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Jochen Busse als Mutmacher für ältere Menschen

Kabarett Jochen Busse als Mutmacher für ältere Menschen

„Wie komm‘ ich jetzt da drauf?“, fragt sich Jochen Busse immer wieder, wenn er erzählt. Es sind unter anderem diese selbstironischen Anflüge von Demenz, mit denen er in Marburg begeistert.

Marburg. Rein äußerlich mag man es Jochen Busse nicht anmerken, aber das Thema Alter, besser gesagt das Altwerden, beschäftigt ihn sehr. „Das beschäftigt uns doch alle“, sagt der 73-jährige Kabarettist zu Beginn seines Auftritts geradeheraus. Aus der Runde der 200 Besucher im KFZ erntet er anerkennendes Nicken.

Busse selbst ist für sein Alter erstaunlich fit: Er bringt zwei Stunden lang Leben auf die Bühne, gestikuliert und tanzt sogar. Seine Stimme ist klar und impulsiv - das Publikum begreift den Witz, aber auch die Botschaft, die hinter Busses Vortrag stecken.

„Früher waren die Menschen viel eher tot. Heute sind sie deutlich länger haltbar“, erklärt der Kabarettist trocken zum Einstieg. Verbunden mit allen Folgen, die das Älterwerden mit sich zieht.

Unweigerlich gerät dabei auch die Politik unter die Räder von Jochen Busse - allen voran Altkanzler Helmut Schmidt. „Der Mann ist so alt, dass er schon Moses die Zehn Gebote diktiert hat“, scherzt der Redner. Um nach einer kurzen Pause hinzuzufügen: „Deswegen gehörte ‚Du sollst nicht rauchen‘ auch nicht dazu.“

Die Zuhörer lachen teils lauthals mit, einige applaudieren immer wieder, als könnten sie genau nachvollziehen, was Busse humorvoll über all die Sorgen im Rentenalter von sich gibt.

Der Kabarettist bindet die 200 Gäste auf herrliche Weise mit in sein Programm ein: Er greift sich einen der Jüngeren heraus und dankt ihm bewusst überzogen für das viele Geld, das er in Zeiten des Demografischen Wandels für unzählige ältere Menschen in die Rentenkasse einzahle. Das Auditorium ist mitgerissen.

„Seine Ausstrahlung, seinen Humor und seine ganze Art“, antworten Hiltraud und Ulrich Schoen auf die Frage, was sie an Jochen Busse schätzen. „Wir waren sehr gespannt im Vorfeld. Er hat unsere Erwartungen voll erfüllt“, loben die beiden. Paul Urschel sagt: „Je älter er wird, desto lustiger wird er auch. Er macht nicht den Bühnenkasper, sondern behandelt - wie es sich für Kabarett gehört - sinnvolle Themen“, so Urschel.

Auch mit 73 Jahren lassen Busse diese Rückmeldungen unmittelbar nach seinem Auftritt erst einmal aufatmen. Er ist stolz, dass es den Marburgern gefiel. „Mehr kann man nicht erreichen“, staunt er. Jahrzehntelang aus verschiedensten TV-Shows bekannt, ist Busse inzwischen zum ersten Mal überhaupt auf Solo-Tournee. Die Thematik dafür hat er sich sorgfältig ausgesucht: „Der Witz in den Geschichten ist eine gute Möglichkeit, um älteren Leuten Mut zu machen und Heiterkeit zu wecken.“ Und so möchte er mit Kabarett nicht nur Menschen zum Lachen bringen, sondern auch helfen, gewisse Probleme zu lösen.

von Yanik Schick

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