duett vorgetragenen Ode an den Marburger Poetry Slam ihre Highlights von 2005 bis 2017 aufzählen – eine­ Spritztour auf der Allee der ­Erinnerungen.

Doch ein Slammer stiehlt den beiden Lokalmatadoren vor 400 Fans die Show. Nämlich der wortgewandte Johannes Floehr. Im Stile des Komikers Piet Klocke, der mit vielen Exkursen in seinem Redeschwall für Amüsement sorgt, brillierte der Krefelder. Brillant. Es kommt das Gefühl auf, dass sich in Floehrs Kopf mehrere Gedanken gleichzeitig bewegen – und zwar gegeneinander. Am Ende steht ein semantischer und syntaktischer Wirrwarr. Doch der Wust ist höchst unterhaltsam.

Gewitzt legt er einem fiktiven 08/15-Politiker Binsenwahrheiten und Schaumschlägereien in den Mund. Mit markigen Parolen fordert er Toleranz mithilfe von Inhaltsleere: „Mal über den eigenen Tellerrand hinaus essen! Doch Käsekuchen! Auf einer Skala von Januar bis Februar ist es kurz vor zwölf!“

Allerdings muss sich der Krefelder an diesem 100. Poetry-Slam-Abend Rang eins mit seinem Freund Björn Gögge teilen. Der kommt übrigens auch aus Krefeld. Die Stadt zwischen Düsseldorf und Duisburg scheint ein gutes Poetry-Slam-Pflaster zu sein.

von Benjamin Kaiser

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