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Jeder Belcanto-Fan gerät in Verzückung

„La Sonnambula“ Jeder Belcanto-Fan gerät in Verzückung

Rollendebüts, die sich ­unauslöschlich ins Gedächtnis eines Opernfans einbrennen, gibt es nur selten. Der erste Auftritt von Brenda Rae als „La Sonnambula“ zählt dazu.

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Brenda Rae als Amina landet schlafwandelnd im Zimmer des Grafen Rodolfo (Kihwan Sim).

Quelle: Barbara Aumüller

Frankfurt. Die amerikanische Sängerin, die seit sechs Jahren zum Ensemble der Oper Frankfurt zählt und ihm trotz weltweiter Karriere die Treue hält, tritt in große Fußstapfen. Maria Callas hat in der Titelpartie von Vincenzo Bellinis Oper „La Sonnambula“ (Die Schlafwandlerin) Maßstäbe gesetzt – in Luchino Viscontis Regie und unter Leonard Bernsteins musikalischer Leitung.

Das war in den 1950er Jahren. Als ideale Interpretin von heute ist Cecilia Bartoli zu nennen – und seit der Frankfurter Erstaufführung des 1831 aus der Taufe gehobenen Werkes Brenda Rae. Das Premierenpublikum erkannte den Ausnahmerang ihres Rollendebüts und feierte die Sängerin mit einem Beifallssturm, wie ihn selbst weitgereiste Opernfreunde nur selten erleben.

Schauspielregisseurin Tina Lanik, die erstmals eine Oper inszenierte, hatte Brenda Rae dafür den Boden bereitet. Denn Amina, wie Bellinis Titelheldin in Anspielung an Mozarts „Zauberflöten“-Pamina heißt, bleibt zum Schluss alleine auf der Bühne zurück, schlägt die Hand des reumütig zu ihr zurückkehrenden Verlobten Elvino aus und lässt auch den Grafen Rodolfo ziehen, in dessen Gemach sie beim Schlafwandeln gelandet war, ohne dass dieser die Situation ausnutzte.

Rae überzeugt mit Koloraturen

Bei Bellini gibt es ein Happy End für Amina und Elvino, Lanik misstraut dem und setzt ein großes Fragezeichen. Das ist aber auch das Einzige, was sie an Neudeutung einbringt. Ansonsten setzt sie auf sängerfreundliche Personenführung und unterstützt die eindringliche Gestaltungskraft, mit der Brenda Rae die Bühne beherrscht.

Einher geht dies mit einer gesanglichen Wiedergabe, die auf Zwischentöne setzt. Das gilt für die wundervoll gesponnenen Legato-Bögen in den langsamen Arien-Teilen, jenen „melodie lunghe, lunghe“, die Verdi so bewunderte und darin mit seinem Konkurrenten Wagner einer Meinung war.

Aber auch die schnellen Sätze mit ihren immens anspruchsvollen Koloraturen versteht Brenda Rae nie als Anlass für die Zurschaustellung artifiziellen Könnens. Sie zeigt auch dort eine variationsreich ausgeformte Differenzierungskunst, die jeden Belcanto-Fan in Verzückung versetzt. Möglich ist dies auch, weil die koreanische Dirigentin Eun Sun Kim sie dabei hingebungsvoll unterstützt.

Singen bedeutet harte Arbeit

Mit dem fabelhaften Frankfurter Opern- und Museumsorchester trägt sie die Titelheldin, aber auch alle anderen Sänger auf Händen und spürt gleichzeitig in Bellinis Partitur Nuancen auf, die zuvor so noch nie erklungen sind. Es wird geradezu kammermusikalisch musiziert, was auch für den von Tilman Michael einstudierten Chor gilt, der eine tragende Rolle spielt – als kommentierende und mit den Protagonisten mitleidende Dorfbevölkerung.

Dass „La Sonnambula“ relativ selten gespielt wird, hängt vor allem mit der heutzutage kaum noch adäquat zu besetzenden Partie des Elvino zusammen. In Frankfurt widmete sich ihr der preisgekrönte rumänische Tenor Stefan Pop. Von der Regie als tollpatschiger Teddybär angelegt, überzeugte auch er mit lyrischer Feinzeichnung. Allerdings klang seine Stimme besonders bei den zahlreichen Spitzentönen rund ums hohe C oft gepresst. Im Gegensatz zu Brenda Rae merkte man ihm an, dass Singen harte Arbeit bedeutet. Als Graf Rodolfo verströmte Kihwan Sim Bass-Balsam.

  • Der Hessische Rundfunk sendet am heutigen Samstag ab 20.05 Uhr auf hr2-kultur den Premierenmitschnitt. Aufführungen: 11., 14., 20., 26. Dezember, 3., 8., 11., 17. Januar, jeweils ab 19.30 Uhr. Karten:Telefon 069 / 2124 9494 oder www.oper-frankfurt.de

von Michael Arndt

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