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Jubelgesang und Gänsehautmomente

50 Jahre Marburger Bachchor Jubelgesang und Gänsehautmomente

50 Jahre Marburger Bachchor – da durfte ein Gipfelwerk des Namensgebers nicht fehlen: Nicolo Sokoli und seine Sänger entschieden sich für die in Bachs Schaffen singuläre h-Moll-Messe.

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Musikgenuss in der Lutherischen Pfarrkirche mit dem Marburger Bachchor, unterstützt von den Solisten Verena Gropper (links) und Anne Bierwirth.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Wenn der Marburger Bachchor Musik von Johann Sebastian Bach singt, dann ist die im Kirchenschiff und auf der Empore alles in allem 700 Zuhörer fassende Lutherische Pfarrkirche St. Marien ausverkauft. So war es auch am Samstagabend, als der vor 50 Jahren gegründete Chor dem gebannt zuhörenden Publikum zwei Bach-Sternstunden mit der h-Moll-Messe bescherte.

Bachchor H-Moll Messe - Marburg, Lutherische Pfarrkirche : Foto / Michael Hoffseteter

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Es war ein Fest der Stimmen, das da gefeiert wurde, wozu auch das hochkarätige Solistenquartett beitrug, und es war ein Fest des Originalklang-Musizierens, dank der Verpflichtung des Barockorchesters „L’arpa festante“ (festliche Harfe). Als souveräner Zeremonienmeister wirkte Nicolo Sokoli, der mit seiner Deutung des in Bachs Schaffen singulären Werkes die lebensbejahende Leuchtkraft der h-Moll-Messe in den Vordergrund stellte.

Da strahlten die Stimmen des Chores immer wieder mit den glanzvollen, atemberaubend brillant intonierten Naturtrompeten um die Wette – in Sätzen wie dem ohrwurmnahen „Et resurrexit tertia die“ (Und ist am dritten Tage auferstanden) oder der in einem jubilierenden „Amen“ gipfelnden fünfstimmigen Schlussfuge des „Credo“-Teils. Der Bachchor sorgte aber auch für Gänsehautmomente – etwa im ergreifenden Klagegesang „Qui tollis peccata mundi“ (Der du trägst die Sünden der Welt), der im „Gloria“ die liebliche Stimmung des Duetts „Domine Deus, Rex coelestis“ (Herr Gott, König des Himmels) geradezu dramatisch kontrastiert, oder in den beiden mystisch-entrückten Chören, die Menschwerdung und Kreuzigung Jesu darstellen.

Applaus bis zur Zugabe

Das Kräfteverhältnis von Frauen- zu Männerstimmen ist beim Bachchor derzeit ideal – wovon die meisten Laienchöre heutzutage nur noch träumen können. Und das dynamische Spektrum vom stets tragfähigen Pianissimo bis zum nie forcierten Fortissimo sowie die so textdeutliche wie ausdrucksintensive Phrasierungskunst sind überaus reich an Zwischentönen.

Über diese verfügte auch „L’arpa festante“, dessen exzellente Stimmführer (Violine, Flöten, Oboi d’amore und Jagdhorn) in einen ohne Worte sprechenden Dialog mit den Gesangssolisten traten. Die wiederum hatte Sokoli so ausgewählt, dass sie ideal miteinander harmonierten. Verena Groppers schlanker Sopran verströmte in den beiden Duetten mit Anne Bierwirths bronzefarbenem Mezzosopran warmes Sonnenlicht, vermählte sich untrennbar mit dem geschmeidig-weichen Tenor von Christian Dietz.

Alle drei setzten zudem in ihren Arien vokale Glanzlichter, was auch für Thomas Gropper gilt. Im „Quoniam tu solus Sanctus“ (Denn du allein bist heilig) agierte er als sonorer Bass; im „Et in Spiritum Sanctum“ (Wir glauben an den heiligen Geist) meinte der Zuhörer einen ganz anderen Sänger zu hören. Denn Groppers Stimme erklang nun als heller, liedhaft-schlichter Bariton.

Nach dem „Dona nobis pacem“ (Schenk uns Frieden), mit dem die katholische Messe des erklärten Lutheraners Bach trompetenüberglänzt endet, erhoben sich nahezu alle Zuhörer spontan von ihren Sitzen und hörten erst auf zu applaudieren, als Sokoli den Taktstock zur Zugabe erhob, dem jubelnden Auferstehungs-Chor aus dem „Credo“.

von Michael Arndt

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