Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° Regen

Navigation:
Jesus ganz ohne Requisiten

Christliche Hochschulgruppe in der Waggonhalle Jesus ganz ohne Requisiten

Die Bibel ist ein großer Stoff für den Film. Geht sie auch auf der Bühne? Ganz ohne Requisiten? Die Marburger Hochschulgruppe der Studenten­mission Deutschland hat das Experiment gewagt.

Voriger Artikel
Cinderellas Schuh: Die Gewinner stehen fest
Nächster Artikel
15 Schülergruppen stellen sich vor

Jesus am Kreuz. Oder eigentlich Jesus ganz ohne Kreuz. Jedenfalls litt Hauptdarsteller Matthias Schulte auch ohne Bühne, Nägel oder echte Dornen recht überzeugend.

Quelle: Marcus Hergenhan

Marburg. Es dürfte eine der am häufigsten erzählten Geschichten überhaupt sein und doch werden die Evangelien von Jesus Christus und seinen Jüngern in Filmen Fernsehbeiträgen oder eben im Theater regelmäßig neu dargestellt und dabei natürlich auch stets neu interpretiert.

Die Hochschulgruppe der „Studentenmission in Deutschland“ (SMD), führte am Montag und Dienstag in der Waggonhalle ihre eigene Interpretation auf, die ganz im Sinne der Hauptfigur mit einfachsten Mitteln auskommt. Es gab keine Bühne, keine Requisiten und auch keinen Raum zwischen Darstellern und Publikum, die Besucherinnen und Besucher saßen eng zusammengerückt im Kreis, alle Handlung geschah in der Kreismitte oder den schmalen Reihen zwischen den Sitzen.

Auch auf Kostüme wurde verzichtet, Hauptdarsteller Matthias Schulte, der in Marburg Philosophie studiert, trug ein weißes Hemd, die ewig kritisierenden und intrigierenden Priester trugen schwarz, ansonsten waren die Personen austauschbar – und das mit Absicht. Denn um die Ensemblegröße überschaubar zu halten, wechselten die meisten Darsteller ihre Rollen fast schon im Akkord, wer gerade noch blind oder von Dämonen besessen war, der trieb als nächstes eben Zinsen ein oder spielte einen römischen Soldaten.

Evangelium bietet genügend Stoff für 90 Minuten

Dabei hielt sich die Darbietung zwar inhaltlich und auch größtenteils textlich an die biblische Vorlage, einige Ausrufe und Passagen wurden aber für ein jüngeres Publikum deutlich modernisiert. „Ey, die pflücken jetzt nicht ernsthaft am Sabbath Ähren?“, rief etwa ein konservativer Priester zornig.

Insgesamt musste die Truppe bei der Darbietung ein gewisses Tempo vorlegen, denn auch wenn das Markusevangelium die älteste und zugleich am wenigsten umfangreiche Fassung der Jesusgeschichte ist, bietet es doch eine Menge Stoff für 90 Minuten. Möglicherweise hätte eine leichte Kürzung an einigen Stellen dabei gut getan, schließlich berichtet der Text von insgesamt 14 Wunderheilungen und Dämonenaustreibungen, sodass sich diese Szenen in der Schnellfassung spürbar wiederholen.

Die gut 120 Gäste bei der Premiere wurden jedoch sichtbar durch die Dichte der Aufführung in den Bann gezogen, so auch die Medizinstudentin und überzeugte Christin Katharina Nicodemus: „Ich fand‘s richtig gut, vor allem gegen ­Ende haben die sich enorm gesteigert.“

Wer sich weiter über das Markusevangelium oder die Glaubwürdigkeit der Bibel mit der SMD-Hochschulgruppe austauschen möchte, hat dazu am 17. Juni und 1. Juli um 19.30 Uhr im Philippshaus Gelegenheit.

von Marcus Hergenhan

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr